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Endodontologie 08.08.2018

Die dreidimensionale endodontische Behandlungsplanung

Die dreidimensionale endodontische Behandlungsplanung

Eine aktuelle Umfrage unter Zahnärzten mit dem passenden Titel „Working in the dark“ deckte einige allgemeine Schwierigkeiten in der Endodontologie auf. Die teilnehmenden Zahnärzte assoziierten Wurzelkanalbehandlungen mit Stress, Frustration und fehlender Kontrolle.1 Eine Erklärung für diese Ergebnisse ist sicherlich zum einen die Komplexität von Wurzelkanälen im Allgemeinen und zum anderen die eingeschränkte Möglichkeit, diese mithilfe von zweidimensionalen, intraoralen Röntgenbildern präzise zu diagnostizieren. Dies ist grundsätzlich ein Nachteil in der präendodontischen Diagnostik.

Bei der Betrachtung von intraoralen Röntgenbildern werden nicht nur periapikale Veränderungen regelmäßig übersehen, sondern auch Kalzifizierungen, akzessorische Wurzeln und Wurzelkanalkrümmungen häufig missinterpretiert.2 Insbesondere die Oberkiefer-Seitenzahnregion kann diesbezüglich, bedingt durch knöcherne Überlagerungen, herausfordernd sein.3 Der Einsatz der digitalen Volumentomografie (DVT) in der Endodontologie bringt viele Vorteile mit sich. Mithilfe der DVT lassen sich nicht nur periapikale Läsionen diagnostizieren, welche zuvor auf intraoralen Aufnahmen nicht erkannt wurde, sie ermöglicht auch die präzise Beurteilung komplexer Wurzelkanalanatomien.4,5 Die Relevanz der röntgenologischen Diagnostik und anschließenden Behandlungsplanung in der Endodontologie wird leider häufig unterschätzt. Welchen wesentlichen Einfluss die DVT auf die endodontische Behandlungsplanung hat, wurde in zwei aktuellen Studien untersucht. Hier konnte gezeigt werden, dass die zusätzlichen Informationen der dreidimensionalen Röntgentechnik die Therapieentscheidung erheblich beeinflussen.6,7

Bisher gab es jedoch keine Softwarelösung, welche explizit für die Endodontologie konzipiert war. Die 3D Endo™ Software (Dentsply Sirona) ist ein sehr gutes Hilfsmittel, um die Vorteile der DVT bestens zu nutzen, und ermöglicht die komplette, dreidimensionale Behandlungsplanung inklusive der Planung der Zugangskavität, Messung der Wurzelkanallängen und Auswahl der geeigneten Wurzelkanalinstrumente.8 Das folgende Fallbeispiel zeigt mögliche Einsatzbereiche der 3D Endo™ Software sowie Vorteile der dreidimensionalen DVT-basierten Behandlungsplanung.

Fallbeispiel

Aufgrund pulpitischer Beschwerden des Zahnes 17 wurde alio loco eine Wurzelkanalbehandlung begonnen. Da die Beschwerden nach der Behandlung persistierten, wurde die Patientin zum Spezialisten zur Weiterbehandlung überwiesen. Die Wurzelanatomie ließ sich anhand des mitgeschickten, zweidimensionalen intraoralen Röntgenbildes aufgrund einer projektionsbedingten, knöchernen Überlagerung präendodontisch nicht eindeutig beurteilen (Abb. 1). Aus diesem Grund wurde zur erweiterten Schmerzdiagnostik und Beurteilung der Anatomie ein kleinvolumiges DVT angefertigt (Orthophos SL, Volumen 5 x 5 cm, Auflösung 80 µm; Dentsply Sirona) und die DICOM-Daten anschließend zur dreidimensionalen Behandlungsplanung (3D Endo™ Software) verwendet.

Die Software führt den Benutzer intuitiv durch die einzelnen Planungsschritte. Nach einer Befundung des gesamten Volumens wird dieses auf den relevanten Bereich reduziert (Abb. 2) und die Kanaleingänge und apikalen Foramina jedes Wurzelkanals separat markiert. Die von der Software dreidimensional erkannten Kanalverläufe werden im folgenden Schritt überprüft und können bei Bedarf vom Benutzer korrigiert werden (Abb. 3). Mithilfe der visualisierten Wurzelkanalinstrumente lassen sich koronale Kanalerweiterungen und geradlinige Zugangskavitäten planen (Abb. 4). Die integrierte Feilendatenbank ermöglich eine Auswahl der geeigneten Instrumente, und durch Anpassung der Gummistopper an die jeweiligen Referenzpunkte können die Wurzelkanallängen bereits präendodontisch geschätzt werden (Abb. 5).

In diesem Fall ließ sich bereits im DVT ein nicht behandelter zweiter mesio-bukkaler Kanal erkennen. Die dreidimensionale Planung ergab einen Weine Typ II mit Konfluation im apikalen Wurzeldrittel. Diese Anatomie konnte klinisch nach Gleitpfaderstellung bestätigt werden. Die dreidimensional gemessenen Längen wurden elektrometrisch überprüft und die Kanäle anschließend mit WAVEONE® GOLD Instrumenten (Dentsply Sirona) erweitert. Die Erweiterung des zweiten mesiobukkalen Kanals erfolgte dabei nur bis zur Konfluation. Nach aktivierter Abschlussspülung mit EDTA and NaOCl erfolgte die Trocknung mit Papierspitzen und die warme vertikale Obturation mit Guttapercha und Sealer (Abb. 9).

Die verzerrungs- und überlagerungsfreie Darstellung des DVTs in Kombination mit der 3D Endo™ Software ermöglichte in diesem Fall die präzise Beurteilung der Wurzelkanalanatomie und anschließend dreidimensionale Planung der gesamten endodontischen Behandlung.

Die vollständige Literaturliste gibt es hier.

Der Beitrag ist im Endodontie Journal 4/2017 erschienen.

Foto: Autor
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