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Branchenmeldungen 21.02.2011

Zahnmedizin im Altenheim sehr aufwendig

Zahnmedizin im Altenheim sehr aufwendig

Zwischenbilanz zum Pilotprojekt Alterszahnheilkunde


„Für pflegebedürftige Patienten ist ein hoher logistischer, apparativer und personeller Aufwand zur adäquaten zahnmedizinischen Versorgung notwendig. Bei guter Zusammenarbeit mit der Pflegeeinrichtung ist eine Organisation der Behandlungsmaßnahmen jedoch möglich“, sagte der Präsident der Zahnärztekammer Mecklenburg Vorpommern, Dr. Dietmar Oesterreich. Die Zwischenbilanz der Studie zur Betreuung immobiler Patienten im Augustenstift und in den Soziuspflegeheimen in Schwerin, die von der Zahnärztekammer mit Unterstützung des Sozialministeriums und des Zentrums für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde der Ernst-Moritz-Arndt-Universität Greifswald initiiert wurde, sieht Verbesserungsressourcen im Bereich der Mundhygiene durch die Pflegekräfte.

„Erste Auswertungen der Studie ergaben, dass die derzeitigen Rahmenbedingungen für die zahnmedizinische Versorgung immobil pflegebedürftiger Patienten sowie für Menschen mit Behinderungen im Rahmen der gesetzlichen Krankenversicherung unzureichend sind. Vorsichtige Berechnungen gehen von einem ermittelten Umsatz von 55 Euro pro Stunde aus, der keinesfalls zur Deckung der betriebswirtschaftlichen Kosten ausreicht“, so Dr. Dietmar Oesterreich. Konkret geht es bei dem Pilotprojekt um den Behandlungsbedarf der Heimbewohner und den Behandlungsaufwand des Praxisteams bei den Heimbesuchen. Auch die Interaktion zwischen Zahnarzt und Pflegeeinrichtung ist Gegenstand der Studie. Insgesamt nutzen sechs teilnehmende Zahnärzte aus Schwerin zwei mobile Behandlungseinheiten für die Versorgung der Patienten vor Ort.

Im ersten Jahr nahmen 413 Probanden an der Untersuchung teil. Die Altersverteilung ergab, dass die vorwiegend weiblichen Patienten zwischen 85 und 89 Jahre alt waren. Die mobilen Behandlungseinheiten kamen bei einem Drittel der Konsultationsfälle zum Einsatz. Die Behandlungsnotwendigkeit wurde zu 43 Prozent durch die Pflegeeinrichtung, zu 31 Prozent durch den Hauszahnarzt und zu 4,5 Prozent durch die Angehörigen festgestellt. In fast allen Fällen erfolgte eine gute Vorbereitung der zahnärztlichen Konsultation durch die Pflegeeinrichtung. Es wurde zudem festgestellt, dass nicht alle Behandlungen vor Ort mit den transportablen Einheiten durchgeführt werden konnten. Einerseits erforderte die Behandlung umfangreichere diagnostische Maßnahmen, z. B. Röntgendiagnostik, andererseits war die Behandlung unter den eingeschränkten Bedingungen wegen ihres medizinischen Umfanges nicht möglich. Insgesamt lag bei einem Viertel der Heimbewohner die Notwendigkeit weiterführender Maßnahmen vor. Von diesen Patienten wurde ein Drittel als immobil eingestuft, in deren Konsequenz eine Weiterbehandlung in der zahnärztlichen Praxis einen sehr hohen logistischen und klinischen Behandlungsaufwand erfordert.
„Die Zahnmedizin leistet im Hinblick auf den Masterplan zur Gesundheitswirtschaft der Landesregierung Mecklenburg-Vorpommern einen wichtigen Beitrag zur Verbesserung der Prävention und Versorgungssituation. Wir sehen somit, dass die Probleme in unserem Bundesland nicht nur eine große Herausforderung, sondern gleichzeitig auch die Chance bieten, mit Kreativität und Engagement Lösungsansätze beispielgebend für die Bundesrepublik zu liefern“, sagt Dr. Dietmar Oesterreich.

Bevölkerung in M-V wird immer älter

Das Gesundheitsland Mecklenburg-Vorpommern ist bekanntermaßen durch eine sogenannte doppelte Altersdynamisierung gekennzeichnet. Einerseits wandern junge Menschen aus unserem Bundesland ab und andererseits verzeichnen wir einen Zuzug von Personen über 65 Lebensjahren. Die vierte Landesprognose zur Bevölkerungsentwicklung in Mecklenburg-Vorpommern besagt, dass die Anzahl der über 65-Jährigen von 348.714 im Jahr 2006 auf 524.870 Personen im Jahre 2030 steigen wird. Das entspricht einem Anstieg um 50,5 Prozent. Nach einer Studie der statistischen Ämter des Bundes und der Länder dürfte die Zahl der Pflegebedürftigen von 2005 bis 2020 in Brandenburg um 59 Prozent und in Mecklenburg-Vorpommern um 55 Prozent am stärksten in Deutschland (Mittelwert 37 Prozent) ansteigen.


Quelle: ZÄK Mecklenburg-Vorpommern

Foto: © Shutterstock.com
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