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Statements 29.04.2021

Kariesepidemie im Vormarsch – WHO CAR(I)ES?

Kariesepidemie im Vormarsch – WHO CAR(I)ES?

Foto: Privat

Karies bzw. frühe kindliche Karies ist eine verbreitete Krankheit bei Kindern weltweit, wie man dem Bericht der World Health Organization (WHO) von 2019 entnehmen kann.1 In England ist Karies ein Hauptgrund für Krankenhausaufenthalte von Kindern.2 Wegen Löchern ins Krankenhaus – das ist dramatisch und kann vermieden werden. Meines Erachtens werden auch hier in Deutschland die Zahnsanierungen bei Kindern unter Vollnarkose stark zunehmen, da wir die Schwächsten, die vulnerablen Gruppen, gerade nur sehr schwer mit den Prophylaxemaßnahmen erreichen. Hier gegenzusteuern, ist eine Herkulesaufgabe, der sich aber alle in der Prophylaxe engagierten Kräfte entschieden entgegenstellen. WHO Car(i)es?1 – we care!

Allgemeine Durchhalteapelle zur aktuellen Situation verhallen vermehrt und es tritt eine gewisse Resignation oder Müdigkeit ein. Lassen Sie mich ein kleines Beispiel anführen. Aus eigener Berufserfahrung kann ich sagen, dass in Münchens Innenstadt Einsatzwagen der Feuerwehr und Rettungsdienste stündlich zum Einsatz fahren. Die Gewöhnung an das häufig auftretende Geräusch des Martinshorns und an Blaulicht führt dazu, dass die Verkehrsteilnehmenden nur fast widerwillig die sogenannte Rettungsgasse bilden und Fahrzeuge nur verzögert zum Einsatzort kommen. Es ist sehr frustrierend, wenn man helfen möchte, aber durch äußere Umstände aufgehalten wird. Ähnlich geht es uns in der momentanen Situation: Wir würden uns gerne einsetzen, können bzw. dürfen dies aber durch aktuelle nachvollziehbare Umstände nicht.

Instruieren Sie Ihre Patientinnen und Patienten deshalb wie immer: zweimal täglich mit fluoridhaltiger Zahnpasta putzen, Eltern putzen mindestens einmal täglich nach, Wasser über den Tag, keine zuckerhaltigen Zwischenmahlzeiten – Fakten für Profis wie Sie. Geben Sie diese an junge Eltern weiter. Setzen wir uns gemeinsam dafür ein, dass auch in Kindergärten und Schulen weiterhin die Zähne geputzt werden. Dies verringert die Keime im Mund, verbessert die Mundgesundheit unserer nachkommenden Generation und verringert mutmaßlich die Keimbelastung des Aerosols.

Karies ist bekanntermaßen eine Epidemie, die natürlich hinsichtlich der Folgen mit der aktuellen Pandemie nicht vergleichbar ist, aber es ist auch eine epidemische Krankheit, das sollte man nicht vergessen. Es wäre falsch, die damit einhergehenden Probleme in der jetzigen Situation zu relativieren. Wenn wir nicht gegensteuern, fallen wir wieder um Jahrzehnte zurück und Karies wird wieder eine massiv problematische Erkrankung, die Kinder zuallererst betrifft und bis ins hohe Alter nachhaltige Folgen hat. Vermutlich gibt es mehr Notfälle und Vollnarkosebehandlungen, wo es keine geben müsste. Zucker im Homeoffice und Homeschooling, wie in einem aktuellen Artikel aus Japan berichtet,3 ist, wage ich zu behaupten, auch in Deutschland ein Problem.

Teilhabe an der Gesundheitskultur, an Mundgesundheit und Zahnhygiene darf kein Privileg sein. Deshalb machen wir unseren Job seit vielen Jahren und setzen uns jeden Tag für die Mund- und damit Allgemeingesundheit von Kindern ein. Lassen Sie uns gemeinsam diese Gesundheitskultur bewahren und verbessern – jetzt erst recht.

Bleiben Sie gesund,

Ihr Dr. Christian Rath

Bei diesem Beitrag handelt es sich um das Editorial des aktuellen Prophylaxe Journals.

Literatur steht hier zum Download bereit.

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