Anzeige
Kieferorthopädie 28.02.2011

Messbare Fortschritte erzielen

Messbare Fortschritte erzielen

Im Rahmen der jüngsten DGLO-Jahrestagung stellte Dr. Germain Becker mit den klinischen Pfaden eine systematische Planungskontrolle für die linguale Orthodontie vor. KN sprach mit ihm über wiederholbare Behandlungserfolge und überprüfbare Zielsetzungen.

Spielt die Qualitätssicherung, wie Sie von Ihnen beschrieben wurde, lingual und bukkal die gleiche Rolle oder ist dieses Antizipieren Ihrer Meinung nach lingual sogar noch wichtiger?
Zunächst möchte ich es keinesfalls versäumen, den Dres. Julia Tiefengraber und Esfandiar Modjahedpour meine Anerkennung für die perfekte Organisation der jüngsten DGLO-Jahrestagung in Düsseldorf auszusprechen. Großen Dank auch an die scheidende 1. DGLO-Vorsitzende, Dr. Andrea Thalheim, für ihre innovative und konstruktive Arbeit in der Gesellschaft. Als ESLO-Präsident wünsche ich dem neuen 1. Vorsitzenden, Dr. Peter Kohlhas, viel Erfolg und eine gute Zusammenarbeit auf europäischer und internationaler Ebene (insbesondere bei der gemeinsamen DGLO-ESLO Standardisierung bei Fallpräsentationen).

Nun zu Ihrer Frage: In meinen Augen ist ein QM-System bei größeren Praxen oder Universitätskliniken ein absolutes MUSS zur Absicherung der Rollen und Verantwortlichkeiten aller Teilneh-mer des Behandlungsprozesses. Ja in der Tat, die linguale Orthodontie verlangt etwas mehr Aufmerksamkeit als die bukkale KFO und der Ablauf ist mithilfe klinischer Pfade daher noch besser sicherzustellen. So ist bei 80% der Fälle die Planungskontrolle mittels klinischen Pfades absolut sichergestellt (siehe Abbildung S.4). Während wir das EFQM-System (European Foundation for Quality Management) in meiner privaten Gruppenpraxis seit 2004 erfolgreich anwenden, sind wir an der Paris Descartes Universität seit letztem Jahr in der Testphase. Übrigens haben wir 2006 den Luxemburger Preis für Qualität aller Kategorien gewonnen, der hierzulande dem Ludwig-Erhard-Preis entspricht.

Seit 2008 wenden wir den klinischen Pfad allgemein bei 80% der KFO-Behandlungen an und konnten somit messbare Fortschritte für unsere Patienten erzielen. Wir können die Anwendung daher nur empfehlen, zumal wir letztes Jahr gemäß EFQM-Bewertung 621 von 1.000 Punkten erreichen konnten, was 121 Punkte über den 5 Stars R4E im EEA (European Excellence Award) ausmacht.

Inwieweit hilft Ihnen bei diesem Vordenken der Behandlung das IncognitoTM-System? Wäre es auch mit anderen Fabrikaten möglich?

Vier von fünf Klagen in den Kliniken Europas sind nicht direkt auf den Behandler, sondern auf Managementfehler oder Missverständnisse zurückzuführen. Daher werden die klinischen Pfade seit mehr als fünf Jahren mit großem Erfolg und wachsender Begeisterung in Europas Kliniken vorbeugend eingesetzt. Zugleich verbreitet sich das EFQM-System innerhalb der Kliniken wie ein Lauffeuer, um die Behandlungsabläufe sicherzustellen. 80% der Fälle lassen sich durch das PARETO-Prinzip der Res­sourcen im gemeinsamen Einverständnis der Akteure (Doktor & Team) planen und behandeln.

Das IncognitoTM-System hat uns in der Praxis eine erheb­liche Hilfestellung mittels
E-Learning bei der Schulung der Behandler und KFO-Helferinnen zuteil werden lassen. Für diese Leistung sind wir dankbar und stützen uns als Praxis gern auf die solide Partnerschaft mit TOP-Service für Lingualtechnik/3M Unitek in Bad Essen.

Selbstverständlich sind die klinischen Pfade auch mit anderen Marken möglich. So geht es heute darum, eine qualitativ hochwertige und innovative Partnerschaft mit dem Zulieferer zu erzielen. Schließlich soll diese enge wechselseitige Zusammenarbeit beider Partner Exzellenz-Türen öffnen und echte Vorteile für den einzelnen Kunden, den Patienten, als Behandlungskonzept gewinnen – im Sinne messbarer Zielsetzungen und wiederholbarer Resultate unserer Lingualbehandlungen.
Nach Exzellenz zu streben, ist eine never ending story. Insofern freue ich mich, dass es in der DGLO und in Zusammenarbeit mit den herstellenden Firmen noch so viel Positives in Bezug auf die linguale Orthodontie für unsere Patienten zu tun gibt. Von daher bereitet es mir großen Spaß und Freude, Mitglied der DGLO zu sein.

Dokumentieren Sie all Ihre Patientenfälle?
Ein klares JA. Die deutsche Version dieser Richtlinien befindet sich in Kooperation mit Dr. Peter Kohlhas derzeit in Arbeit und wird ab April allen DGLO-Mitgliedern zur Ver­fügung stehen. Die französische und italienische Version folgt noch vor dem ESLO-Kongress (8.–11. Juli 2010).
Bezüglich der Dokumentation halten wir uns sowohl in der Abteilung KFO der Universität Paris 5 (Lingual Master Kurs) als auch in unserer Praxis in Luxemburg an die ESLO-Standards. Auch die DGLO hat in ihrer Hauptversammlung im Januar 2010 den internationalen ESLO-Standard angenommen (weitere Informationen zu diesem Thema unter www.eslo-info.org).

