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Wissenschaft und Forschung 29.01.2020

„Ausgetickt“ – Aufbissschiene als Hilfe bei Tourette-Syndrom

„Ausgetickt“ – Aufbissschiene als Hilfe bei Tourette-Syndrom

Bei Patienten mit Bruxismus ist die Zahnschiene ein altbewährtes Mittel, um zumindest vor dem Verschleiß der Zähne zu schützen. Wie japanische Forscher belegen können, ist die Schiene auch eine vielversprechende Therapieform bei Tourette.

Nach Schätzungen des InteressenVerbandes Tic & Tourette Syndrom (IVTS) e.V. leiden rund ein Prozent der deutschen Bevölkerung am Gilles-de-la-Tourette-Syndrom, viele davon sind jedoch nicht offiziell diagnostiziert. Die neuropsychiatrische Behandlung äußert sich durch sogenannte Tics, unwillkürliche spontane Bewegungen, Laute und Geräusche. Eine Heilung gibt es nicht, die Therapie beschränkt sich auf die Linderung der Symptomatik, die von medikamentöser Therapie bis zu chirurgischen Eingriffen reicht.

Forscher der Universität Osaka, Japan, prüften nun, ob Aufbissschienen zweckentfremdet beim Tourette-Syndrom als Therapieform sinnvoll sind – mit vielversprechenden Ergebnissen.

Quelle: Jumpei Murakami DDS, PhD; Yoshihisa Tachibana DDS, PhD et al.

In der Studie wurden die Schienen an 14 Kindern und acht Erwachsenen getestet. Ihre Tics hatten nach der Yale Globale Tic-Schweregrad-Skala vor dem Einsetzen der Aufbissschiene durchschnittliche Werte von 15,3 (Kinder) und 15,1 (Erwachsene). Bei ca. 73 Prozent der Patienten zeigte die Schiene positive Effekte. Die Einzelwerte sanken mit Einsetzen direkt auf 11 und 8,2. Das heißt, die durchschnittliche Reduktion der Tics lag bei 30 bzw. 43 Prozent. Erfreulich: Die Wirkung hielt auch langfristig an (mehr als 100 Tage geprüft).

Grund für den Positiveffekt scheint ein sensorischer Trick, bei dem bestimmte Kiefermuskeln in die Irre geführt werden und Berührungssignale an das Gehirn senden.

Die Studie ist im Movement Disorders veröffentlicht worden.

Foto: lucid_dream – stock.adobe.com

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