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Laserzahnmedizin | Ästhetik Literaturlisten

Aktuelle Literatur "Laserzahnmedizin"

Dr. Georg Bach, Autor und Chefredakteur des Laser Journals begibt sich auf Literaturrecherche rund um das Thema "Laserzahnmedizin"

Bis vor wenigen Jahren fanden sich Publikationen über Laseranwendungen in der Mundhöhle ganz überwiegend, wenn nicht sogar ausschließlich in Spezial-Medien für Laserzahnheilkunde. Dies hat sich erfreulicherweise geändert, sodass wir heute eine Vielzahl relevanter Literatur in den allgemein-zahnärztlichen Print- und Online-Medien finden. Grund genug, in loser Folge Ihnen, liebe Leserinnen und Leser, die wichtigsten Publikationen zusammenzufassen – viel Spaß damit!

Viele Kolleginnen und Kollegen berichten, dass sie die Seiten mit den Literaturrecherchen dem Heft entnehmen und separat in einen Ordner einfügen und so eine kleine Literatursammlung aufbauen, die bei der Argumentation gegenüber Patienten, Erstattungsstellen etc. sehr hilfreich sei!

Schwerpunktthema: Laser und Hartgewebe

Der Er:Yag Laser ist unbestritten ein sichereres und wichtiges Instrument für Zahnbehandlungen, bsonders im Fokus steht hierbei die Anwendung an Zahnhartsubstandz und Knochen.

Kavitäten-Präparation – Bearbeitung von Zahnhartsubstanzen mit Laserlicht

Klares Votum – Patienten bevorzugen den Er:YAG-Laser

35 jugendliche Patienten einer skandinavischen Studie unterzogen sich im Rahmen einer klinischen Studie sowohl der Präparation einer 2 mm tiefen Kavität mit konventionellem Vorgehen mit dem Schnelllaufwinkelstück als auch der mit einem Er:YAG-Laser.

Anschließend wurden die Patienten befragt, das Ergebnis war eindeutig – nahezu zwei Drittel würden bei künftigen Präparationen dem Er:YAG-Laser den Vorzug geben. Untersucht wurden neben der Präparationszeit und dem Pulswechsel auch die subjektive Wahrnehmung der Patienten. Die laserunterstützte Präparation wurde als weitaus weniger unangenehm beim Präparationsgeräusch, aber etwas mehr unangenehm durch den bei der Laserpräparation entstehenden Geruch und die (um einen Faktor 3,7) verlängerte Präparationsdauer empfunden. Insgesamt jedoch wurde der Er:YAG-Laser bei dieser Anwendung von knapp 63% im Vergleich zur konventionellen Präparation bevorzugt.

Quelle: P Mosskull Hjertton et. al.: Er:YAG  laser or high-speed bur for cavity preparation in adolescents. Acta Odontol Scan 2013; 71, 3–4, 610–615

Laserpräparation

Der Er:YAg-Laser ist unbestritten ein sichereres und wichtiges Instrument für Zahnbehandlungen, besonders im Fokus steht hierbei die Anwendung an Zahnhartsubstanz und Knochen.

Wissenschaftler der Universität Wien haben nun die Wirkung des Er:YAG-Lasers im Vergleich zum konventionellen Vorgehen getestet. Ihre Ergebnisse:

Die Anwendung des Er:YAG-Lasers kann eine mikroretentive Dentinoberfläche ohne Temperaturschäden liefern. Der Er:YAG-Laser muss allerdings sehr bewusst eingesetzt werden, so seien Lasereinstellungen über einer bestimmten Energiestärke unbedingt zu vermeiden, so die Warnung der österreichischen Wissenschaftler.

Die von den Herstellern empfohlenen Einstellungen/Programme mit 1 bis 6 Watt Leistung zeigten gute Ergebnisse, wenn der Laser in Bewegung war. Dies betraf Bestrahlungswinkel von 30 Grad und 60 Grad gleichermaßen. Offene Dentintubuli und Oberflächen ohne Smearlayer wurden dabei beobachtet. Einstellungen mit höherem Energieausstoß (8 Watt und mehr) zeigten indes deutliche morphologische Temperaturschäden.

