Lifestyle 21.02.2011

Vom Ku’damm nach Vineta – von Razzle Dazzle bis Min Drom

Vom Ku’damm nach Vineta – von Razzle Dazzle bis Min Drom

Foto: © Dieter Jaeger

„Ich träume oft davon, ein Segelboot zu klau’n, und einfach abzuhau’n … Jetzt woll‘n wir doch mal seh‘n, wie weit die Reise geht und wohin der Wind uns weht. Es muss doch irgendwo ‘ne Gegend geben für so‘n richtig verschärftes Leben, und da will ich jetzt hin“, so singt Udo Lindenberg. Sicher ist es heute nicht mehr ratsam, ein Boot zu klauen, denn Charterboote sind an der Ostsee erschwinglich. Diesen Hauch von unendlicher Freiheit beschreibt bereits Jack London, als er während seiner waghalsigen Ausfahrten mit seiner heruntergekommenen Schaluppe Razzle Dazzle in der Bucht vor San Francisco dem Elend seiner trostlosen Kindheit entfloh.


Wer dieses Gefühl sucht, der wird es nicht in den gelackten und überfüllten Marinas im Heer der Plasteboote finden. Aber ganz nah, quasi vor den Toren Berlins, meist in weniger als drei Autostunden erreichbar, erschließt sich dem Segler und Naturliebhaber mit dem Nationalpark Vorpommersche Boddenlandschaft ein geschlossenes Segelrevier mit eigenen unverwechselbaren Reizen. Auf einer Fläche von ca. 5.000 Quadratkilometern kann die Reise z.B. vom Darß bis nach Seedorf oder Hiddensee und für Verwegene bis in das reizvolle südfynische Inselmeer, von Seglern auch dänische Südsee genannt, führen. Das Besondere an den vorpommerschen Bodden, insbesondere dem Revier Darß/Fischland sind zunächst die Boote und Segel.

Die bekanntesten unter ihnen sind die Zees- und Netzboote, die traditionellen Arbeitsgeräte der Fischer an der mecklenburgischen und vorpommerschen Küste. Die braunen Segel gehören zu dieser Landschaft wie die Möven. Die Zeesen sind ca. 10 Meter lange breit­rumpfige Flachkieler mit weniger als einem Meter Tiefgang. Das zum Segeln auf Kreuzkursen abgelassene Schwert muss immer gut im Auge behalten werden, denn die Boddengewässer sind typischerweise flach und es droht das gefürchtete Auflaufen. Ihren Namen erhielten diese Boote von dem sackförmigen Fangnetz, der Zeese. Die Boote waren der Stolz und die Lebensgrundlage der Fischer. Das Leben war hart, Reichtümer waren mit der Fischerei nicht zu erzielen. Die Zeesbootbesitzer hatten eine eigene Zunft. Immer schwieriger wurde es, die Boote und Ausrüstung vor dem Hintergrund neuer Fangprinzipien durch Großreusen zu unterhalten und die Heuer an die anderen Fischer zu zahlen. Auch gingen die Fangerträge durch eine Verschlechterung der Wasserqualität in den Bodden zurück und das Zeitalter der Zeesbootfischerei ging zu Ende. Barth, Bodstedt und Althagen waren die letzten Häfen der Zeesboote, bevor sie als Arbeitsboote Ende der Sechzigerjahre ausgemustert wurden.

Die alten Traditionsboote, die von Meistern ihrer Zunft auf der Lastadie in Stralsund, Rerik und Barth gebaut und von Generationen von Fischern gepflegt und vererbt wurden, wurden schweren Herzens an ausgewählte Segler weitergegeben. Das waren keine üblichen Bootsverkäufe, sondern es kamen nur ortsansässige Segler in Betracht, denen ein pfleglicher und liebevoller Umgang mit den Fami­lienerbstücken der Fischer zugetraut wurde. Und so verblieben die Boote auf dem Revier und bereits 1965 wurde die erste Bodstedter Zeesbootregatta ausgetragen. Jährlich findet seitdem am ersten Samstag im Juli in Wustrow die Zeesbootregatta statt, zur kleinen Fischländer Regatta treffen sich die Netzboote von der mecklenburg-vorpommerschen Ostseeküste und den Boddengewässern im Fischländer Hafen immer am letzten Samstag im Juli. ...

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Autor: Prof. Dr. Hans Behrbohm


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