Praxismanagement 06.07.2021

How to Wertschätzung: So läuft’s im Team (wieder) rund

Gudrun Mentel
Gudrun Mentel
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How to Wertschätzung: So läuft’s im Team (wieder) rund

Foto: Alyssa Strohmann on Unsplash

Wertschätzung hat viele Gesichter. Wir brauchen sie, damit wir uns wohlfühlen. Wir erwarten von anderen, dass sie uns entgegengebracht wird. Wir selbst tun uns manchmal schwer damit, sie anderen zu erweisen. Bekommen wir zu viel davon, stumpfen wir ab, bekommen wir zu wenig, macht selbst der Traumjob keinen Spaß mehr. Es ist also das richtige Maß entscheidend und die richtige Form. Es klingt kompliziert – ist es aber nicht. In diesem Artikel stellt Gudrun Mentel Techniken vor, wie man sich gegenseitig im Team, als Praxismanagerin und als Praxischef Wertschätzung entgegenbringen kann.

Jede von ihnen hat einen harten und anstrengenden Job. Der Alltag einer ZFA ist herausfordernd, weil sie Hygiene, Medizin, Zeitdruck, ökonomische Zwänge und viel Bürokratie stemmen muss. Jeden Tag – und gefühlt nimmt dies jedes Jahr zu. Zudem hat sie es jeden Tag mit Menschen zu tun, die ihr ihre Gesundheit anvertrauen. Noch dazu mag (kaum) jemand gerne zum Zahnarzt gehen. Dazu kommt, dass sie täglich auf engstem Raum mit anderen arbeitet. Die Kollegen in der Assistenz müssen stets Seite an Seite mit dem Behandler und den Patienten arbeiten. Man muss sich förmlich riechen können. Dabei greift man jeweils in die Intimsphäre des anderen ein. Das alles muss man als ZFA aushalten können. Die Kollegen an der Rezeption müssen zudem viel im Blick haben: die Wünsche der Behandler, die Fragen der Patienten, die Technik des Anrufbeantworters und den Einsatz der Kollegen im Zimmer. Hut ab also vor diesem Jonglierjob. Von den Kollegen, die im Steri tätig sind, erwarten alle, dass sie perfekt arbeiten, zuverlässig liefern und alle Regeln der Hygiene umsetzen. Sie machen eine so wichtige Arbeit, die der Gesundheit von allen dient.

Wir sehen – Sie als ZFA leisten eine ganze Menge im Alltag. Manchmal verlieren wir aber den Blick dafür, was die Kollegin eigentlich so leistet oder den ganzen Tag gestemmt hat. So etwas ist ein schleichender Prozess. Oft reden wir im Praxisalltag nur über das, was schlecht läuft, welche Fehler passiert sind oder wer es denn war. Sicher – es ist sinnvoll, dass wir uns als Zahnarztpraxis ständig weiterentwickeln. Dazu gehört auch, dass wir aus Fehlern lernen. Entscheidend ist jedoch der Umgang damit. Wir alle – sei es als Team, als Praxismanagerin und als Chef – können einiges dazu beitragen, dass sich alle wertgeschätzt fühlen und so ein fröhliches, vertrauensvolles und effektives Miteinander in der Zahnarztpraxis entsteht.

Wertschätzung im Team

Unsere Tipps für den Praxisalltag als Team:

Der Kollegin mal Danke sagen: Auch wenn man nicht eng befreundet ist oder sich nicht besonders mag – wer einfach die Augen offen hält, registriert, was sie leistet, und ihr das auch sagt – zaubert ein Lächeln auf das Gesicht seines Gegenübers. So fühlt sie sich wahrgenommen und dadurch wertgeschätzt.

Im Team die Erfolge feiern: Sie haben eine harte Woche hinter sich? Sie haben ein besonderes Projekt abgeschlossen? Sie sind stolz darauf, dass sie wiederholt positive Rückmeldungen von Patienten erhalten haben? Toll – genau das sollten Sie auch feiern! Eine spontane Runde am Abend oder ein Besuch im Eiscafé – der Fantasie sind keine Grenzen gesetzt. Feiern bedeutet, dass man sich loben darf – und sich selbst damit wertschätzt.

Der Kollegin Hilfe anbieten: Wenn man merkt, dass man ein paar Minuten Zeit hat, und sieht, dass die Arbeit einer Kollegin liegen geblieben ist, dann darf man sich ruhig einen Ruck geben und dieser Kollegin Hilfe anbieten. Man selbst hat zwar ein paar Minuten mehr zu tun, aber man bekommt so viel mehr zurück: Die Dankbarkeit der Kollegin, in welcher Form auch immer sie erfolgt, ist Wertschätzung pur – für beide.

