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Finanzen 09.08.2017

Wenn Zusatzversicherung, dann aber sinnvoll

Wenn Zusatzversicherung, dann aber sinnvoll

Zusatzversicherungen bieten Schutz über die Regelversorgung hinaus. Entscheidend ist dabei die richtige Versicherung zum richtigen Zeitpunkt.

Versicherungen geben dem Menschen ein Gefühl von Sicherheit. Umso erstaunlicher ist es festzustellen, dass es für diesen Begriff keine einheitliche rechtliche Definition gibt, zumal vor knapp achteinhalb Jahren eine einheitliche Krankenversicherungspflicht per Gesetz verabschiedet wurde.

Erstaunlich ist dies auch deshalb, da es zahlreiche unterschiedliche Versicherungsleistungen gibt – von der Auslandsreisekrankenversicherung bis hin zur Zahnzusatzversicherung. Nur noch dank des Internets ist es möglich, im Dickicht der Versicherungen und ihrer unterschiedlichen Anbieter den Überblick zu behalten.

Das Prinzip einer jeden Versicherung ist fast immer dasselbe. Es beruht auf dem Kollektiv: Schutz bei Eintritt eines ungewissen Ereignisses, bei denen die Kosten auf mehrere Schultern verteilt werden. Dies ist ein Konzept, das sich nicht nur in Deutschland erfolgreich durchgesetzt hat. Die einen setzen auf die gesetzliche Regelversorgung, die anderen genießen einen Mehrschutz durch Zusatzversicherungen.

Letztere werden derzeit auch deswegen so wichtig, weil die Regelversorgung immer häufiger nicht ausreicht. Kassenpatienten müssen sich an weitergehenden, aber notwendigen Versorgungen oftmals selbst beteiligen. Kein Wunder also, dass die Zahl der Zahnzusatzpolicen seit 2005 um fast 92 Prozent zugenommen hat. Solche Zuwächse gelten aber auch für andere Versicherungen, die aber nicht immer so sinnig sind wie das Wohl der eigenen Zähne.

Die Wirtschaft boomt, die Löhne steigen, die Versicherungen freut’s

Trotzdem sind viele Menschen in Deutschland überversichert, d.h. sie haben viele Versicherungspolicen abgeschlossen, die sie gar nicht benötigen und zeitgleich fehlt es ihnen an wichtigen Versicherungen, die sich in ihrem jeweiligen Lebensabschnitt tatsächlich anbieten.

Auch der anhaltende Konjunkturaufschwung sorgt dafür, dass sich immer mehr Bürger dazu entscheiden, für die Zukunft vorzusorgen und Zusatzversicherungen abzuschließen. Nur leider entscheiden sich immer mehr Menschen für die falsche Police. Der Bund der Versicherten hat die unsinnigsten Versicherungen zusammengestellt:

  • Brillenversicherung: Fast jedem Brillenträger wurde in seinem Leben bereits die Brillenversicherung angeboten. Leider übersehen viele Versicherte das Kleingedruckte. Denn im Schadensfall zahlt die Versicherung nur für günstigere Sparmodelle. Wer teure Fassungen und Gläser haben möchte, muss draufzahlen.
  • Glasbruchversicherung: Ein Ärgernis sind kaputte Scheiben allemal, meist lohnt sich die Versicherung des Glases aber nicht, weil die Beiträge zu hoch ausfallen. Ein kaputtes Glas ist kein Weltuntergang. Ausnahmen bilden Menschen, die beispielsweise einen speziell und teuer verglasten Wintergarten besitzen.
  • Handyversicherung: Was für die Brille gilt, besitzt ebenfalls für Smartphones Gültigkeit. Den meisten wird eine Handyversicherung bereits beim Kauf des Telefons angeboten. Meist klingt dies auch sehr verlockend, immerhin kosten neue Smartphones bis zu 900 Euro im Neuzustand. Dieses Geld erhält man aber auch mit der Handyversicherung nicht zurück, denn im Schadensfall wird nur der Zeitwert des Smartphones von der Versicherung erstattet.
  • Reisegepäckversicherung: Die Reisegepäckversicherung ist vorteilhaft für Menschen, die viel reisen, gerade wenn sich Wertgegenstände wie Laptop und Co. im Gepäck befinden. Der Clou: Im Schadensfalls zahlen die meisten Versicherungen nicht, weil sie ihren Kunden grobfahrlässiges Verhalten vorwerfen. Wie dieses aber definiert wird, ist Ansichtssache der Versicherung. Zudem gilt: Meistens sind viele Inhalte bereits durch die Hausratversicherung abgedeckt. Doch dies muss im Einzelfall geklärt werden – am besten natürlich vor der Reise.
  • Sterbegeldversicherung: Diese Kapitallebensversicherung ist ebenfalls wenig sinnvoll – zumindest in den meisten Fällen. Denn statistisch betrachtet erhalten Hinterbliebene am Ende weniger Geld, als der Verstorbene während der Zeit seines Lebens einbezahlt hat. Hier bieten sich andere Vorsorgemaßnahmen an.
  • Insassenunfallversicherung: Diese Versicherung lohnt sich für fast niemanden, auch wenn sie sehr sinnvoll erscheint. Denn kommt es zu einem Unfall, bei dem sich die Insassen des Autos verletzen, und ist der Fahrer schuld, springt die Kfz-Versicherung des Fahrers ein. Verursacht jemand Drittes den Unfall, springt seine Haftpflichtversicherung ein, Insassenunfallversicherungen lohnen sich meist nur bei Fahrerflucht.