Quelle: Franz A et. al.: Vergleichende REM-Analyse laserpräparierten und konventionell präparierten Dentins. Österreichischer Zahnärztekongress 2013.

… und wie geht es weiter mit der laserunterstützten Kavitätenpräparation?

Seit geraumer Zeit forschen diverse Laserarbeitsgruppen fieberhaft an einer neuen Lasergerätegeneration, es handelt sich hierbei um ultrakurzgepulste Laser, sogenannte Pico- und Femtosekundenlaser.

Im deutschsprachigen Raum sind vor allem Aachen (Professor Gutknecht und Team) und Bonn (Professor Frentzen und Team) als führend auf dem Gebiet der Ultrakurzpulslaserforschung zu nennen. Der Vorteil dieser ultrakurzgepulsten Laser liegt darin, dass hohe Spitzenintensitäten mit nur geringer Wärmeübertragung erzielt werden.

Nach Einschätzung der mit dieser neuen Lasergeneration befassten Wissenschaftler sind diese eine überaus vielversprechende Technologie für minimalinvasives Vorgehen. Viele Autoren, die bei den bis dato zur Kavitätenpräparation verwendeten Er:YAG- und Er:Cr;YSGG-Lasern eine mäßige Effizienz bemängelten, sehen in der neuen Ultrakurzpulstechnologie den „Schlüssel zum Ersatz der zahnärztlichen Turbine“.

Auf dem letztjährigen IADR-Kongress in Seattle wurden erneut zwei sehr ermutigende Forschungsarbeiten zu Ultrakurzpulslasern vorgestellt:

Wissenschaftler aus Sao Paulo erforschten gemeinsam mit Kollegen aus Aachen die Anwendbarkeit von ultrakurzgepulsten Lasern in der restaurativen Zahnheilkunde. Neben der Definition der Laser-Parameter für die klinische Nutzung untersuchten sie auch die Haftkraft von Kompositen an bestrahltem Dentin. Die Forscher erprobten verschiedene Wellenlängen (355, 532, 1045, 1064 nm), Pulszeiten und Bestrahlungsprotokolle.

Dentin und Schmelz zeigten nach der Laserbestrahlung eine raue Oberfläche ohne Verkohlungen.

Mit adäquaten Parametern betrug die maximale Temperaturerhöhung in 1 mm Tiefe nur 6,1 Grad Celsius im Dentin und nur 4,6 Grad Celsius im Schmelz.

Die Haftkraft von Adhäsivsystemen mit verschiedenen Bondingprotokollen (CLEARFIL SE BOND mit und ohne Primer/Adper Singel Bond mit und ohne Anätzen) war gleich oder höher als an unbestrahlten Kontrollproben.

Neben Brasilien und Deutschland, die in der ersten Studie involviert waren, ist auch Japan ein führendes Land auf dem Gebiet der Laserzahnheilkunde. Wen wundert's, dass auch japanische Wissenschaftler sich vehement auf dem Gebiet der Ultrakurzpulslaserforschung betätigen.

Ein Forscherteam der Universität Tokio erprobte einen Titan-Saphir-Femtosekundenlaser (Ti³+:Al2O3/Ti:SA-Laser), um kariöse Läsionen in Schmelzrissen minimalinvasiv abzutragen.

Yamamoto und Kollegen experimentierten mit einem Femtosekundenlaser (Puls 80 fs) mit einer Wellenlänge von 800 nm, einer Pulsfrequenz von 1-1000 Hz und einer Durchschnittsleistung von 100 mW bei 1 kHz. In den Versuchsreihen zeigte sich, dass bereits eine 125stel Sekunde bei 10 mW Leistung ausreichte, um die kariösen Läsionen ohne Beeinträchtigung des Schmelzes zu entfernen.