Wertschätzung als Praxismanagerin

Sie als Praxismanagerin können in vielfältiger Weise Wertschätzung leben:

Die Teambesprechung als Ort einer offenen Fehlerkultur: Schaffen Sie ein Klima, wo man sich traut, einen Fehler zuzugeben. Hier hilft z.B. das genaue Studieren der Agenda. Muss wirklich jedes Thema mit allen besprochen werden? Liegt hinter diesen Themenwünschen nicht einfach ein Fehlerverhalten einer einzelnen ZFA? Dann führen Sie bitte mit dieser Betroffenen ein Einzelgespräch. Unter vier Augen schauen Sie gemeinsam mit der Kollegin, was zu dem Fehler geführt hat, und beschließen gemeinsam, was die Kollegin braucht, damit er nicht noch einmal passiert. Eine Atmosphäre, wo man sich traut, Schwächen zuzugeben – das ist echte Wertschätzung.

In der Teambesprechung mal das Positive betonen: Beginnen Sie doch mal die Teambesprechung mit positiven Gedanken. So kann jeder einen Satz sagen, was seit der letzten Teambesprechung gut gelaufen ist bei ihm. Es ist immer wieder überraschend, was man da von seinen Kollegen hört. Die neuen Blumen am Tresen, der besondere Einsatz der Kollegin gestern Abend, der Erfolg eines Azubis – jeder nimmt etwas anderes als positiv wahr. Das Tolle ist: Jeder darf an den positiven Gedanken des anderen teilnehmen. Man schmunzelt unwillkürlich und lernt zudem die Kollegen noch besser kennen. Eine Positivrunde im Team ist Wertschätzung – für sich und das Team.

Den Kollegen Unterstützung anbieten: Manchmal sind es die kleinen Probleme im Alltag, die einem die tägliche Arbeit so schwer machen – manchmal brauchen zwei Kollegen Unterstützung, weil sie sich in einem Konflikt befinden. Immer sind es Menschen, die eine kurze Zeit der Zuwendung, der Aufmerksamkeit, des Zuhörens und damit der Hilfe benötigen. All das ist Wertschätzung pur.

Wertschätzung als Chef

Auch für Sie haben wir einige Tipps parat:

Das Team braucht Strukturen für die Zusammenarbeit: Ihr Team freut sich, wenn es keine Doppelarbeiten mehr gibt, wenn nicht immer dieselben Kollegen alles wissen oder in der Teambesprechung nicht immer die gleichen Themen besprochen werden. Ihr Team braucht Strukturen, die den Ablauf und damit die Zuständigkeiten definieren. Klarheit bedeutet Wertschätzung.

Das Team wünscht sich berechenbare Führung: Egal, ob man als Chef einen schlechten Tag hat oder die Lieblings-ZFA mal wieder einen zusätzlichen Urlaubstag möchte – ein Team braucht Führung, die berechenbar ist. Idealerweise definieren Sie klare Regeln, die für alle im Team gelten und kommunizieren diese. Dann weiß jeder, woran er beim Chef ist – und Sie wissen, was Sie antworten können (auch wenn es nicht ihr bester Tag ist). Zuverlässigkeit ist Wertschätzung.

Das Team braucht authentische Vorbilder: Bei allem, was Sie tun oder sagen, sind Sie Vorbild für Ihr Team – bei positiven wie bei negativen Dingen. Das Team beobachtet sehr genau, wie Sie sich verhalten – z.B. wenn es um die Regeln (s.o.) geht (die Sie einhalten oder nicht). Es nimmt auch sehr genau wahr, wie Sie selbst mit Ihren Fehlern umgehen. Als Chef einfach mal erzählen, welchen Fehler man selbst gemacht hat, bringt so viel mehr Achtung und Respekt ein, als lange Vorträge zu diesem Thema. Seien Sie authentisch – dann ist es Ihr Team auch. Ehrlichkeit ist Wertschätzung.

Wertschätzung können wir uns alle auf vielfältige Weise entgegenbringen. Sie als ZFA haben es besonders verdient. Denn: Es ist nicht irgendein Job – sondern der schönste Job der Welt!

Dieser Beitrag ist in Zahnärztliche Assistenz erschienen.

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