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Parodontologie 18.06.2020

Lactobacillus reuteri gegen Keime in der Mundhöhle

Lactobacillus reuteri gegen Keime in der Mundhöhle

Rolle für Dentalhygiene und Präventionsmanagement

Die Symbiose mit unserem individuellen Mikrobiom ist von fundamentaler Wichtigkeit für unsere Gesundheit. Ist das Gleichgewicht zwischen dem Wirt und seinen körpereigenen Bakterien gestört, können Krankheiten entstehen. Auch die Parodontitis stellt letztlich die Entgleisung des oralen Mikrobioms dar, bei der parodontopathogene Bakterien die natürliche Standortflora überwuchern. Ein Hauptziel der PA-Therapie muss deshalb die Reetablierung einer ausbalancierten oralen Mikroflora sein. Der nachfolgende Artikel zeigt, welche Rolle dabei das Milchsäurebakterium Lactobacillus reuteri (LR) spielen kann.

Eine orale Dysbiose entsteht durch die Zunahme von pathogenen Keimen. Das verschobene Gleichgewicht führt zu vermehrter Plaqueakkumulation und verstärkter Entzündung im Mund mit allen daraus resultierenden Erkrankungen.

Der Einsatz des stäbchenförmigen grampositiven Milchsäurebakteriums Lactobacillus reuteri (LR) greift genau hier ein. LR produziert die antimikrobielle Substanz Reuterin, welche gegen Streptococcus mutans, parodonthopathogene Keime, Pilze, Hefen sowie Plaqueakkumulation wirkt. Das Milchsäurebakterium ist nach dem deutschen Mikrobiologen Gerhard Reuter benannt, der es in den 1960er-Jahren erstmals isolierte. Dieser Bakterienstamm ist einer von wenigen Spezies, die sich in der Mundhöhle und im Magen-Darm-Trakt ansiedeln. LR hat die Fähigkeit, sich an den Mund- und Darmschleimhäuten festzusetzen und überlebt die Magen- und Gallensäure.

Faktoren einer Dysbiose

Das Verhältnis zwischen Symbiose und Dysbiose ist dynamisch (ökologische Plaquehypothese)1 und wird vor allem durch äußere Bedingungen und somit auch viele Aspekte aus dem Leben beeinflusst, wie z. B. Ernährung, Stress, Tabakkonsum, Alkohol, hormonelle Veränderungen, schlechte Mundhygiene oder Allgemeinerkrankungen (Grafik 1 und 2).2 All diese Faktoren können unser Mikrobiom verändern. Dies kann zu einem Zustand führen, in dem das sensible orale Ökosystem außer Balance gerät und eine Dysbiose entsteht – mit signifikanten Folgen für die Gesundheit.

Vorteile von Lactobacillus reuteri

Das Milchsäurebakterium ist in der Lage, mit seinen antimikrobiellen Eigenschaften die Parodontaltherapie sowie Prophylaxe zu unterstützen. So schützt LR das Zahnfleisch, verringert die Plaqueakkumulation und unterstützt wirksam bei Gingivitis, Parodontitis, periimplantärer Mukositis, Halitosis und Candidas.3–10 Abbildung 1 stellt einen Leitfaden zur Anwendung von LR über Lutschtabletten (GUM® PerioBalance®, Sunstar) für das Praxisteam dar. Weiterhin hemmt es durch die Produktion des Wirkstoffs Reuterin die Bildung von Streptococcus mutans sowie die Etablierung schädlicher Bakterien in der Mundhöhle. Es dämmt die Entzündung ein, reduziert den Marker MMP-8 und stärkt die Wirtsimmunantwort sowie Mundhöhlenökologie (Abb. 2).11–15

Bei den folgenden Patientengruppen kann LR zusätzlich zur gründlichen Mundhygiene eingesetzt werden:

  • KFO-Patienten
  • Gingivitis-/Parodontitis-/Periimplantitispatienten
  • systemisch erkrankte Patienten (z.B. an Diabetes, Osteoporose, Hypertonie)
  • Senioren: Candida albicans, Halitosis
  • schwangere Patientinnen: Gingivitis gravidarum
  • behinderte Patienten mit eingeschränkter Mundhygiene
  • Raucher
  • Vegetarier

Hinweis: Bei Patienten die sich in homöopatischer Behandlung befinden, sollte eine Anwendung geprüft werden, da GUM PerioBalance Menthol und Pfefferminz als Aromastoff enthalten.