Die Laserbehandlung zeigte dabei nicht die Verkohlung, die bei Behandlungen mit dem Nd:YAG-Laser häufig zu beobachten sind.

Die gelaserte Oberfläche war eben und glatt. Nach Ansicht der Wissenschaftler ist der Tsunami-Laser (Spectra-Physics) zum Einsatz in der Zahnmedizin geeignet,

Quellen:

Bello-Silva M s et. al.: Adhesion to Dental Hard Tissues Ablated With Ultra-short Pulsed Lasers. IADR Generals Session, Seattle, 20.–23. März 2013

Yamamoto M et. al.: Femtosecond laser cleaning for tooth stain inside the cracks. IADR Generals Session, Seattle, 20.–23. März 2013

Laserunterstützte Kariesprävention

Eine Low-Level-Er:YAG-Laserbehandlung kann den Zahnschmelz härten, dies das Ergebnis einer chinesischen Arbeitsgruppe!

Liu und Kollegen berichten hier, dass eine nicht abtragende (sublative) Bestrahlung mit Low-Level-Er:YAG-Laserlicht einer Schmelzdemineralisierung durch eine Verlangsamung der Schmelzdiffusion vorbeugen kann.

Kariesähnliche Läsionen wurden mit dem Laserlicht unterschiedlicher Intensität bestrahlt. Tatsächlich konnte eine hemmende Wirkung auf die Schmelzdemineralisierung beobachtet werden; gleichzeitig warnten die chinesischen Wissenschaftler allerdings vor einer High-Energy-Behandlung mit Laserlicht im Sinne einer Kariesprävention. Zu groß sei die Gefahr, dass periphere und tiefer liegende Gewebeschichten hierbei beschädigt würden.

Quelle: Liu Y: Sublative Er:YAG Laser Effect on Enamel Demineralization. Caries Research 2013, 47, 1, 63–68

… geht das auch mit dem CO²-Laser?

Pasaporti und Kollegen verfolgten eine ganz ähnliche Zielsetzung und erforschten die Option der Prävention von Erosionen und Abrasionen des Zahnschmelzes durch CO2-Laserlicht.

Die Studie entstammt der immer aktiven Laserarbeitsgruppe der Universität Aachen, einem der entscheidenden Aktivposten der deutschen Laserzahnheilkunde, der wir bereits unzählige wichtige wissenschaftliche Ergebnisse verdanken.

Auch in vorliegendem Falle konnten die Autoren  über ermutigende Ergebnisse berichten:

Die Behandlung mit dem CO2-Laser alleine oder aber auch in Kombination mit Fluorid-Gel kann die Widerstandsfähigkeit von Zahnschmelz gegenüber Erosionen und Abrasionen erhöhen und durch Säure erweichten Schmelz wieder erhärten!

Wermutstropfen:

Leider ist der in dieser Studie verwendete Laser nur ein Prototyp, zurzeit gibt es keinen solchen CO2-Laser, der für den klinischen Gebrauch eingesetzt werden könnte.

Die CO2-Laserbestrahlung mit einer Energiedichte von 0,3 J/cm² (5 Mikrosekunden/226 Hz) führte alleine oder in Kombination mit einer Fluoridgel-Vorbehandlung (3 min elmex-Gelée) zu einer signifikanten Verringerung der Entstehung von Erosionen und Abrasionen in vitro.

Die kombinierte Laser- und Fluoridbehandlung führte auch zu einer signifikanten Wiedererhärtung des Schmelzes, verstärkte jedoch nicht den präventiven Effekt der alleinigen Laserbehandlung. Die Behandlung mit Fluorid-Gel alleine konnte indes den erweichten Schmelz nicht wieder erhärten.

Quelle: Pasaporti C: In-vitro-Untersuchung zur Prävention von Erosionen und Abrasionen des Zahnschmelzes durch CO2-Laserbestrahlung. Dissertation, Aachen 2013.

