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Finanzen 08.08.2017

Negativer SCHUFA-Eintrag? Das sollten Sie wissen

Negativer SCHUFA-Eintrag? Das sollten Sie wissen

Ein negativer SCHUFA-Eintrag wirkt sich schlecht auf die Bonität aus. Doch es gibt Möglichkeiten, dem entgegenzuwirken.

Das Problem kennen viele Deutsche von sich selbst oder aus ihrem Bekanntenkreis: Schnell und häufig unverschuldet hat man sich einen negativen SCHUFA-Eintrag eingehandelt. Dann gibt auch noch das Auto seinen Geist auf. Was kann man tun, um sich in dieser scheinbar ausweglosen Situation finanziell über Wasser zu halten?

Was genau ist die SCHUFA?

Entgegen einem weit verbreiteten Irrglauben ist die SCHUFA keine staatliche Einrichtung und somit auch keine Behörde. Die SCHUFA ist eine Auskunftei und vom Zeitpunkt der Gründung 1927 an privatrechtlich geführt.

Sie trägt seit 2002 die Form der Aktiengesellschaft. Ihre Hauptanteilseigner sind zu 86.9 Prozent Kredit-, Privat- und Genossenschaftsbanken sowie Sparkassen. Den Rest halten Vertreter des Handels und andere Interessenten.

Es profitieren auch Verbraucher in gewisser Weise von den Vereinfachungen, die die SCHUFA bietet. So werden insgesamt mehr Kredite vergeben, da die Rückzahlungsquote bei Verbraucherkrediten dank der SCHUFA bei 97,6 Prozent liegt. Dadurch begünstigt sie das gesamte Wirtschaftswachstum.

Dennoch verfolgt sie nur sehr untergeordnet fremdnützige Ziele, sondern dient vornehmlich dem Schutz vieler Unternehmen und Kreditgeber. Damit erwirtschaftet sie immerhin einen jährlichen Umsatz in Höhe von stattlichen 163,75 Millionen Euro.

Was droht bei Negativscore?

Ein negativer SCHUFA-Score führt meist zu einschneidenden Problemen bei den Betroffenen. Benötigen Sie einmal kurzfristig finanzielle Mittel, wird der gewünschte Kredit in den meisten Fällen nur sehr schwer oder gar nicht bewilligt.

In Zeiten extrem niedriger Zinsen ist neuerdings jedoch förmlich ein Wettlauf um Debitoren ausgebrochen und eine negative Bewertung stellt kein so großes Hindernis mehr dar, wie es noch vor wenigen Jahren der Fall war.

So bewilligen einige Banken kleinere Summen selbst dann noch, wenn frühere Einträge nicht sehr hoch waren und die Schuld mittlerweile beglichen ist. Dazu kommt, dass sich der Markt auf dem Gebiet der Kreditvergabe seit einiger Zeit zusehends vervielfältigt.

Dadurch ergibt sich für Menschen ohne positives Rating die Chance, bei finanziellen Engpässen einen Kredit ohne SCHUFA zu erhalten. Damit können sie die Zeit überbrücken, bis sie ruhigeres Fahrwasser erreicht haben.

Denn viele Unternehmen verzichten mittlerweile auf eine vorherige Abfrage und gehen das Risiko des Ausfalls ein und sparen sich das Geld für die Informationen. Trotz des in Folge höheren Risikos des regelmäßig höheren Zinssatzes stellt der Kredit ohne Schufa somit eine attraktive Alternative dar.

Bei Negativeinträgen werden Vertragsabschlüsse schwieriger

Ein weiteres Problem bei schlechter Bewertung ist, dass es zum Beispiel passieren kann, keinen Mobilfunkvertrag mehr abschließen zu können. Allgemein werden Vertragsabschlüsse mit Zahlungsverpflichtungen schwieriger.

Oder auch beruflich: Wenn Sie sich um eine Stelle in sensiblen Bereichen, zum Beispiel beim Kontakt mit größeren Mengen Bargeld, bemühen, kommt es häufig vor, dass der Arbeitgeber sein Vertrauen absichern möchte und neben dem polizeilichen Führungszeugnis einen SCHUFA-Auszug verlangt.

Sofern er sich heimlich Auskunft einholt, stößt dies übrigens auf erhebliche datenschutzrechtliche Bedenken, da auch zum großen Teil für ihn unerhebliche Daten gespeichert sind. Trotzdem kann einem der negative Score auch beruflich einige Türen zuschlagen.

Auf dem in vielen Großstädten leergefegten Wohnungsmarkt ist es als Mieter mit schlechter Bonität ebenfalls überaus schwierig, etwas Geeignetes zu finden. Viele Vermieter können es sich leisten, eine positive SCHUFA-Auskunft zur Bedingung eines Mietvertrags zu machen.

Welche Daten erhebt die SCHUFA?