Die ESLO hat die Vision, dass bis zum Jahre 2015 neue Wege für das freiwillige Benchmarking (Leistungsvergleiche) mit Austausch von „Best Practice“ in der lingualen Orthodontie entstehen. Und als Immidiate Past President der ESLO werde ich ab 2011 den neuen ELSO-Präsidenten, Dr. Thomas Drechsler, dabei unterstützen.

Werfen Sie doch unter www.esas.nu einfach einmal einen Blick in die Zukunft. Dort entsteht die pure kontinuierliche Verbesserung. Und die ESLO ist dabei.

Als Präsident des diesjährigen ELSO-Kongresses können Sie sicherlich schon einen kleinen Vorgeschmack für interessierte Kieferorthopäden geben. Was erwartet die Teilnehmer und wie ist der Stand der Anmeldungen im Vergleich zu den vorherigen Tagungen?
ESLO-Kongresse sind seit 1992 kontinuierlich alle zwei Jahre mit beachtlichem Erfolg in großen Städten Europas organisiert worden. Beispielsweise waren wir 2002 in Berlin und werden nun 2012 mit Frankfurt zurück nach Deutschland kommen. Dieses Jahr findet der Kongress erstmals in Großbritannien statt. Was die Teilnehmerzahl betrifft, ist diese in den letzten Jahren jeweils um bis zu 10% angestiegen (in Cannes 2008 hatten wir 580 Teilnehmer). Alle Konferenzen verheißen stets Innovation und höchste Qualität und bieten zudem Chancen für die Industrie und Sponsoren (in Cannes waren es 50). Zudem lockt die Attraktivität der Austragungs­orte. So waren bei der letzten Tagung 2007 rund 280 Be-gleitpersonen dabei.

Die Erfahrung zeigt, dass sich die deutschen Kieferorthopäden ihre Innovationen gern aus einem ESLO-Kongress mitnehmen. Meine Kontakte zeigen z.B. auf weit mehr als 600 lingual behandelnde Kieferorthopäden hin.

Für London rechnen wir, was die „großen Lingualnationen“ Deutschland, Großbritannien oder Frankreich angeht, mit mehr als 100 Teilnehmern pro Land. Aus Japan, Italien und Korea werden wohl jeweils mehr als 50 dabei sein.

Während Ihres Vortrags bei der DGLO-Jahrestagung wiesen Sie auf die neue ESLO-Präsentationsvorlage hin. Wurde diese aus Ihrer Erfahrung, Ihrem Qualitätsmanagement und den daraus folgenden klinischen Pfaden angeregt?
Auch hier ein klares JA. ESLO hilft den Mitgliedern aller lingualen Gesellschaften Europas dabei, denselben weltweit anerkannten Standard zur Präsentation der Patientenfälle zu erleichtern. So ist diese Präsentationsvorlage innerhalb der Praxis und des Postgradualen Studiums anwendbar. Der Standard wird sich weltweit verbreiten, das WBLO (World Board of Lingual Orthodontists) und die WSLO (World Society of Lingual Orthodontists) haben diesbezüglich mit dem ESLO-Council eine klare Vereinbarung getroffen. Gemäß dem Moto „2010 bis 2020 Keep it simple“ für all unsere Mitglieder, bin ich davon überzeugt, dass es nur mehr Gemeinsames zur Verbesserung der Präsentationsrichtlinien geben wird.

Inwieweit ist es eine Empfehlung bzw. wird es eine einzuhaltende Richtlinie für die Vortragenden in London sein, entsprechend dieser neuen Vorlage zu präsentieren? Oder ist sie derzeit eher als Qualitätsstandard zu verstehen, der perspektivisch erreicht werden soll?
Eigentlich sind zwei Richtlinien für die ESLO-Tagung in London vorgegeben und dabei unterscheiden wir zwischen „Oral Presentation“ und „ Treated Case Presentation“. Bei der Oral Presentation handelt es sich um einen Vortrag von 15 Minuten und die Richtlinie dafür ist wie folgt:

1) Wissenschaftliches Ziel des Vortrags
2) Material & Methode
3) Resultate
4) Schlussfolgerungen

Bei der Treated Case Presentation handelt es sich um den Beweis des „Könnens“ des Kandidaten, zum zertifizierten Mitglied der ESLO zu werden. Hierbei gibt es zwei Stufen:

• Der Kandidat präsentiert zwei behandelte Fälle.
• Der Kandidat präsentiert fünf behandelte Fälle.

Die Richtlinie der Dokumentation ist nach zeitlichem Ablauf der Behandlung:

1) Dokumentation und Diag­nose vor der Behandlung (grau/schwarz)
2) Dokumentation, während der Behandlung (blau)
3) Dokumentation und Resultat Ende aktive Behandlung (rot)
4) Dokumentation des Resultates ein Jahr oder mehr, nach Abschluss der aktiven kieferorthopädischen Behandlung (grün)

Von: Dr. Germain Becker

Mehr Fachartikel aus Kieferorthopädie

ePaper

Anzeige