Schwerpunktthema: Periimplantitis-Parodontitis

Zweifellos eine Domäne der Laserzahnheilkunde – die laserunterstützte Behandlung periimplantärer Läsionen. Hierbei können nunmehr auf Langzeiterfahrungen, die sich über einen Zeitraum von zwei Jahrzehnten erstrecken, zurückgegriffen werden.

Dauerbrenner: Laserunterstützte Periimplantitisbehandlung

Zweifellos eine Domäne der Laserzahnheilkunde – die laserunterstützte Behandlung periimplantärer Läsionen. Hierbei können nunmehr auf Langzeiterfahrungen, die sich über einen Zeitraum von zwei Jahrzehnten erstrecken, zurückgegriffen werden.

Laserbehandlung bakterieller periimplantärer Entzündungen

Ein Autorenteam der Kieferchirurgischen Abteilung der Universitätszahnklinik Münster hat in einem ausführlichen Übersichtsreferat die Optionen, welche Lasereinsatz in der Periimplantitisbehandlung bietet, aufgearbeitet.

Wird zunächst auf Risikofaktoren und Entstehung einer Periimplantitis eingegangen, so liegt der klare Fokus der Publikation in der Darstellung der Therapieoptionen – konventionell und laserunterstützt. Hier finden neben den Lasersystemen, die Licht hoher Energie emittieren, auch niedrigenergetische Anwendungen, wie die Photodynamische Therapie, Erwähnung. Das renommierte Autorenteam kommt zum Schluss, dass der Einsatz von Laserenergie und der photodynamischen Therapie eine nachhaltige Reduktion parodontalpathogener Keime unterstützt, ohne die Implantatoberfläche, umgebende Weichgewebe oder Knochen zu schädigen.

Die Patientenakzeptanz ist aufgrund des günstigen Nebenwirkungsprofils hoch, sodass der Lasereinsatz auch ohne Nachweis klinisch signifikanter Überlegenheit eine probate Ergänzung konservativer Therapieregimes darstellt – und dies zudem ohne Gefahr der Resistenzentwicklung, die eine langfristige (topische) Antibiose mit sich bringen würde.

Lasereffekte, so die Autoren, spielen vor allem bezüglich regenerativer Therapien eine wichtige Rolle, sodass der Lasertherapie in Kombination mit regenerativen Strategien in Zukunft eine entscheidende Rolle zukommen wird.

Quelle: Jung S, Schulte K, Gehrke S, Wentzel L, Annussek T und Kleinheinz J: Laserbehandlung bakterieller peri-implantärer Entzündungen. ZWR – Das Deutsche Zahnärzteblatt 2013, 122, 5, 230–234 

Laserunterstützte Parodontale Regeneration 

LANAP – ein „neues“ laserunterstütztes Verfahren zur Induktion parodontaler Regeneration

Lange war es still geworden um den Themenbereich laserunterstützter Parodontaltherapie.

Nun erreichen uns erfreulicherweise gleich eine ganze Reihe interessanter Studien zu diesem Themenbereich:

Eine US-amerikanische Studie belegt, dass ein laserunterstütztes Verfahren zur Bildung neuen Attachments eine parodontale Regeneration induzieren kann.

Das Verfahren nennt sich LANAP – laser assisted new attachment procedure.

Das von einigen Bostoner Parodontologen erforschte Verfahren greift eine Idee auf, die bereits Anfang des neuen Jahrtausends forciert, dann aber verlassen wurde.

An besagter Studie nahmen acht Patienten mit zwölf zur Extraktion vorgesehenen Zähnen teil, die in eine LANAP-Behandlung des gesamten Mundes einwilligten.

Das operative LANAP erfolgte in einem ersten Durchgang mit einem Faserquerschnitt von 360 µm (Leistung 4 Watt, 1965 J/mm², Pulsdauer 100 µs, 20 Hz).