Die SCHUFA verfügt über Daten von 67,2 Millionen Menschen sowie 5,3 Millionen Unternehmen und ist somit nach eigenen Angaben die zuverlässigste Informationsquelle auf ihrem Gebiet für Verbraucher und Unternehmen.

Nahezu jede volljährige Person in der Bundesrepublik kann also davon ausgehen, dass Informationen über sie bei der SCHUFA gespeichert sind – ob sie das nun möchte oder nicht.

Diese Daten enthalten persönliche Informationen, wie Name, Geburtsdatum, Geburtsort und Anschrift der Betroffenen. Obendrein ist ihr SCHUFA-Basisscore vermerkt.

Da ist es verständlich, dass in der Auseinandersetzung mit der SCHUFA auch Probleme und Fragen auftauchen können. Deswegen haben wir folgend die wichtigsten Fragen und Antworten zur SCHUFA übersichtlich zusammengestellt.

Was ist das Scoring-Verfahren?

Vor einer Kreditvergabe holen die Kreditgeber eine Einschätzung über die Bonität des Kreditnehmers bei der SCHUFA ein, gemeinhin kennen Verbraucher diese Information als SCHUFA-Score. Wie sich dieser genau zusammensetzt, darf die SCHUFA höchstrichterlich bestätigt als Firmengeheimnis schützen.

Gemäß eigener Außendarstellung sind Daten über Bürgschaften, Leasingverträge, Ratenzahlungsverträge, aber auch Versandhandelskonten etc. erfasst. Ebenso das vorherige Zahlungsverhalten oder ob bisherige Kreditaufnahmen sowie – unter Umständen – auch schon deren Abbezahlung. Auch Informationen aus öffentlichen Schuldnerverzeichnissen oder über Eidesstattliche Versicherungen gelangen in die Datenbank.

Es sind hingegen keine Daten über Einkommen oder Vermögen, dem Beruf, zur Religion, Nationalität oder Mitgliedschaften der Betroffenen gespeichert. Zum einen ist dieses Vorgehen natürlich zu begrüßen, da es hilft, Diskriminierungen vorzubeugen. Zum anderen sind Ausbildung und Vermögen maßgebliche Indikatoren zur Bonität.

Obwohl diese Geschichte sicher schon fast jedem einmal zu Ohren gekommen ist, fließt die Wohngegend nur in 0.7 Prozent der Fälle in das Ranking mit ein, und dies auch nur auf speziellen Wunsch des Kunden hin, wenn keine anderen Daten verfügbar sind. Sie kann also in das Reich der Mythen und Sagen verbannt werden.

Wie lange behält die SCHUFA die Daten?

Nach einiger Zeit muss auch die SCHUFA ihre gesammelten Daten wieder löschen.

  • Das ist nach zwölf Monaten der Fall bei bloßen Anfragen, beispielsweise zur Eröffnung eines Girokontos,
  • mit Ende des dritten Kalenderjahres nach Tilgung der letzten Raten bei Krediten und
  • bei Bürgschaften unmittelbar nach Begleichen der Hauptschuld.

Die Informationen, übrigens auch über Eidesstattliche Versicherungen, können also nicht länger als maximal drei Jahre verwendet werden. Es lohnt sich allerdings erfahrungsgemäß zu prüfen, ob wirklich die Löschung vollzogen worden ist.

Kommen Sie an Ihre Daten? Und wenn ja, wie?

Gemäß §§ 33ff. Bundesdatenschutzgesetz ist die SCHUFA verpflichtet, Ihnen Ihre Daten zur Eigenauskunft jederzeit und einmal jährlich kostenfrei zur Verfügung zu stellen. Es wird auch dringend geraten, von diesem Recht von Zeit zu Zeit Gebrauch zu machen. Es besteht neben der umfangreichen Eigenauskunft auch die Möglichkeit für den Bonitätsnachweis, eine vereinfachte Verbraucherauskunft zu verlangen. Dadurch kann man persönliche Informationen diskreter behandeln.

Wie können Sie sich wehren?

Das oberste deutsche Zivilgericht hat mit Urteil vom 28.01.2014 (VI ZR 156/13) entschieden, dass ein durch die Bonitätsauskunft Betroffener einen Anspruch darauf hat, über die Wirtschaftsauskunftei über personenbezogene Daten, vor allen Dingen die kreditrelevanten, die in den Scoring-Wert mit eingeflossen sind, Informationen zu erhalten.

Sollte eine Angabe falsch sein, stellt der Ombudsmann der SCHUFA die erste und günstigste Variante dar, um die Sache aus der Welt zu schaffen. Dabei handelt es sich um eine Vermittlungsstelle, die nicht zu Kosten auf Verbraucherseite führt.

Sollte ein Schaden entstanden sein, bleibt nur noch der Ausweg, einen Anwalt mit der Durchsetzung der eigenen Ansprüche auf Schadensersatz bei der SCHUFA oder dem ursächlichen Kreditinstitut zu betrauen.

Foto: wutzkohphoto – Shutterstock.com
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