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Endodontologie 12.03.2018

Virtuelle Vorplanung vereinfacht komplexe Fälle

Dr. Tomas Lang
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Virtuelle Vorplanung vereinfacht komplexe Fälle

Seit über zehn Jahren sind 3-D-Röntgenaufnahmen in der Zahnmedizin mit hoher Detailtreue und vertretbarer Strahlenbelastung durch die DVT-Technologie möglich. In Kombination mit der neuen Endodontie-Software 3D Endo™ (Dentsply Sirona) bietet diese Art der Bildgebung einen noch größeren Mehrwert für die Planung der Wurzelkanalbehandlung. Anhand der 3-D-Daten und der Visualisierung in der Endodontie-Software können fallspezifische Anforderungen an die Wurzelkanalbehandlung des Zahnes erkannt und Wurzelkanalverläufe sehr gut analysiert werden.

Dies zeigt beispielhaft der Fall eines 52-jährigen Patienten, der bedingt durch eine Caries penetrans unter akuten Beschwerden litt. Der Hauszahnarzt entfernte die Karies und begann mit der endodontischen Behandlung. Es gelang ihm während der Behandlung nicht, den Wurzelkanal auf der vollen Arbeitslänge zu instrumentieren (Abb. 1).

Abb. 1: Intraoralaufnahme des überweisenden Zahnarztes. © Dr. Tomas Lang

Eine intraorale Messaufnahme brachte keine Klärung des Befundes, sodass der Patient zu uns überwiesen wurde. Der Befund musste aus einer weiteren Perspektive analysiert werden.

Wurzelkanäle: bis ins kleinste Detail sichtbar

Dazu wurde eine exzentrische intraorale Aufnahme angefertigt, bei der sich zwei vestibuläre Wurzelkanäle darstellen ließen. Das Bild führte zu dem Verdacht, dass lingual noch ein dritter Wurzelkanal vorhanden sein müsste. Zur Verifizierung wurde ein kleinvolumiges DVT (Orthophos SL, Dentsply Sirona) angefertigt. Zur Darstellung ohne Kiefer- und Nachbarzähnen wird der zu behandelnde Zahn in der Software zunächst manuell separiert. Die Wurzelkanaleingänge und röntgenologischen apikalen Foramina werden in der axialen Ebene markiert (Abb. 2), bevor die Software automatisch den Verlauf des Wurzelkanals anzeigt. Dieser kann manuell angepasst werden.

Abb. 2: Orthophos SL DVT-Aufnahme in der 3-D-Endo-Software und Intraoralaufnahme nach der Wurzelkanalfüllung: Die exakte dreidimensionale Fallplanung hilft dabei, in den einzelnen Schritten die Behandlung virtuell zu simulieren und klinisch umzusetzen. © Dr. Tomas Lang

Als Hilfe steht hier eine einzigartige Darstellung und schichtweise Navigation durch das Volumen zur Verfügung, senkrecht zum tatsächlichen Verlauf des Wurzelkanals. Länge und Tiefe der Wurzelkanäle lassen sich so deutlich erkennen.

Vorgabe zu minimalinvasiver Form und Tiefe der Zugangskavität

Durch das Platzieren von Feilen in den Kanälen kann vorab geprüft werden, ob die Wurzel durch die axiale Ausdehnung der Feile im Rahmen der Aufbereitung perforiert werden würde. Die Auswahl der Feile aus der integrierten Feilendatenbank und die transparente Darstellung der Zahnsubstanz lassen den räumlichen Verlauf der Instrumente sichtbar werden (Abb. 3).

Abb. 3: Die Intraoralaufnahme nach der Wurzelkanalfüllung entspricht in allen Details der Vorplanung. © Dr. Tomas Lang

Man erkennt somit frühzeitig mögliche Belastungen für die Instrumente, kann geradlinige Zugänge planen und somit das Risiko einer Feilenfraktur minimieren. Die Software schlägt sogar eine minimalinvasive Form und Tiefe der Zugangskavität vor. Ein Ausblick auf die zu erwartende Kontrollaufnahme nach der Wurzelkanalfüllung ist nun möglich – bereits vor Eröffnung der Trepanation.

Fazit

In Kombination der hochauflösenden 3-D-Röntgendaten von Orthophos SL und der Funktionen der 3D Endo™ Software war eine klinisch einwandfreie Versorgung für den Patienten möglich. Durch die virtuelle Vorplanung lassen sich solche komplexen Fälle klinisch effizient durchführen. Dies erhöht die Wirtschaftlichkeit und verringert die Belastung des Patienten durch lange Sitzungen.

Der Beitrag ist in der ZWP spezial 12/2017 erschienen.

Foto: Autor
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