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Personalmanagement 05.03.2020

Positives Signal: Dentalhygiene auf dem Vormarsch

Positives Signal: Dentalhygiene auf dem Vormarsch

Aktuell drängen Studiengänge für angehende Dentalhygienikerinnen und Dentalhygieniker (DHs) auf den deutschen Weiterbildungsmarkt. Das ist ein positives Signal für die Zahnheilkunde und den Bildungsstandort Deutschland. Der folgende Beitrag stellt die Bedeutung einer umfassenden Ausbildung der DHs auf europäischem Niveau heraus sowie eine Studienmöglichkeit in Deutschland an der Europäischen Fachhochschule (EU | FH) vor.

Die Bedeutung von Dentalhygienikerinnen und Dentalhygienikern (DHs) als hoch qualifizierte Fachkräfte zum Erhalt der Mundgesundheit ist in der präventiv orientierten Zahnmedizin heute unstrittig. Eine besondere Bedeutung kommt ihnen bereits seit Jahren im Bereich der Parodontitistherapie zu. Aufgrund der hohen Prävalenz der Erkrankung1 ist zur Sicherstellung der Versorgung eine Unterstützung des zahnärztlichen Teams unumgänglich, erfordert doch jeder therapierte Patient eine lebenslange Weiterbetreuung im Rahmen der unterstützenden Parodontitistherapie (UPT).2

Doch nicht nur bei der Behandlung parodontal erkrankter Patienten in der zahnärztlichen Praxis leisten DHs innerhalb des Delegationsrahmens einen wichtigen Beitrag. Insbesondere bei der ambulanten Versorgung von Pflegebedürftigen in deren häuslicher Umgebung können sie maßgeblich zum Erhalt oder zur Wiederherstellung der Mundgesundheit beitragen. So weisen Menschen, die aufgrund ihres Alters oder einer Behinderung in ihren kognitiven oder motorischen Fähigkeiten eingeschränkt sind, eine höhere Prävalenz zahnmedizinischer Erkrankungen wie Karies, Gingivitis oder Parodontitis auf.3 Ursachen hierfür sind meist die reduzierte Fähigkeit zur selbstständigen Plaquekontrolle sowie der erhöhte logistische Aufwand zum Aufsuchen einer Zahnarztpraxis. Vor diesem Hintergrund trat im Juli 2017 das Gesetz zur Verhütung von Zahnerkrankungen bei Pflegebedürftigen und Menschen mit Behinderung (§ 22a SGB V) in Kraft. Danach haben gesetzlich versicherte Pflegebedürftige zweimal jährlich Anspruch auf die Durchführung zahnmedizinischer Prophylaxemaßnahmen in ihrer häuslichen Umgebung.

Die Leistungen beinhalten die Erhebung eines Mundgesundheitsstatus, Erstellung und Umsetzung eines Plans zur individuellen Mund- und Prothesenpflege sowie einmal jährlich Entfernung von Zahnstein. Die genannten Leistungen können gemäß Delegationsrahmen nahezu vollständig von entsprechend qualifizierten DHs durchgeführt werden. Durch deren Einsatz in Pflegeeinrichtungen wird eine medizinisch und ökonomisch sinnvolle Möglichkeit geschaffen, den gesetzlichen Forderungen Genüge zu tun und die Mundgesundheit von Pflegebedürftigen zu verbessern, ohne durch ausgedehnte Praxisschließzeiten die zahnmedizinische Versorgung der übrigen Patienten oder den wirtschaftlichen Erfolg der Praxis zu gefährden.

Flexibler Einsatz und Entlastung für den Zahnarzt

Letztendlich sind DHs als Spezialisten für Prävention auf allen Gebieten der Zahnheilkunde einsetzbar. Nach Diagnosestellung und Durchführung der erforderlichen therapeutischen Maßnahmen durch den Zahnarzt können Patienten in der dentalhygienischen Abteilung vorgestellt werden. Anhand der allgemeinen und speziellen Anamnese sowie der zahnmedizinischen Befunde wird dort ein geeignetes Präventionskonzept zum Erhalt der Mundgesundheit erstellt. Dieses umfasst einerseits die Durchführung der erforderlichen professionellen Prophylaxemaßnahmen und anderseits die Auswahl geeigneter Hilfsmittel und Techniken für die häusliche Mundpflege, deren Durchführung mit dem Patienten geübt und deren Effektivität kontrolliert wird. Eine Unterstützung bei Verhaltensänderungen (z. B. Tabakentwöhnung) kann ggf. erforderlich sein.

Umfangreiches Wissen und Qualifikationen sind erforderlich

Bedenkt man nun, wie sehr sich ein solches Prophylaxekonzept bei einem zwölfjährigen Kind mit erhöhtem Kariesrisiko von dem eines 50-jährigen parodontal erkrankten Rauchers oder einer totalprothetisch versorgten Seniorin mit Xerostomie unterscheidet, wird deutlich, wie breit gefächert die Anforderungen an Kenntnisse und Fähigkeiten von DHs sind. Neben einem fundierten Grundlagenwissen über die Entstehung und Vermeidung diverser Mundhöhlenerkrankungen ist eine ge-naue Kenntnis aktueller wissenschaftlicher Entwicklungen auf dem Gebiet der dentalen Prophylaxe notwendig. Zudem erfordert die Heterogenität der zu betreuenden Patientengruppen ein hohes Maß an kommunikativer Kompetenz. Verfügen DHs über diese Qualifikationen, ist ihr Einsatz in der Zahnarztpraxis nicht nur organisatorisch und wirtschaftlich sinnvoll, sondern er hilft, die Mundgesundheit der zu betreuenden Patienten langfristig zu verbessern.