Für wen ist eine Zusatzversicherung sinnvoll?

So wie das Handydisplay zumeist Opfer unserer eigenen Tollpatschigkeit wird, sind wir Opfer der Zeit. Gute Gene können den Eintritt höherer Anfälligkeit verzögern, bieten jedoch auch keine Garantie, auf ewig beschwerdefrei zu bleiben. Im Alter wird das Immunsystem schwächer und das Risiko zu erkranken steigt. In diesem Falle ist nicht vorausgesetzt, dass die Mindestversorgung zur Behandlung ausreicht.

Hüftgelenke, Prothesen oder besonders neue Zähne können schon ab dem 40. Lebensjahr interessant werden. Krankenkassen sehen im letzteren Fall lediglich eine Bezuschussung vor, vorausgesetzt, es wurden die Kontrolltermine beim Zahnarzt eingehalten.

Hier greift die Zusatzversicherung: Je nach Police übernimmt sie einen Teil oder den Gesamtbetrag anfallender Behandlungskosten. Auch deswegen ist es sinnvoll, Versicherungsangebote zu vergleichen. Denn die Konditionen und Leistungen können sich teils extrem unterscheiden.

Ab wann lohnt sich eine Zusatzversicherung?

Gerade Zusatzversicherungen, die darauf ausgelegt sind, die Gesundheit und das Wohlbefinden zu schützen, sollten besser zu früh als zu spät abgeschlossen werden. Wie bei einer Kfz-Versicherung richtet sich die Höhe der Police nach den unterschiedlichsten Merkmalen. Vor allen Dingen das Eintrittsalter ist entscheidend.

Junge Autofahrer bauen statistisch gesehen mehr Unfälle und steigen deshalb mit einer höheren Police ein. Umgekehrt gilt dies für den Verschleiß des Körpers: Je älter der potenzielle Versicherungsnehmer ist, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit einer Erkrankung. Gesundheitsversicherungen werden daher besser in jungen Jahren abgeschlossen.

Laut der Stiftung Warentest lohnen sich insbesondere zwei Zusatzversicherungen für junge Leute: Zahnzusatz und Pflegezusatz. Darüber hinaus kann die Berufsunfähigkeitsversicherung die finanzielle Existenz absichern. Allgemein gilt die Auslandsreise-Krankenversicherung als empfehlenswerte Zusatzversicherung für Menschen, die oft und gerne reisen und ganz unabhängig vom Alter.

Für welches Alter ist eine Zusatzversicherung sinnvoll?

Unterschiedliche Zusatzversicherungen sind prinzipiell für Menschen aller Couleur und Altersstufen sinnvoll, nur bezahlbar sind sie eben nicht für jeden. Ältere Menschen und Risikogruppen müssen immer mit höheren Einstiegspolicen rechnen. Im Extremfall kann es aber bis zur Verweigerung des Vertragsabschlusses kommen.

Ein günstigerer Einstieg im jungen Alter ist daher grundsätzlich empfehlenswert, wobei natürlich nicht jede Police, nur weil sie kostengünstig zu haben ist, abgeschlossen werden sollte. Der Bedarfsfall muss individuell geklärt werden.

Foto: thodonal88 – Shutterstock.com
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