Anzeige
Kieferorthopädie 14.12.2011

Neue Dimension auf dem Gebiet der SL-Brackets

Neue Dimension auf dem Gebiet der SL-Brackets

Im Rahmen des letztjährigen Jahreskongresses der amerikanischen Gesellschaft für Kieferorthopädie in Washington wurde das neue, selbstligierende Bracket EasyClick® SL (World Class Orthodontics® Ortho Organizers GmbH®)* präsentiert. Dipl.-Ing. Dr. Erich Moschik und Dr. Harald Planegger stellen das System aus designtechnischer sowie klinischer Sicht vor.

Nach zwei Jahrzehnten Erfahrung mit kieferorthopädischen Brackets entstand die Idee, ein selbstligierendes Bracket zu entwickeln, das möglichst viele Verbesserungsvorschläge und Inputs von Klinikern berücksich­tigen sollte. Dass dies eine große Herausforderung darstellen würde, war klar – der Anreiz dafür umso größer. Dieses Bracket sollte auf die seit Jahrzehnten am Markt vorhandenen, erprobten konventionellen Multibandapparaturen, wie sie von unzähligen Kieferorthopäden tagtäglich angewandt werden, aufbauen. Es sollte kein größeres Umdenken in deren bewährter Arbeitsweise verlangen und zudem vielfache Behandlungsmöglichkeiten mit optimalsten Therapieerfolgen sicherstellen.

Sämtliche bekannte Schwachpunkte, wie mögliche Zahnschmelz-Abrasionen und Sprödigkeit von polykristallinem Aluminiumoxid bei Keramikbrackets (welche oft bereits beim Ligieren brechen und beim Debonden zersplittern) als auch das Verformen und Verfärben herkömmlicher Polyurethan- bzw. von Polykarbonat-Brackets im Laufe der Behandlungsdauer, sollten ebenfalls mit gelöst werden. Höchstmögliche Ästhetik und Komfort für den Patienten dürfen dabei natürlich ebenfalls nicht zu kurz kommen. Im Ergebnis von mehr als zwei Jahren Entwicklungsarbeit lag dann mit dem EasyClick® SL-System ein Bracket vor, das all diese gewünschten Anforderungen beinhaltet und die Erwartungen der in den Entwicklungsprozess mit eingebundenen Kieferorthopäden zur Zufriedenheit erfüllt (Abb.1). Beim EasyClick® SL-Bracketsystem handelt es sich um ein transluzentes, in der Anfangsphase passives und in der Endpha­se aktives selbstligierendes Bracket. Es wurde erstmals beim AAO-Jahreskongress in Washington vorgestellt und dort durch die American Association of Orthodontists als das innovativste Bra-cket des Jahres 2010 bezeichnet. Seitdem ist es im Handel erhältlich.

Design

Der transluzente Bracketkörper mit seinem integrierten, multifunktionalen Clip stellt eine Einheit dar und wird aus einem Stück gefertigt. Dadurch entfallen unterschiedliche Materialien. Zudem sind keinerlei mechanische Komponenten wie Klappen, Federn oder dergleichen vorhanden. Somit ist ein Maximum an Ästhetik und aufgrund der Homogenität sowie der damit gegebenen niedrigeren Bauhöhe (Low-Profile-Design) auch ein erhöhter Patientenkomfort gegeben (Abb. 2). Für eine bessere Rotationskontrolle sind optional Cuspid-Brackets für den Ober- und Unterkiefer mit integriertem Doppelclip erhältlich.

Ästhetik

Der Anspruch sowie die Bedürfnisse der Patienten nach einem ästhetischen Look bzw. nach Brackets, die auf den ersten Blick so wenig wie möglich bemerkt werden können, steigt ­immer mehr. Somit war von ­Beginn an klar, dass es eines transluzenten Materials bedarf, welches sich nicht verfärbt und seine Form während der ge­samten Therapiezeit behält (Abb. 3). Der zur dauerhaften Ästhetik verhelfenden, gu­ten Reinigungsmöglichkeit trägt das offene Clipsystem ebenso Rechnung.

