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Parodontologie 07.03.2017

Ganzheitliche parodontale Therapieunterstützung – Ernährung

Ganzheitliche parodontale Therapieunterstützung – Ernährung

Die parodontale Therapie ist überholt und braucht ein Update – Teil 9

Der Autor geht davon aus, dass die lokal keimreduzierende Therapie am Parodontium eine lokal temporäre Therapie ist. Nach seiner Auffassung hat Parodontitis einen multifaktoriellen Ursachenkomplex.

Der professionelle Therapiebeginn stellt die Voraussetzung, die Grundlage dar, aber ist nicht die Therapie und ist 
nicht ausreichend zum Stopp des 
Knochenabbaus. Für einen ausgeglichenen Knochenstoffwechsel, selbst 
im hohen Seniorenalter, ist ein regelmäßiges, individuelles Recall notwendig, kontinuierlich mit drei Therapieschritten: 

  1. Therapie der Entzündung, nicht durch Keimreduktion, sondern durch Vermehrung der positiven, regenerativen Mikroorganismen, durch Umstellung des Patienten auf Effektive Mikroorganismen (EM) – Teil 1 und Teil 4
  2. Therapie des Bone Remodeling – Teil 2, Teil 3, Teil 4 und Teil 5 
  3. ganzheitliche Betrachtung – 
Materialbereitstellung für den 
Knochenstoffwechsel und einen ausgeglichenen Flüssigkeitshaushalt (Teil 6, Teil 7 und Teil 8)

Knochen benötigt für seinen Struktur- und Funktionserhalt einen ständigen Stoffwechsel. Er befindet sich in einem dynamischen Zustand und wird fortwährend durch die koordinierten Aktionen von Osteoklasten und Osteoblasten abgebaut, aufgebaut und neu formiert.4

Diese ständigen Umbauprozesse sind zwingend erforderlich, damit der Knochen nicht überaltert und seine Funktionen erfüllen kann.5 In diesem Bone Remodeling werden die gleiche Menge Knochen abgebaut, wie nachfolgend wieder aufgebaut wird.2 Normalerweise werden 0,7 Prozent des menschlichen Skeletts täglich resorbiert und durch neuen gesunden Knochen ersetzt.3 Das gesamte Skelett wird im Durchschnitt alle 142 Tage erneuert.6

Der Knochen wird durch das Bone 
Remodeling permanent umgebaut und bleibt dadurch stabil. Durch diese 
ständigen Umbauprozesse passt sich 
der Knochen den mechanischen und 
physikalischen Beanspruchungen der 
täglichen Belastung an. Der Knochenumbau wird durch ein komplexes 
Zusammenspiel von Hormonen, Proteinen, Vitaminen und Mineralstoffen 
in Verbindung mit der mechanischen Beanspruchung und Bewegung gesteuert. Damit dieses Zusammenspiel funktioniert, ist eine ausgewogene Ernährung erforderlich.6, 12 Für den Knochen sind dafür von besonderer Bedeutung: Mineralstoffe (Kalzium, Phosphor, Magnesium, Zink, Kupfer, Fluorid, Mangan), Vitamine (Vitamin D, C, K, E, A, B6), Proteine und Hormone.  

Aber letzten Endes ist diese Aufzählung und Konkretisierung in Werte unvollständig, weil der Mensch als Ganzes 
betrachtet werden muss. Es reicht 
nicht aus, sich anzuschauen, was der Knochen im Einzelnen für seinen Stoffwechsel benötigt, weil das komplexe Zusammenspiel viel umfangreicher ist. Zum Beispiel ist das Parathormon für 
den Knochenstoffwechsel sehr wichtig. Das Parathormon ist ein Peptidhormon, bestehend aus 84 Aminosäuren, welches in den Hauptzellen der 
Nebenschilddrüsen gebildet wird. Die Hauptfunktion des Parathormons ist 
die Erhöhung der Kalziumkonzentration im Blutplasma zur Wahrung der 
Kalziumhomöostase. Also benötigen wir indirekt auch alle Grundlagen für einen ausgeglichenen Stoffwechsel der Schilddrüse und so weiter. 