Trotz dieser offenkundig wichtigen Rolle fehlen bis heute in Deutschland einheitliche Ausbildungsstandards für den Beruf. Das führt nicht nur bei angehenden DHs und Patienten, sondern auch bei den Praxisinhabern zu Verunsicherung. Zahnärzte dürfen gemäß § 1 des Zahnheilkundegesetzes die Durchführung präventiv-zahnmedizinischer Leistungen nur an entsprechend qualifizierte Mitarbeiter delegieren. Da sich aus der Nichtbeachtung der Delegationsgrundsätze straf- und haftungsrechtliche Konsequenzen für den Behandler ergeben, ist er dringend darauf angewiesen, eine anerkannte Qualifikation seiner Mitarbeiter nachweisen zu können.

Internationale Standards für das Berufsbild DH

Das Fehlen einheitlicher curricularer Standards erschwert zudem die europaweite Vergleichbarkeit der Abschlüsse, die in der Bologna-Erklärung bereits vor Jahren gefordert wurde. Vor diesem Hintergrund haben sich zahlreiche europäische Dentalhygienikerverbände, Hochschulen und Ausbildungsstätten – Vertreter aus Deutschland war der Studiengang Dentalhygiene & Präventionsmanagement (B.Sc.) der Europäischen Fachhochschule (EU | FH) – einem Projekt unter Federführung der European Dental Hygienists Federation (EDHF) angeschlossen, das darauf abzielt, ein gemeinsames europäisches Rahmencurriculum für das Fachgebiet Dentalhygiene zu entwickeln. Unter Berücksichtigung der individuellen nationalen Gesetzgebungen und Delegationsrahmen geht es hierbei darum, internationale Standards für das Berufsbild DH festzulegen. Im Mittelpunkt stehen dabei die Fragen:

  • Was müssen DHs wissen?
  • Welche Fertigkeiten müssen sie haben und auf welchem Qualifikationsniveau sollte die Ausbildung verortet sein?

Um einen möglichst tragfähigen Konsens zu erreichen, wurden die erarbeiteten Entwürfe an relevante nationale Personen, Institutionen und Interessenvertreter zur Kenntnisnahme und Mitbeurteilung gesendet (in Deutschland z. B. an das Bundesgesundheitsministerium, die Bundeszahnärztekammer, zahnmedizinische Fachgesellschaften wie DGZMK und DG PARO sowie an Universitätszahnkliniken). Der hohe Rücklauf an Kommentaren zeigt die große Bedeutung des Themas. Unter folgendem Link kann das europäische Rahmencurriculum abgerufen werden: www.edhf.eu/professional-profile

Neben der Vermittlung von theoretischen und praktischen Kompetenzen zur Prävention und teilweisen Behandlung der häufigsten Mundhöhlenerkrankungen sieht das Curriculum auch den Erwerb von Fertigkeiten in den Bereichen Kommunikation, Patienten- bzw. Mitarbeiterführung, ethischen und berufspolitischen Aspekten sowie wissenschaftliches Arbeiten vor. Konsens bestand bereits frühzeitig bei der Verortung der Ausbildung zur/zum DH auf Stufe 6 des Europäischen Qualifikationsrahmens (EQR 6), die eine akademische Ausbildung mit Bachelorabschluss vorsieht.

Studium auf europäischem Niveau

Die Möglichkeit, diesen Abschluss in Deutschland zu erwerben, besteht an der EU | FH in Köln. Die staatlich anerkannte private Fachhochschule bietet mit dem Studiengang Dentalhygiene & Präventionsmanagement (B.Sc.) ein duales Studium zur/zum DH an, das mit dem Bachelor of Science abschließt. Der Studiengang wurde im Jahr 2013 unter dem damaligen Träger praxisHochschule akkreditiert und 2019 erfolgreich reakkreditiert. Er richtet sich an Zahnmedizinische Fachangestellte (ZFA) mit Abitur, Fachabitur oder dreijähriger Berufserfahrung. Immatrikulationen erfolgen jeweils zum Sommer- und Wintersemester. Anmeldungen sind auf der Webseite der EU | FH möglich. Insgesamt konnte auf diesem Wege knapp 200 DHs der Bachelor of Science verliehen werden. Nicht nur im europäischen Vergleich, sondern auch in Bezug auf den oben geschilderten Bedarf ist das eine noch immer viel zu geringe Zahl. Bleibt zu hoffen, dass weitere Hochschulen dem Vorbild der EU | FH folgen und in Anlehnung an das europäische Rahmencurriculum gut qualifizierte DHs auf akademischem Niveau ausbilden.

Der Beitrag ist im Prophylaxe Journal erschienen.

Foto: EU | FH

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