Implantologie 15.01.2021

Ridge/Socket Preservation ohne Membran

Ridge/Socket Preservation ohne Membran

Der knöcherne Volumenverlust nach Zahnextraktion, der in der Literatur beschrieben wird, kann bis zu 60 Prozent im ersten Jahr betragen, wobei der Verlust in der Breite tendenziell größer ist als in der Höhe. Folgender Fachbeitrag beschreibt ein minimalinvasives Verfahren zum Kieferkammerhalt ohne zusätzliche Hilfsmittel.

Bei dem im Fallbeispiel verwendeten Material handelt es sich um ein reines Beta-Tricalciumphosphat (β-TCP; DentOss®, Demedi-Dent), das innerhalb von vier bis sechs Monaten zu einem vitalen implantierbaren Knochen umgewandelt wird.

Es besitzt eine hochvernetzte Porosität, welche die dreidimensionale Regeneration des Knochens steuert und die vollständige Penetration mit mesenchymalen Stammzellen und Osteoprogenitorzellen ermöglicht. Diese Eigenschaft ermöglicht ein vereinfachtes und schonendes Operationsprotokoll ohne Lappenpräparation mit offener Wundheilung – bei großen Defekten reicht eine Papillen-Adaptationsnaht völlig aus. Durch die exponierte Einheilung stellen sich keine Infektionen, vorzeitige Resorption und/oder das Einwachsen von Weichgewebe ein.

Fallbeschreibung

Ein 63-jähriger Patient, der seit einigen Jahren mit chronisch entzündeten, wurzelbehandelten Zähnen lebte, stellte sich mit Schmerzen in der Praxis vor (Abb. 1). Röntgenologisch (Abb. 2) und in der angefertigten DVT-Aufnahme (Abb. 3) zeigten sich mehrere radikuläre Zysten mit großer Ausdehnung im dritten Quadranten.

Aufgrund der stark chronisch entzündeten großen Areale ist eine Sofortimplantation in diesem Fall nicht indiziert. Der Patient wurde über die notwendigen Extraktionen der Zähne 34 bis 37 und den Kieferkammerhalt (Ridge Preservation) sowie die damit verbundene Einheilzeit von vier Monaten aufgeklärt. Der Patient stimmte diesem Vorgehen zu, und es wurde eine Brückenversorgung auf zwei Titanimplantaten 34 bis 36 geplant.

Die antibiotische prä- und postoperative Abdeckung erfolgte drei Tage vor der OP und bis zu vier Tage nach der OP mit Clindamycin 600 mg, dreimal täglich.

Die Zähne 34, 35, 36 und 37 wurden am Operationstag entfernt, teilweise durch Osteotomie, da die Molarenwurzeln ankylosiert waren (Abb. 4).

Ein sorgfältiges Debridement mit Zystenentfernung ist unerlässlich, um eine optimale Knochenregeneration zu ermöglichen (Abb. 5). Dem folgt der Knochenaufbau mit einem β-TCP (DentOss®, feinkörnig; 0,1–0,5 mm) und dem Adaptieren der Papillen mit einfachen Knopfnähten (Polypropylen, Sabapol 4/0; Abb. 6 und 7).

Der Patient wurde instruiert, bis zum vollständigen Wundverschluss den OP-Bereich zu schonen, d. h. nicht zu rauchen, zu kauen, zu spülen oder anderweitig mechanisch zu belasten. Eine sterile, nasse Gaze wurde auf den Operationsbereich gelegt, damit der Patient das Wundgebiet nicht mit der Zunge berührt. Diese sollte er für eine Stunde auf dem Wundgebiet belassen.Die Abbildungen 8 und 9 zeigen die Situation zwei Tage nach der Operation. Weitere Wundkontrollen erfolgten vier Tage (Abb. 10) und zwölf Tage nach der Operation. Es zeigte sich eine gute Wundheilung und die Nahtentfernung erfolgte (Abb. 11).

Nach vier Monaten wurde der Bereich mittels Kieferkammschnitt eröffnet (Abb. 12) und zwei Titanimplantate (5,5 x 13 mm, DIO) primärstabil inseriert (Abb. 13). Danach wurde eine radiologische Kontrollaufnahme angefertigt (Abb. 14).

Nach einer Einheilphase von acht Wochen erfolgte die Freilegung (Abb. 15). Zwei Wochen später wurde der Patient mit der geplanten Brücke versorgt (Abb. 16 und 17).

Fazit

Der dargestellte Patientenfall konnte mit dem gezeigten Therapiekonzept zu einem guten Ende geführt werden.

Der Beitrag ist im Implantologie Journal erschienen.

Foto Teaserbild: Autor

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