Anwendungsmöglichkeiten

  • Lutschtabletten, z. B. GUM® PerioBalance®, als Kur einzunehmen (ca. drei Monate) bei chronischer Parodontitis, anschließend Kontrolle und neue Beurteilung der Situation
  • Kaugummi
  • Pulver
  • Gel (Applikation in den Zahnfleischtaschen)

Alternative zum Antibiotikum?

Eine Parodontitistherapie muss darauf abzielen, bestehende Entzündungen zu beseitigen, den Anteil parodontopathogener Bakterien zu reduzieren und wieder symbiontische mikrobiologische Verhältnisse herzustellen. Laut den S3-Leitlinien der Deutschen Gesellschaft für Parodontologie e.V. (DG PARO) soll in den zahnärztlichen Praxen ein Antibiotikum so selten wie möglich verordnet werden.16 Eine Therapie mit LR kann daher in passenden Fällen eine Alternative darstellen.

Metaanalyse

Die Ergebnisse der Metaanalyse „Probiotika als adjuvante Therapie bei chronischer Parodontitis“ von 2018 befürworten eine adjuvante Therapie mit Probiotika (wie LR), bei der nichtchirurgischen Therapie einer chronischen Parodontitis.17 Es kommt zu einem klinischen Attachmentgewinn und Verbesserung der Entzündungsparameter (BOP). Bezogen auf eine Reduktion der Sondierungstiefen kann ein signifikanter Effekt nur bei moderaten bis tiefen Taschen erwartet werden. Es besteht weiterhin Forschungsbedarf, um eine höhere Evidenz für diese Behandlungsmethoden zu erreichen.

Fazit

Lactobacillus reuteri kann für die Zukunft eine vielversprechende zusätzliche Behandlungsalternative darstellen, um das ökologische Gleichgewicht in der Mundhöhle zu fördern. Durch seinen antimikrobiellen Wirkstoff Reuterin, seine Unterstützung der nützlichen oralen Bakterienflora sowie nahezu risikofreie und unkomplizierte Einnahme, ist LR ein zukünftiger Hoffnungsträger in der Dentalhygiene. Auch hier sind die Lutschtabletten GUM® PerioBalance® eine gute Möglichkeit, um das Milchsäurebakterium dem Organismus zuzuführen.

Die Erkenntnis, dass die Zusammensetzung des Biofilms und nicht allein die Anwesenheit von Plaque eine zentrale Rolle spielt, kann zu neuen Möglichkeiten führen. Das Ideal eines ursachengerichteten Ansatzes zur Prävention und Kontrolle der Parodontitis sowie anderer bakterieller Dysbiosen wäre aus aktueller Sicht ein Ernährungs- und Lebensstil, der das Wachstum von symbiotischen Schlüsselkeimen optimal fördert und schädliche proinflammatorische Stimuli (Übergewicht, Stress, Tabakkonsum etc.) konsequent meidet. Gravierende Umstellungen im Lebens- und Ernährungsstil sind jedoch aufgrund der Komplexität humaner psychosozialer Strukturen häufig nur sehr schwer dauerhaft realisierbar. Daher kann es sinnvoll sein, bei fehlenden Schlüsselkeimen, wie beispielsweise LR, diese direkt mit der Nahrung zuzuführen.

Literaturliste

Der Beitrag ist im Prophylaxe Journal erschienen.

Foto Teaserbild: scienceandart – stock.adobe.com

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