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Oralchirurgie 17.08.2017

Sonografische Darstellung von Wundheilungsstörungen

Im folgenden Beitrag werden Fälle vorgestellt, bei denen es nach der Implantation Wundheilungsstörungen gab. Alle gesetzten Implantate waren komplikationslos eingeheilt und primär gut knöchern durchbaut. Die Probleme an den Implantaten traten erst nach der prothetischen Versorgung auf. Die folgenden Patientenfälle sollen exemplarisch für die sinnvolle Anwendung der intraoralen Sonografie bei Wundheilungsstörungen nach Implantationen stehen.

Alle Patienten wurden mittels der intraoralen Sonografie untersucht. Dabei wurden verschiedene Sonden direkt auf das Zahnfleisch in der betroffenen Kieferregion aufgesetzt. Die so erzeugten Ultraschallbilder wurden danach mit den konventionell hergestellten radiologischen Kontrollaufnahmen verglichen.

Fall 1

Eine 58-jährige Patientin hat in Regio 13 ein Implantat, das als Brückenpfeiler dient. Die Brücke ist fixiert auf dem Zahn 15 und ersetzt den Zahn 14.Im Röntgenbild (Abb. 1) ist ein deutlicher Einbruch des Knochens in Regio 13 sichtbar. Klinisch ist der Befund bis jetzt allerdings unauffällig. Die Brücke ist fest und das darüber liegende Zahnfleisch verdeckt den Knochenabbau. Auf Berührung mit einer Parodontalsonde lässt sich im Bereich des Implantates 13 eine kleine Blutung nachweisen.

Zum besseren Verständnis werden bei allen drei vorgestellten Patientenfällen die ungefähre Position der Schallköpfe am Modell nachgestellt. Danach erfolgt die Abbildung des entsprechenden Ultraschallbildes.

Die betroffene Region wurde mittels der intraoralen Sonografie mit einer Linearsonde (Abb. 2–4) dargestellt. Die sogenannte Hockeysticksonde hat einen Frequenzbereich von 14 MHz. Sie eignet sich besonders für sonografische Abbildungen im Frontzahngebiet des Ober- und Unterkiefers. Es lassen sich die freiliegenden Gewindegänge und der Knocheneinbruch gut darstellen. Die reflexreicheren weißen Zonen entsprechen den freiliegenden Gewindegängen. Zum besseren Verständnis wurde die Kontur des Implantates und des Knochens nachgezeichnet (Abb. 4).

Fall 2

Es stellte sich eine 77-jährige Patientin mit Implantaten in der Unterkieferfront in Regio 41 und 31 in der ambulanten Sprechstunde vor. Die Implantate dienen zur Stabilisierung der Prothese im Unterkiefer. Bei der klinischen Vorstellung bestand die Versorgung bereits seit mehreren Jahren. Die Implantate haben bereits leichte Lockerungstendenzen. Allerdings kommt die Patientin klinisch nach wie vor gut mit der prothetischen Versorgung zurecht.

Röntgenologisch lässt sich ein deutlicher Knochenabbau nachweisen (Abb. 5). Die Gewindegänge der Implantate und die Implantatschultern liegen im oberen Anteil komplett frei. Nur der untere Implantatanteil ist noch gut im Knochen verankert.

Es wurde bei der intraoralen Sonografie ebenfalls, wie im ersten beschriebenen Fall, eine Linearsonde mit dem Frequenzbereich 14 MHz verwendet (Abb. 6). Die freiliegenden Gewindegänge und die Implantatkörper sind gut sichtbar (Abb. 7 und 8). Umso klarer und eindeutiger die intraorale sonografische Darstellung der Implantate ist, desto schlechter ist die knöcherne Integration.

Fall 3

Eine 50-jährige Patientin stellte sich nach implantologischer Versorgung der Zahnlücke in Regio 46/47 vor. Sie hatte ständige Beschwerden im Bereich des rechten Unterkiefers. Die Implantate waren seit circa 14 Monaten mit einem Kronenblock prothetisch versorgt.

Radiologisch zeigten sich deutliche knöcherne Resorptionen im Bereich der Implantate (Abb. 9). Besonders betroffen war das Implantat 46. Der Kronenblock war klinisch fest und der Defekt nahezu komplett durch die darüber liegende Gingiva abgedeckt.

Es erfolgte ebenfalls eine intraorale Sonografie in der Implantatregion 46/47. Diesmal wurde eine Mikrokonvexsonde (Abb. 10) mit einem Frequenzbereich von 11 MHz verwendet. Auch hier zeigte sich ein deutlicher Abbau des Knochens, sowohl am Implantat 46 wie auch am Implantat 47.

Die Gewindegänge und die freiliegenden Implantatkörper ließen sich gut darstellen. Die Kontur des Knochens und der Implantate wurden ebenfalls zum besseren Verständnis nachgezeichnet (Abb. 11 und 12).

Fazit

In den vorgestellten Fällen kam es leider zu Wundheilungsstörung nach der Setzung von Implantaten. Dies kann ursächlich viele Gründe haben, obwohl sehr häufig eine Fehlbelastung der Implantate vorliegt. Durch den starken Knochenabbau lassen sich die Implantatkörper und speziell die reflexreichen Gewindegänge sonografisch gut abbilden. Man erkennt auch gut den Übergang zwischen den Implantaten und dem umgebenen Knochen.

Je besser die sonografische Darstellung, umso schlechter ist leider die Einheilung der Implantate. Es wäre auch ohne radiologische Untersuchung möglich gewesen, die größeren knöchernen Defekte und freiliegenden Implantate darzustellen. Da bei der intraoralen Ultraschalluntersuchung die Patienten keinerlei Strahlenexposition ausgesetzt sind, wäre eine frühzeitige Erkennung des Knochenabbaus möglich gewesen, um im Anschluss geeignete chirurgische Therapiemaßnahmen zur Erhaltung der Implantatstabilität ergreifen zu können.

Der Fachbeitrag ist im Oralchirurgie Journal 3/2017 erschienen.

Foto: Autor
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