Innovatives Material

Für die Produktionsmethode mit­­tels Lasertechnik wurde ein neues, innovatives Material gewählt, das biokompatibel ist und das Formen von komplexen Profilen – wie dies das Bracket mit integriertem Clip darstellt – erlaubt. Dieser Werkstoff weist ein Wi­der­standsver­halten auf, das sich mit dem polykristallinen Alu­mi­niumoxid vergleichen lässt, ohne jedoch dessen Bruch- und Splitterneigung zu besitzen. Zusätzlich zeigt es eine ausreichende Flexibilität, wodurch die Funktion des Clips erst ermöglicht wird. Das trans­luzen­te Material ist resistent gegen Verfärbungen und zeigt keinerlei Abrieb, wie dies bei herkömmlichen Polyurethan- und Po­lykarbonat-Brackets der Fall ist.

Bonding

Die ausschließlich mechanische „Interlocking-Basis“ erlaubt durch das innovative „Fischgräten-Design“ eine außerordentlich leich­­te und präzise Positionierung am Zahn (kein „Schwimmen“ des Brackets mehr beim Andrücken). Dabei wird der überschüssige Kleber aufgrund der Konstruktionsart schräg nach außen in Richtung okklusal gedrückt und so dessen leichtes, ­rasches Entfernen ermöglicht (Abb. 4). Somit wird erreicht, dass Plaque­an­sammlungen rund um das Bra-cket leichter entfernt werden können und die Mundhygiene erleichtert wird. Die Verwendung hochwertiger lichthärtender Kleber (die ihrerseits farbbeständig sind) mit ­Festigkeiten von 10 bis 12MPa gewährleistet eine sichere Verklebung für den gesamten Behandlungszyklus, sodass die Bracket-Verlustrate auf ein Minimum reduziert wird. Die exakte vertikale Ausrichtung des Brackets entlang der bukkalen Longitu­dinal-Achse am Zahn wird durch die abputzbaren Farbmarkierungen am Bracket enorm erleichtert (Abb. 5).

Multidimensionale Steuerung der Zahnbewegungen von Beginn an

Um den neuesten Erkenntnissen in der Therapie Rechnung zu tragen, wurde das Bracket so aus­gelegt, dass es insbesondere während der Nivellierungs- und Justierungsphase passive Funktion ausübt. Durch die gegebene Clip­position ist eine größere Interbracket-Distanz gegeben, die ein sehr dynamisches Behandlungs­verhalten ermöglicht (Abb. 6, 7). Während der Endphase – bei eventueller Verwendung von 0.0180 x 0.0250-Bögen – weist das Bracket eine vermehrt aktive Funktion auf, wodurch sich eine größere Präzision bei der Feineinstellung mit guter Torqueübertragung und Rotationskontrolle ergibt (Abb. 8).

Friktion

Das innovative und biokompa­-tible Material bewirkt eine „ultra low Friction“ zwischen Bracketschlitz, Clip und Drahtbogen. Es liefert im Vergleich zu am Markt befindlichen Brackets aus Edelstahl und Keramik oder den „lined“ Brackets wesentlich niedrige Friktionskräfte und gewährleistet dadurch einen sanfteren Behandlungsbeginn (Abb. 9, 10).

