Anzeige
Praxismanagement 25.02.2019

Häusliche Mundhygiene bei Senioren und Patienten mit Handicap

Häusliche Mundhygiene bei Senioren und Patienten mit Handicap

Tipps aus der Praxis für die Praxis

Senioren besitzen durch langjährige professionelle und häusliche Prophylaxemaßnahmen auch im hohen Alter noch ihre eigenen Zähne. Zahnlos muss heutzutage also nicht mehr sein. Dennoch altert auch das natürliche Gebiss. Dieser „Wandel der Zeit“ ist ein multifaktorielles Geschehen. Auf einige Einflussfaktoren kann positiv eingewirkt werden, auf andere nicht.

Unsere Gesellschaft wird älter, dies stellt das zahnärztliche Team vor neue Hürden und spezielle Herausforderungen. Konzepte zur bedarfsgerechten, individuellen, zielgerichteten, professionellen und häuslichen Mundhygiene sollten daher besser etabliert werden. Auf Methoden, Möglichkeiten, Maßnahmen und den gezielten Einsatz spezieller Mundhygieneartikel möchte ich in diesem Übersichtsartikel gerne näher eingehen. Der Fokus liegt auf der Umsetzung einer möglichst effektiven häuslichen Mundhygiene durch die Information der Patienten selbst sowie der Angehörigen oder des zuständigen Pflegepersonals. Ich möchte Ihnen Tipps und Empfehlungen anbieten, die Sie im Praxisalltag und zur häuslichen Unterstützung anwenden können.

Mehr Zeit für Senioren oder Patienten mit Handicap einplanen

Aufgrund der möglicherweise ausgedehnten anamnestischen Fragen, die aus allgemeiner und spezieller Anamnese sowie Medikamentenanamnese bestehen, sollte im Praxiskonzept hierfür auch genügend Zeit eingeplant sein. Eine gezielte Abfrage bereits vorangegangener Erkrankungen, der aktuellen Situation (allgemein und dental) oder das Auswerten einer Medikamentenliste machen dieses erhöhte Zeitfenster unumgänglich. Ebenso können körperliche und geistige Einschränkungen die praxisinternen Arbeitsabläufe verlangsamen. Auch die individuelle Adhärenz, Aufnahmefähigkeit und Psyche unserer Patienten spielen eine wichtige Rolle. Hier sind Empathie und Sensibilität gefragt. Das Angebot von Hilfestellungen im Alltag, sei es durch die gezielte Empfehlung von praktischen Hilfsmitteln zur Umsetzung der Mundhygiene oder das Anleiten der Bezugspersonen/des Pflegepersonals mittels einer intraoralen Instruktion in der Anwendung zur mechanischen Biofilmkontrolle, können sich positiv auswirken und vermitteln Professionalität.

Abb. 1 © Sabrina Dogan

Häusliche Zahnpflege bei mobilen Patienten

Die Zahnpflege ist aufrecht sitzend durchzuführen, z. B. im Sessel mit einer Spuckschale oder auf einem Stuhl vor dem Waschbecken. Eine Lesebrille oder ein Vergrößerungsspiegel mit Beleuchtungselement kann zu Hilfe genommen werden. Zudem sollten Griffhilfen oder verstärkungen genutzt werden (Abb. 1).Für die Prophylaxe empfiehlt es sich, Spezialzahnbürsten und spezielle Mundpflegeprodukte (z. B. antibakterielle Substanzen; Abb. 2) zu verwenden. Präparate gegen Mundtrockenheit (dentaid xeros®, GUM® HYDRAL™, Biotène®, GC Dry Mouth Gel, Hager & Werken AQUAMED®, OraCoat XyliMelts, Xerodent® Lutschtabletten), Mundspülungen und Sprays sollten ebenfalls unterstützend zum Einsatz kommen. Außerdem können z. B. Xylitol Drops oder Kaugummi (Hager & Werken) angeboten werden (Abb. 2), um die Kariesaktivität zu minimieren. Das „Zahnpflegeritual“ ist mindestens zweimal täglich zu etablieren, und Hilfsmittel zur interdentalen Pflege sind nach Umsetzbarkeit einzubinden (UBrush!, Loser & Co).