Die Behandlung wurde vom Gingivasaum bis zur Taschenbasis parallel zur Wurzeloberfläche sowie lateral und apikal vorgenommen, um das erkrankte Taschenepithel zu entfernen.

Die Zähne wurden gründlich kürettiert und zudem piezochirurgisch geglättet. Eine zweite Sitzung erfolgte mit einer höheren Pulsdauer von 650 µs vom apikalen Ende des Knochendefektes bis zum Gingivasaum.

Nach neunmonatiger Heilung erfolgte eine en-bloc-Biopsie im Rahmen der Extraktion. Fünf Zähne wiesen eine parodontale Regeneration mit Neubildung von Zement, Parodontalligament und Alveolarknochen auf. Ein Zahn hatte ein neues Attachment aus neugebildetem Zement und inserierenden Kollagenfasern und vier Zähne heilten mit einem langen Saumepithel.

Zentraler Bestandteil des „reaktivierten“ LANAP-Protokolls ist ein gepulster Nd:YAG-Laser.

Weitere Studien in ähnlichem Design bestätigten die hohe Wertigkeit eines ergänzenden 3-Monats-Recalls.

Quellen

Nevins M L et al.: Klinische und histologische Evaluation eines Laser-assistierten Verfahrens zur Bildung eines neuen Attachments beim Menschen. Int J. Oaro Rest ZHK 2012, 32, 5, 743–483

Yukna R et al.: Histologic evaluation of an Nd:Yag laser-assisted new attachment procedure in human. Int J Periodontics Restorative Dent 2007; 27, 577–587

Harris DM et al.: Laser-assisted new attachment procedure in privat practice. General Dentistry, 2004, 52, 5, 396–403.

Schwerpunktthema: Photodynamische Therapie

Kaum ein Thema hat der Laserzahnheilkunde der vergangenen zwei Jahrzehnte einen derartigen Schub versetzt, wie die Photodynamische und die Photothermische Therapie. Dies spiegelt sich naturgemäß auch in der verfügbaren Literatur zu diesen LLLT-Anwendungen wider.

Photodynamische und Photothermische Therapie

Zweimal grün …

Dr. Michael Hopp und Professor Dr. Reiner Biffar werteten in einem ausführlichen Übersichtsartikel die ICG-basierte Photodynamische Therapie (grüner Sensitizer). Die Autoren wiesen zwar auf die momentan bestehende sehr knappe Datenlage hin und werteten die intraorale Anwendung einer ICG-basierten Photodynamischen Therapie durchaus als anspruchsvoll, wiesen aber auf eine ganze Reihe von Vorzügen dieses minimalinvasiven Verfahrens hin:

Neben einer hohen Effizienz ist ein geringer zeitlicher Aufwand zu verzeichnen, die Wirksamkeit mit dem grünen Sensitizer ist unbedingt gegeben und nach Ansicht der Autoren ist auch ein erhöhter Effekt im Vergleich zur konventionellen aPDT mit blauem Sensitizer zu verzeichnen.

Als wesentlichen Vorteil dieses neuen Verfahrens sieht das Autorenduo indes, dass keine Eigenwirkung des (grünen) Sensitizers per se besteht, vielmehr findet eine Wirkung erst nach Aktivierung statt.

Der Haupteffekt wird durch Photothermik erzielt, ein untergeordneter Effekt durch Photodynamik.

Letztendlich wiesen die Autoren auf eine hohe Akzeptanz beim Patienten hin.