Drahtbogenwechsel

Durch das spezielle Design des im Bracket integrierten Clips ist ein Ein- und Ausklicken der Drahtbögen sehr einfach. Sowohl das Einklicken des Drahtes wie auch das Entfernen erfolgen mittels Finger, Pluger, Weingart oder mit dem dafür speziell ergonomisch designten „Wiredirector“. Die dabei auftretenden Clipkräfte sind so dimensioniert, dass das Einklicken wie auch das Entfernen starker Nivellierungsbögen, wie z.B. eines 0.0160 x 0.0250-Bogens, ohne Belastung für den Patienten erfolgen können und keine Gefahr besteht, dass sich dabei das Bracket vom Zahn löst (Abb. 11). Das Clipdesign unterstützt den Kie­ferorthopäden auch dahingehend, dass bei zu frühem Wechsel auf stärkere Bögen eine leichte Federwirkung auftritt und damit extreme Kräfte sowie gefährliche Wurzelresorptionen vermieden werden. Das Einhalten der Drahtsequenzen von Thermal- und NiTi-Bögen in einer kontinuierlichen Dimensionsprogression garantiert optimale Behandlungserfol­ge. Die zusätzliche Möglichkeit der Verwendung von Drahtliga­turen oder Gummizügen macht vielfältige Behandlungsmethoden möglich. Es kann auch ganz einfach während des Behandlungsverlaufes von konventioneller Methode mit Ligaturen auf selbstligierend gewechselt werden, ohne dafür die Brackets austauschen zu müssen (Abb. 12).

Debonding

Das Bracket lässt sich ganz einfach mit einem herkömmlichen Debondinginstrument entfernen, wobei die Zange mesial und distal am Bracket angesetzt und das Bracket mit wenig Kraftaufwand im Uhrzeigersinn verdreht wird. Das verwendete Material ist hart genug, um sich dabei nicht zu verformen, und flexibel genug, um nicht zu zerbrechen, wie dies bei Keramikbrackets häufig der Fall ist.

Patientenbeispiele

Der Wunsch der Patienten nach ästhetisch wenig beeinträchti­gen­­den kieferorthopädischen Ap­paraturen veranlasste mich, das EasyClick® SL-Bracketsystem auszuprobieren. Die Synthese aus „selbstligierendem“ Bracketsystem und ansprechender Ästhetik sowie die vielseitige Anwendbarkeit schienen den Versuch in der Praxis zu rechtfertigen. Der sonst mit SL-Bracketsyste­men assoziierte Begriff „selbstligierend“ ist m.E. eine irreleitende und marketingmäßig missbrauch­te illusorische Bezeichnung, da immer noch der Behandler einligieren und typischerweise einen Verschlussmechanismus oder ei­ne Arretierung aktivieren bzw. schließen muss. Demzufolge dürften diese Systeme nur als bogenretentiv und nicht selbstligierend bezeichnet werden. Das EasyClip-System entspricht jedoch dem Terminus selbstligierend, da der Draht ins Retentionssystem nur noch eingedrückt wird und kein Mechanismus mehr betätigt werden muss. Das EasyClick® SL erlaubt sehr flexible Behandlungen auch jenseits der Straight-Wire-Technik, wie es in einer kieferorthopädischen Praxis täglich erforderlich ist. Durch das konventionelle Bracket-Grunddesign ist in Spezialfällen auch konventionelles Arbeiten mit Verwendung unterschiedlichster Ligaturen und erforderlichen Accessoires komfortabel möglich. Das äußerst dynamische Verhalten des Clipsystems ermöglicht eine rasche Korrektur von Zahnfehlstellungen mit hohem Patientenkomfort bei geringem Schmerzpotenzial und Einhaltung der idealen Kräfte am Zahn für optimale Zahnbewegung von 50 bis 70cN (Studie von J. Kurol 1996).

Unerlässlich bei transluzenten, ästhetischen Brackets ist die Schulung und Unterweisung des Patienten hinsichtlich gründlicher Mundhygiene, da die Brackets zwar selbstligierend, aber noch nicht selbstreinigend sind. Die Verantwortung für eine persistierend gute Ästhetik der Brackets über die Behandlungsdauer hinweg liegt unweigerlich beim Patienten. Mich als Anwender freut es, dass ein Arbeiten mit erprobten klinischen Methoden bei gleichzeitig hohen ästhetischen Ansprüchen möglich und ein rascher Behandlungserfolg gegeben ist. Das und die gleichzeitige, niedrige Schmerzentwicklung bewirkt die hohe Akzeptanz und Zufriedenheit der Patienten.

Mehr Fachartikel aus Kieferorthopädie

ePaper

Anzeige