Wissenschaft und Forschung 02.06.2026
Wie gesund ist der Mund im Profisport? Deutsche Studie vergleicht Fußballer und Eishockeyspieler
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Athletinnen und Athleten arbeiten mit Ernährungsplänen, Schlaftracking, Belastungsanalysen und medizinischer Begleitung bis ins kleinste Detail. Gleichzeitig bleibt ein Bereich häufig erstaunlich randständig, obwohl er direkt mit Entzündungen, Schmerzen oder allgemeinem Wohlbefinden zusammenhängt, die Mundgesundheit. Ein Forschungsteam um René Schwesig und Christian Ralf Gernhardt hat nun untersucht, wie sich orale Gesundheitsparameter bei zwei professionellen Teamsportarten in Deutschland unterscheiden. Die Querschnittsstudie erschien im Journal Sports.
Untersucht wurden insgesamt 50 männliche Profisportler aus der dritten deutschen Fußballliga sowie aus dem professionellen Eishockey. Erfasst wurden unter anderem Karieserfahrung über den DMFT-Index, Plaque- und Blutungswerte, parodontale Befunde sowie Angaben zum Vorsorgeverhalten. Zusätzlich wurden körperliche Leistungsparameter wie Griffkraft und Gleichgewichtskontrolle analysiert. Dabei zeigten sich zwischen beiden Gruppen mehrere Unterschiede.
Die Fußballspieler wiesen insgesamt bessere Werte bei Plaque und Gingivablutung auf und hatten günstigere parodontale Befunde. Auch regelmäßige zahnärztliche Kontrollen wurden in dieser Gruppe häufiger angegeben. Die Eishockeyspieler berichteten dagegen öfter über Spannungszustände im Bereich des Kiefergelenks. Beim DMFT-Index lagen beide Gruppen vergleichsweise nah beieinander. Unterschiede zeigten sich vor allem bei den aktuellen Entzündungs- und Hygienewerten. Parallel dazu schnitten die Eishockeyspieler bei einzelnen Parametern der Haltungskontrolle und des Gleichgewichts besser ab, was die Autoren vor allem mit sportartspezifischen Anforderungen erklären.
In der Studie geht es deshalb nicht allein um Zähne oder Zahnfleischbefunde, sondern auch um die Frage, welchen Stellenwert die Mundgesundheit im eng getakteten Alltag professioneller Athleten überhaupt einnimmt. Faktoren wie Ernährung, Mundtrockenheit durch intensive Belastung, eingeschränkte Regenerationsphasen oder ein hoher Konsum sportbezogener Getränke könnten dabei ebenso eine Rolle spielen wie unterschiedliche medizinische Betreuungsstrukturen innerhalb der Teams. Die Autoren verweisen weiterhin darauf, dass orale Erkrankungen im Spitzensport international seit Jahren als unterschätztes Thema gelten. Frühere Untersuchungen hätten bereits gezeigt, dass Schmerzen, Entzündungen oder unbehandelte Zahnprobleme Training, Schlaf und subjektives Wohlbefinden beeinflussen können. Einheitliche Standards für orale Prävention im professionellen Teamsport gebe es bislang jedoch kaum.
1 Schwesig R, Born P, Kurz E, Schulze S, Panian M, Marshall RP, Bartels T, Wienke A, Gernhardt CR. Oral Health Conditions and Physical Performance in Two Different Professional Team Sports in Germany: A Cross-Sectional Study. Sports (Basel). 2025 Jun 25;13(7):206. doi: 10.3390/sports13070206. PMID: 40711091; PMCID: PMC12299959.