Quelle: Hopp M, Biffar R: Die ICG-gestützte photothermische Therapie (PTT). ZMK 2013; 29, 9, 528–540

Dr. Darius Moghtader, ein Mit-Inaugurator der Photothermischen Therapie mit einem grünen Sensitizer auf ICG-Basis, berichtet in einem Beitrag mit dem launigen Titel „Das Gleiche in Grün?“

über den Einsatz eines PTT-Systems mit dem Namen PerioGreen (Fa. elexxion, Radolfzell), welches zur DGL-Jahrestagung in Berlin eingeführt worden war. Neben den vielfältigen Einsatzgebieten dieses PTT-Systems mit einem grünen Sensitizer, welches mit Diodenlaserlicht der Wellenlänge 810 nm aktiviert wird, beschreibt Moghtader, dass die niedrige Viskosität des Farbstoffes eine sichere, vollständige und selbstständige Penetration der Zielgewebe gewährleistet, bei gleichzeitigem Ausbleiben einer langanhaltenden Färbung des Zahnfleisches, wie diese mitunter bei hochviskösen blauen Sensitizern beobachtet wird.

Quelle: Moghtader D: Das Gleiche in Grün? Dental Barometer 2013; 5, 54 und 55

… und zweimal blau …

Dr. Tilman Eberhard, dessen Master-Thesis sich bereits mit der Photodynamischen Therapie beschäftigte, ist weiterhin ein Verfechter der klassischen Photodynamischen Therapie mit einem blauen Sensitizer.

Zusammen mit Dr. Freimut Vizethum präsentierte er in der PN-aktuell eine Übersichtsarbeit über die adjuvante minimalinvasive Parodontitis- und Periimplantitistherapie über einen sehr beachtlichen 5-Jahres-Beobachtungszeitraum.

Eberhard knüpfte nahtlos an frühere Studien an und wies darauf hin, dass mit dem von ihm präferierten Verfahren eine signifikante Reduktion sowohl gramnegativer wie auch grampositiver Bakterien möglich ist.

Aufgrund der von ihm präsentierten Ergebnisse geht Eberhard sogar soweit, dass er künftig die Indikation zur systemischen Antibiose in der Parodontaltherapie sehr eng gestellt sieht. Mehr noch: Dank der Möglichkeiten der PT entfällt eine solche Indikation für eine resistenzfördernde lokale Antibiose sogar komplett.

.Quelle: Eberhard T, Vizethum F: Adjuvante minimalinvasive Parodontitis- und Periimplantitistherapie. PN-aktuell 2013, 3, 9–12

Das gleiche Autorenteam veröffentlichte nahezu zeitgleich in einem anderem Printmedium 5-Jahres-Ergebnisse, welche dank Photodynamik nach dem Helbo®-Verfahren als adjuvante minimalinvasive Parodontitis- und Periimplantitistherapie erzielt wurden.

Auch hier konnten durchweg positive Ergebnisse erzielt werden – es zeigt sich ein signifikanter Rückgang der parodontalpathogenen Keimlast, hinzu kam langfristig eine deutliche Verringerung der parodontalen und periimplantären Sondierungstiefen und des Blutungsindexes. Aufrund der im Material und Methodikteil aufgeführten Daten zu Patienten und untersuchten Zähnen und Implantaten ist von einem gemeinsamen Datenpool der beiden hier erwähnten Studien des Autorenduos Eberhard-Vizethum auszugehen, welche die antimikrobielle Photodynamische Therapie als wirksamen Therapieansatz in der gewebeschonenden Parodontitis- und Periimplantitistherapie sehen, welche effizient den Langzeiterhalt von Zähnen und Implantaten unterstützt.

Quelle: Eberhard T, Vizethum Fr: 5-Jahres-Ergebnisse: Die Photodynamik nach dem Helbo-Verfahren als adjuvante minimalinvasive Parodontitis- und Periimplantitistherapie. Zahn Prax 2013; 16, 3, 162–169

… und wie geht es weiter mit der Photodynamischen Therapie?

Die in der Zahnmedizin momentan gebräuchlichsten Sensitizer sind Toluidinblau (blaue Farbe) und ICG-basierte (grüne Farbe).

Mit Hochdruck wird nun an einer neuen Sensitizergeneration geforscht, von der man sich eine bessere Penetration des Farbstoffs in die Bakterienmembran und auch in den Wurzelkanal (bei endodontologischen Maßnahmen) verspricht.