Abb. 2 © Sabrina Dogan

Zahnpflege bei nicht mobilen oder pflegebedürftigen Patienten

Es ist sehr wichtig, bei dieser Patientengruppe die mechanische Biofilmkontrolle durch die Anleitung der Angehörigen oder des Pflegepersonals zu gewährleisten. Spuckschale/Nierenschale und Handtücher können zu Hilfe genommen werden. Vorab sollte eine neutrale Lippenpflege appliziert werden. Die Instruktion zur Anwendung der Zahnbürste (nach Möglichkeit intraoral) manuell oder elektrisch muss bedarfsgerecht und nach Umsetzbarkeit gewählt werden. Zudem sind antibakterielle Gels oder Sprays einzusetzen. Auch auf entsprechende Präparate gegen Mundtrockenheit darf bei Bedarf nicht verzichtet werden. Spüllösung sollte dagegen nur bei gesichertem Schluck- bzw. Spülreflex verwendet werden. Zudem sind bei minimierter Mundöffnung Aufbissbehelfe einzusetzen (Abb. 3). Die Zungenreinigung erfolgt je nach Umsetzbarkeit, wobei hierbei auch Mundpflegestäbchen unterstützend genutzt werden können. Das „Zahnpflegeritual“ ist mindestens einmal täglich am Abend, besser zweimal täglich, zu etablieren. Auch für die Interdentalraumpflege müssen die Angehörigen oder das Pflegepersonal instruiert werden.

Abb. 3 © Sabrina Dogan

Praktische Tipps zur Pflege bei herausnehmbarem Zahnersatz

Vor der Behandlung empfiehlt es sich, den Waschplatz des Patienten vorzubereiten. Zumindest aber sind während der Pflege des Zahnersatzes eine Spuckschale und ein Handtuch bereitzuhalten. Teilen sich mehrere Personen mit Zahnersatz denselben Waschplatz, sind die Prothesenboxen zu beschriften, ebenso die Prothese selbst.

Der Zahnersatz ist mindestens zweimal täglich herauszunehmen und zu reinigen. Er kann mithilfe eines Prothesenabziehers entnommen werden. Für die mechanische Reinigung sollten Prothesenbürsten, Zahnpasta oder spezielle Prothesenreinigungspaste verwendet werden. Liegen Entzündungen oder Druckstellen vor, werden hier entsprechend schonende Produkte appliziert, z. B. Kamistad® Gel (STADA), DYNEXAN MUNDGEL® (Kreussler Pharma) oder parodur Gel (lege artis).

Fazit

Nach einer Definition der Weltgesundheitsorganisation (WHO) gilt als „alt“, wer das 65. Lebensjahr vollendet hat. Der stetige Anstieg des Anteils älterer Menschen erfordert in der Zahnarztpraxis ein verstärktes Fachwissen, eine erhöhte Sozialkompetenz und einen professionellen Umgang. Auch angeborene oder erworbene krankheitsbedingte Einschränkungen können die Lebensführung in allen Altersstufen beeinflussen. Wird die Mundpflege durch einen Angehörigen bzw. das Pflegepersonal unterstützend durchgeführt, ist auf einen ordnungsgemäßen Selbstschutz zu achten. Der eigene Impfschutz sollte gegeben sein, und die Grundvoraussetzungen an die Hygiene müssen eingehalten werden. Zusätzlich ist der Einsatz von Einmalhandschuhen und Mundschutz empfehlenswert. Ich hoffe, Ihnen mit diesem Artikel einige wertvolle Tipps vermittelt zu haben und wünsche Ihnen viel Erfolg beim Umsetzen der Impressionen im Praxisalltag.

Der Beitrag ist im Prophylaxe Journal erschienen.

Foto: Ocskay Bence – stock.adobe.com
Mehr News aus Praxismanagement

ePaper

Anzeige