Nr. 1: Das Blut

Der Knochenstoffwechsel kann nur 
ausgeglichen funktionieren, wenn das Blut funktioniert. Blut ist das Lebenselixier. Ist es gesund, geht es dem Patienten gut. Fehlen wichtige Vitalstoffe, kommt es zu Infekten, Antriebsschwäche und fehlendem Lebensglück.11 Der Knochenstoffwechsel funktioniert wie ein Hausbau. Es werden Fachleute benötigt: Osteoblasten, Osteoklasten und Osteozyten. Damit die Fachleute aber ein Haus bauen können, wird jede Menge Material benötigt. Aber was nutzt das ganze 
Material, wenn es nicht auf die Baustelle gelangt. Wir brauchen Transportwege und Transportmittel. Gesund oder krank? – die Antwort liegt 
im Blut.11

Das Transportmittel in unserem Körper ist das Blut. Bei unseren Patienten besteht ein sehr auffälliger Zusammenhang zwischen dem Sauerstoffgehalt 
im Blut und einem negativen Knochenstoffwechsel mit parodontalem Knochenverlust, Zahnlockerung und Zahnverlust. Aus diesem Grunde kombinieren wir die halbjährliche Untersuchung mit der Pulsoxymetrie. Dazu wird einfach ein Fingerclip auf den 
Finger gesetzt und innerhalb von Sekunden zeigt das Gerät den Sauerstoffgehalt im Blut sowie die Pulsfrequenz an (Abb. 1).

Abb. 1: Beispiel eines Extremfalles – Pulsoximetermessung mit akut niedriger Sauerstoffsättigung. © Autor

Die Pulsoxymetrie nutzt den Umstand, dass der Blutfarbstoff je nach Zustand verschiedene Färbungen zeigt: Gesättigtes, mit Sauerstoff beladenes Hämoglobin ist hellrot und absorbiert vor 
allem rotes Licht. Ungesättigtes Hämoglobin erscheint dunkelrot bis bläulich und nimmt vor allem Licht im infraroten Bereich auf. Auf der einen Seite des Pulsoxymeters befindet sich eine Lichtquelle. Sie sendet rotes Licht der Wellenlänge 660 Nanometer und infrarotes Licht der Wellenlänge 940 Nanometer aus. Auf der anderen Seite des Pulsoxymeters sitzt ein Fotodetektor. Dieser Detektor misst, wie viel Licht 
auf der anderen Seite des Fingers 
ankommt. Aus diesen Messwerten 
bestimmt ein Computer, wie viel und 
welches Licht am Ort der Messung 
vorhanden sind (siehe Tabelle). Ein zu geringer Sauerstoffgehalt im 
Blut ist für den Knochenstoffwechsel eine Katastrophe.

Die Hauptursache dafür liegt in der 
Ernährung. In der Regel essen diese 
Patienten zu viele Säuren und zu 
wenig Basen. Dadurch ist das Säure-Basen-Verhältnis gestört. 

Was sind Säuren? 

Alles Leben auf der Erde hat als 
Grundbausteine vier Nukleinsäuren und 20 Aminosäuren. Folglich wird alles, was einmal gelebt hat, zu Säuren abgebaut: Joghurt, Käse, Milch Quark, Eier, Fleisch, Huhn, Fisch usw. Alle 
Getränke, die sprudeln, sind mit Kohlensäure versetzt, Kaffee und Tee enthalten Gerbsäure, Brot und Brötchen bestehen aus Sauerteig.

Zucker wird, wie alle Kohlenhydrate, Getreidesorten, Nudeln und Reis zu Säuren abgebaut. Alles was jetzt hier aufgezählt wurde, sollte in der Nahrung nur circa 20 Prozent betragen. 
Zu 80 Prozent sollten wir uns basisch ernähren.

Die aus Magen und Darm resorbierten Bestandteile gelangen in das Blut zum Transport. Das Blut würde bei 
einer Übersäuerung in den sauren pH-Bereich rutschen. Saures Blut kann 
aber nur gering Sauerstoff binden. Die Sauerstoffsättigung im Blut würde folglich sinken. Blut funktioniert im basischen pH-Wert Bereich von 7,36 bis 7,4. Damit das Blut nicht in den sauren Bereich rutscht und sich die Sauerstoffsättigung vermindert, gibt es im 
Blut vier Puffersysteme. Der Hauptpuffer ist der Kalziumpuffer, dazu wird Kalzium aus dem Knochen abgebaut. Bis zum 25. Lebensjahr hat der 
Mensch eine Aufbauphase, erst danach beginnt der Abbauprozess. In 
der Regel reichen die großen Kalziumvorräte 20 bis 30 Jahre, je nach 
Ess- und Lebensgewohnheiten. Nehmen die Kalziumreserven ab, kann 
das Blut nicht mehr ausreichend in 
den basischen Bereich hineingepuffert werden. Der pH-Wert sinkt und die 
Sauerstoffsättigung im Blut wird geringer. Als Folge werden die Zellen im Endstromgebiet schlechter mit Sauerstoff versorgt. Nun melden diese an 
die zentrale Stelle: „Bei mir kommt nichts mehr an! Mach doch mal mehr Druck!“ In Folge dessen steigt der 
Blutdruck. Jetzt ist zwar im Endstromgebiet wieder alles in Ordnung, aber dem Patienten geht es nicht gut. Er 
hat zu hohen Blutdruck und geht 
damit zum Arzt. Der Arzt verabreicht 
ihm symptomatisch ein Medikament 
zur Vasodilatation. Die Gefäße werden dadurch weiter und der zu hohe Blutdruck versackt einfach in den zu weiten Gefäßen. Jetzt ist zwar der 
Blutdruck wieder normal, aber im 
Endstromgebiet entsteht ein richtiges Problem: zu geringer Blutdruck und 
zu wenig Sauerstoff. Wenn Sie nun 
wissen, dass zur Blutpufferung massiv 
Kalzium aus dem Knochen abgebaut wird, glauben Sie wirklich, Blutdruckprobleme haben keinen Einfluss auf 
die parodontale Therapie?