Der vielversprechendste zurzeit erforschte Sensitizer ist das zahnfarbene SAPYR®, welches eine ausgeprägte antibakterielle Wirkung gegen E.faecalis auch im Biofilm zeigt. Zudem bewirkt er ein Ablösen von Bakterien im Biofilm. Hierbei lösen sich nach der Photodynamischen Therapie keine lebenden Bakterien ab, berichten Wissenschaftler der Universität Regensburg.

Einen anderen Weg beschreiten Wissenschaftler der Universität Jena, diese arbeiten mit Temoporfin (mTHPC), einem extrem lipophilen Sensitizer der zweiten Generation. Auch hier steht eine Verbesserung der Eindringfähigkeit des Sensitizers im Fokus der thüringischen Wissenschaftler.

Weg vom Diodenlaserlicht – diesen ganz außergewöhnlichen Weg beschreiten Wissenschaftler der Universität Freiburg und arbeiten mit visuellem Licht und wassergefiltertem Infrarot-A (VIS+wIRA). Die Breisgauer können bereits über ermutigende Ergebnisse z.B. bei der Wundheilung berichten. Ferner wurde ein antimikrobieller Effekt von VIS+wIRA in Kombination mit Toluidinblau nachgewiesen. Eine Versuchsreihe, die die Wirkung von VIS+wIRA in Kombination mit verschiedenen Sensitizern auf orale Biofilme testete, konnte erstmals zeigen, dass die PDT nicht nur gegen den initialen, sondern auch gegen den reifen oralen Biofilm einen hohen antimikrobiellen Effekt aufweist. Weitere Untersuchungen sollen die Effizienz dieser Methode zur Prävention und Therapie von Periimplantitis und Parodontitis nachweisen.

Quellen:

Nerl H-J: Photodynamische Inaktivierung von Streptococcus mutans, e.coli und a.a. unter Verwendung von Photosan. Dissertation, Regensburg, 2011

Kranz St: Endodontische Photodynamische Suppression von E.faecalis mit mTHPC gekoppelt an Liposome und Invasome. 46. Jahrestagung der AfG Mainz; 09.–10. Januar 2014

Karygianni L et. al.: Effizienz der Photodynamischen Therapie mittels visuellem Licht und wassergefiltertem Infrarot-A auf dem oralen Biofilm. 46. Jahrestagung der AfG, Mainz, 09.–10. Januar 2014

Alle PT-Systeme gut?

Harsche Kritik am PACT-PT-System – tötet PACT die falschen Keime?

Seit geraumer Zeit wird von der Tübinger Firma Cumdente das PACT-System vertrieben, welches mit einem blauen Sensitizer und einem Diodenlaser arbeitet.

Ergebnisse einer Studie der Universität Ulm zeigten, dass durch die adjuvante Anwendung der PT  mit diesem PACT-System KEIn zusätzlicher Effekt zur konventionellen Wurzelreinigung und -glättung zu erzielen ist.

Die Forschergruppeum Günter ging sogar so weit, dass davon ausgegangen werden kann, dass mit der PACT-PT kein zusätzlicher antimikrobieller Effekt zu erzielen ist, war doch die Reduktion einiger Keime in der nicht laserunterstützt behandelten Kontrollgruppe höher als bei den Patienten, welche mit dem Cumdente-System behandelt wurden.

Eine mögliche Ursache dieses verblüffenden Effektes des verstärkten Wachstums parodontalpathogener Keime könnte ein durch die PT ausgelöster Shift in der subgingivalen Flora sein. Infolge einer Wirkung der PT auf die gering parodontalpathogenen „harmlosen“ Keime könnte ein stärkeres Wachstum der schädlichen Bakterien ermöglicht, wenn nicht sogar verstärkt werden.

Quelle: Günter T: Der Einsatz der Photodynamischen Therapie als adjuvante, antimikrobielle Therapiemaßnahme bei Zahnfleischtaschen mit persistierender Entzündung/Infektion. Dissertation, Ulm.