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Prophylaxe 12.06.2019

Professionelle Empfehlung häuslicher Mundhygieneartikel

Professionelle Empfehlung häuslicher Mundhygieneartikel

Die professionellen Empfehlungen häuslicher Mundhygieneartikel gehören für uns als Prophylaxeprofis zum dentalen Berufsalltag. Um unsere Patienten bedarfsgerecht, individuell und professionell beraten zu können, ist es wichtig, dass wir uns ständig weiterbilden, informieren sowie die Produkte, welche wir einsetzen, genauestens kennen. Das Wirkungsspektrum, die Inhaltsstoffe, Applikation, Art und Häufigkeit der Anwendung oder eventuelle Kontraindikationen sollten in einer patientenfreundlichen Sprache vermittelt werden. Gerade in der Prophylaxe neigen wir dazu, Fachbegriffe, welche wir über ein hohes Maß an beruflichem Know-how erlernt haben, beispielsweise bei der Motivation und Instruktion, auszusprechen. Mit der Bezeichnung „Gingivitis“ sind unsere fachfremden Patienten zumeist schon überfordert, nutzen Sie daher besser ein verständliches Vokabular, etwa die Umschreibung „entzündetes Zahnfleisch“. Auch die Entstehung einer Karies kann in einfachster Artikulation erläutert werden: „Sehen Sie Herr/Frau … auf dem Zahn haften Beläge an. Diese beinhalten Millionen von Bakterien, welche nach einiger Zeit in der Lage sind, Ihren Zahn anzugreifen. Mineralien werden aus der Zahnoberfläche herausgelöst und ein Loch kann entstehen …“. Für derartige Beratungen zur Entstehung, zum Verlauf, zur effektiven Vorbeugung oder Behandlung dieser dentalen Erkrankungen genügen kurze, verständliche Formulierungen. Diese kann unser Patient schnell filtern, und unsere Basisbotschaft kommt an.

Während der Prophylaxesitzung kann der nötige Input in „kleinen Portionen“, also jeweils eine Fachinformation, verbal gefasst in drei bis maximal fünf Minuten erfolgen. In vorhandenen kurzen Pausen, z. B. nach den einzelnen Arbeitsschritten, lässt sich dies leicht umsetzen und im Praxisalltag einbinden. Ausführliche Beratungsgespräche mit einem ausgedehnten Zeitfenster können zusätzlich in getrennter Sitzung geplant werden, wenn es z. B. um eine Beratung und Kostenaufklärung bei parodontalen, konservierenden, chirurgischen oder prothetischen Maßnahmen geht. Die beste Adhärenz können wir erwarten sofern wir es schaffen, Emotionen zu wecken. Hier stellt sich die Frage „Was nimmt unser Patient wahr?“. Alle externen Einflüsse oder eine bestimmte Handlung unsererseits können ihn sowohl positiv als auch negativ beeinflussen. Er wünscht sich ein freundliches, gepflegtes, aufmerksames Personal, eine Zahnarztpraxis mit Wohlfühlatmosphäre, einen wertschätzenden, verständnisvollen Umgang, eine angenehme dentale Behandlung, einen bestimmten Nutzen für die eigene Gesundheit, schöne, gepflegte, helle Zähne, ein gutes Mundgefühl oder eine professionelle Beratung. Positives Informieren und Motivieren in der Zahnarztpraxis kann meiner Meinung nach nur gelingen, wenn wir es gemeinsam schaffen, Gewohnheiten zu ändern. Hierfür müssen die Patienten unsere Zahnarztpraxis und uns als Fachpersonal regelmäßig und positiv gestimmt aufsuchen.

Wie sprechen wir unsere Empfehlungen aus?

Stellen Sie sich selbst die aufgeführten Fragen und beantworten Sie diese patientenfreundlich zur Sicherung der „Take-Home-Message“:

  • Warum möchte ich meinem Patienten genau dieses Präparat empfehlen? (Nutzen, Besonderheiten)
  • Um welches Präparat handelt es sich? (Zahnpasta, Mundspüllösung, Gel, …)
  • Welchen positiven Nutzen hat die zielführende professionelle oder häusliche Anwendung?
  • Wie sollte unser Patient das Präparat häuslich anwenden? (Art der Applikation, Dosis, Dauer)
  • Was sollte unser Patient über das Produkt wissen? (Wirkung, Inhaltsstoffe, Fließverhalten, Freisetzungsverlauf, Geschmack, Farbe, Kontraindikationen)

Fazit

Beschreiben Sie Ihrem Patienten das Präparat, das Sie verwenden werden, kurz, und formulieren Sie einen greifbaren Nutzen: „Das Hilfsmittel fördert die Gesundheit Ihrer Mundhöhle, minimiert das Zahnfleischbluten/die vorhandene Entzündung.“ Wenden Sie das empfohlene Mundhygieneprodukt in der Mundhöhle an. Nutzen Sie die „Tell–Show–Do“-Methode mit dem Fokus der intraoralen Maßnahmen und tragen Sie das gewählte Präparat auf. Sprechen Sie häusliche Anwendungsmaßnahmen und die dazugehörige Applikationsform aus. Bei Gel-Produkten kann das lokale Auftragen häuslich beispielsweise mit einem Q-Tip oder einer Einbündelbürste erfolgen. Das Auftragen aus der Tube mit direktem Schleimhautkontakt oder ein Eintupfen mit dem Finger empfinde ich aus hygienischer Sicht heutzutage als fragwürdig.

Ich hoffe, es ist mir gelungen, Ihnen mit diesem Beitrag einige wertvolle Anregungen für Ihren Berufsalltag übermittelt zu haben. Nun wünsche ich viel Spaß bei der Umsetzung in der Praxis.

Der Beitrag ist im Prophylaxe Journal erschienen.

Foto: Ulia Koltyrina – stock.adobe.com

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