Kalzium braucht der Mensch

Das Lebenselixier heißt Blut und alle 
anderen Funktionen und Abläufe sind dem untergeordnet. Damit die Übermenge Säuren gepuffert werden kann, benötigt das Blut Kalzium, und dieses wird aus den Knochen abgebaut. 
In den Knochen, die am stärksten 
belastet werden und wo die stärkste Muskulatur arbeitet, befindet sich auch die höchste Kalziumkonzentration. Die stärkste Muskulatur ist die Kaumuskulatur. Aus diesem Grunde können 
wir als Zahnärzte schon rechtzeitig 
auf den PSA-Aufnahmen den negativen Knochenstoffwechsel sehen.10 
Ein Patient mit einem aus dem 
Gleichgewicht geratenen Säure-Basis-Verhältnis hat folglich einen negativen Knochenstoffwechsel und würde dadurch eine zurückgehende parodontale Knochenbasis zeigen. Die Zähne werden immer länger, locker und fallen schließlich aus. Die eigentliche entzündungsreduzierende parodontale Behandlung wird zur Vorbehandlung. Sie ist Voraussetzung der parodontalen Therapie, aber sie ist nicht die The
rapie des Bone Remodeling. Die parodontale Therapie ist auf Entzündungsreduktion ausgelegt. Es wird die Virulenz der Keime reduziert, aber es gibt keine Bakterien, die parodontalen Knochen abbauen. Das sind körpereigene Reaktionen. Die direkte Therapie des Bone Remodeling muss nach der 
Entzündungsreduktion erfolgen. Gelingt 
es zusätzlich, den Patienten ursächlich aus dem negativen Knochenstoffwechsel herauszubekommen, können nicht nur die Recallabstände vergrößert werden, sondern der Patient erhält zudem sehr viel mehr Lebensqualität.

Knochenstoffwechsel: Wechselspiel zwischen Knochenaufbau und Knochenabbau – etwa aller 142 Tage erneuert sich das Skelett. © Jose Luis Calvo – shutterstock.com

Angepasst: Knochenaufbau 
und Knochenabbau

In der Therapie des Bone Remodeling werden die Osteoklasten reversibel gebremst und die Osteoblasten aktiviert. Vom Prinzip wird der Knochenabbau dem zu langsamen Aufbau angepasst, sodass sich Knochenabbau und Knochenaufbau wieder im Gleichgewicht befinden.8 Für eine derartige Therapie werden neun Monate mit zehn Behandlungen benötigt.9 In diesen neun Monaten ist eine durchschnittliche Taschenreduktion von 3,5 mm realistisch. Auch wenn der Patient nach der Therapie keine oder wesentlich geringere Taschen hat, bleibt er ein PA-Risikopatient und gehört in ein individuelles Recallsystem. Der Recallabstand richtet sich danach, ob es in den neun 
Monaten Therapiezeit gelungen ist, den Patienten ausreichend zu motivieren, zum Beispiel ob er seine Ernährungsgewohnheiten geändert hat. 

Fazit

Konnte erreicht werden, dass der Patient eine basisch-tendierte Ernährung aufnimmt, hört parallel dazu der Kalziumraubbau im Knochen auf und der negative Knochenstoffwechsel normalisiert sich. Die Sauerstoffsättigung im Blut steigt an und Blutdruck wie Puls regulieren sich hin zu einem Normalwert. Der Patient kann aus dieser Veränderung heraus eine Ausdauersteigerung, mehr Vitalität und Kraft sowie mehr Lebensfreude feststellen.


Im Teil 10 erfahren Sie mehr darüber, 
wie und woran die Auswirkungen der Ernährung in der Antlitzdiagnostik erkennbar sind.

Eine vollständige Literaturliste finden Sie hier.

Der Beitrag ist in der ZWP Zahnarzt Wirtschaft Praxis 03/2017 erschienen.

Foto: © puhhha – fotolia.com
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