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Prophylaxe 09.06.2017

Politur der Zahnoberflächen – Weshalb, wie und womit?

Politur der Zahnoberflächen – Weshalb, wie und womit?

Die Politur aller Zahnflächen ist ein fester Bestandteil der professionellen Prophylaxebehandlung. Ziel dieser Maßnahme ist es, möglichst saubere, biofilmfreie sowie glatte Zahnoberflächen zu erhalten. Eine Politur der Zähne soll fachgerecht, schnell und einfach in der Mundhöhle des Patienten umsetzbar sein, ohne dabei die Hart- und Weichgewebe zu schädigen. Bei der Umsetzung stehen uns zahlreiche Möglichkeiten, Methoden, Produkte, Ausführungen und Hersteller zur Verfügung, welche im nachfolgenden Beitrag näher vorgestellt werden.

Prophylaxepasten

Grundlegend unterscheiden sich Prophylaxepasten bezüglich ihrer Abrasivität. Hier wird differenziert zwischen grob-, mittel- und feinabrasiv. Als Orientierung kann der RDA-Wert (Radioaktive Dentin Abrasion) Auskunft über den Abrasionsgrad der Paste geben, wobei dieser Wert nicht genormt ist. Alternativ sind All-in-one- oder Two-in-one-Präparate erhältlich, welche sich bei der Anwendung in ihrer Körnung minimieren, also selbstreduzierend sind. Bei diesen Pasten wird kein zweiter oder dritter Politurgang nötig, was sich während der Prophylaxesitzung positiv auf das Zeitmanagement auswirken kann.

Die Prophylaxepasten sind, abhängig vom jeweiligen Hersteller, abgefüllt in Dosen (Pods), Tuben oder in hygienisch verpackten Einzelportionen (Schälchen, Dosiertöpfchen, Single Dose, Cups). Erhältlich sind geschmacks- und farbneutrale Prophylaxepasten ohne Geschmacks- oder Lebensmittelfarbstoffe, ebenso auch Pasten mit Farbstoffen und Aromen (z. B. grüne Prophylaxepaste mit Apfelgeschmack, Fruchtaromen wie Melonen-, Zitrus-, Orangen-, Grapefruit-, Kirsch- oder Berrygeschmack, aber auch Geschmacksvariationen wie Vanilla, Cinnamon, Chocolate, Cake, Gum oder Spearmint). Es gibt fluoridfreie und fluoridhaltige Politurpasten, ebenso Pasten, die vegan, ohne Menthol (also homöopathieverträglich) oder für Allergiker geeignet sind. Zusätzlich werden Pasten mit speziellen Inhaltsstoffen und Wirkstoffen wie z. B. HAP (Hydroxylapatit), Kalziumkarbonat, Xylitol, Baking Soda oder Pro-Argin-Technologie angeboten. Auch die Konsistenz der Prophylaxepaste kann variieren – von cremig (häufig in Tuben verpackt) bis fest und „krümelig“ (eher Einzeldosen).

Abb. 1: Prophylaxepasten im Überblick. Für Allergiker geeignet: Lunos® neutral, DÜRR DENTAL; Cleanic® light, Kerr Hawe. Vegane Pasten: ProfiGuard, Becht.

Anwendung und Arbeitsplatzvorbereitung

Die allgemeine Anamnese des Patienten ist zu beachten. Zu erfragen sind Allergien, Überempfindlichkeiten und Unverträglichkeiten gegen Lebensmittelfarbstoffe, Aromen, Konservierungsstoffe, Lactose oder Gluten, bei Bedarf sollte alternativ eine Paste gewählt werden, die für Allergiker geeignet ist.

Abgesehen vom individuellen Geschmack sind spezielle Ausführungen vorhanden, beispielsweise fluorid-, lactose-, gluten- und phthalatfreie Prophylaxepasten. Auch vegane Politurpasten werden vonseiten unserer Patienten derzeit häufiger gewünscht.

Zusätzlich sollte die Situation in der Mundhöhle in der bedarfsgerechten Auswahl der Paste berücksichtigt werden. Neutrale Präparate ohne Minzöl können Anwendung finden, sofern der Patient eine homöopathieverträgliche Prophylaxebehandlung wünscht.

Politurmedien

Bezogen auf die Politurmechanismen unterscheiden wir im Bereich der dentalen Prophylaxe zwischen Prophylaxebürstchen, Prophylaxekelch und Politurmedien, die zur Interdentalraumpolitur eingesetzt werden. Prophylaxebürstchen sind in verschiedenen Härtegraden des Borstenfelds erhältlich – supersoft/extrasoft, soft, medium und hart. Abhängig vom Hersteller werden Kunststoffborsten (z. B. aus Nylon) und Naturhaarborsten (natural bristels, z. B. aus Rosshaar) angeboten. Es sind verschiedene Ausführungen (bezogen auf die Form, Farbe der Borsten und das intraorale Einsatzgebiet) erhältlich. Zusätzlich sind Produktinnovationen mit speziellen Borstenfilamenten (z. B. Stein Devil Filament) oder einer Beschichtung der einzelnen Borsten mit Kalziumkarbonat (z. B. Whitening Filament) verfügbar. Der Schaft der Prophylaxebürste kann sowohl aus Metall als auch aus Kunststoff sein.

Prophylaxekelche gibt es ebenso in diversen Stärken (supersoft, soft, medium, regular), Farben und Ausführungen (z. B. rosa mit angenehmem Erdbeerduft). Es werden latexhaltige und latexfreie Kelche angeboten sowie Kelche mit einem Metall- oder Kunststoffschaft, mit kleinem und größerem Radius, mit Spritzschutz, mit Abstandhalter (sichert den Abstand zu Zahn und Weichgewebe) und auch Kelche mit 0, 4, 6 oder 8 integrierten Lamellen oder einem zusätzlich integrierten Borstenfeld. Speziell für Allergiker existieren Prophylaxekelche, welche ohne eine zusätzliche Prophylaxepaste Anwendung finden (z. B. Pastless Prophy). Prophylaxebürstchen und Prophylaxekelche gibt es montiert, als Screw-in (zum Aufschrauben) oder als Pop-on/Snap-on (zum Aufstecken). Auch die Schaftlänge der Prophylaxemedien ist variabel, es sind kürzere und längere Ausführungen im Angebot.

Zu den Prophylaxemedien für die professionelle Interdentalraumpolitur zählen Finishing Strips in diversen Stärken, Körnungen und Ausführungen, Interdentalraumbürstchen, die im Winkelstück angewendet werden, maschinelle und manuelle zum Einsatz kommende EVA-Systeme sowie Gummipolierer, welche spitz zulaufen.

Abb. 2: Politurmedien im Überblick. Prophylaxebürstchen, Kelche und Medien zur Interdentalraumpolitur (CPS roto, Curaden; PDH Profin manuelles Handstück, Loser).

Einsatz von Prophylaxemedien

Auch beim Einsatz der Prophylaxemedien muss zunächst die allgemeine Anamnese des Patienten beachtet werden. Bei einer bestätigten Latexallergie ist die Anwendung von latexfreien Prophylaxekelchen zu empfehlen. Bei einer Allergie gegen Metall (z. B. Nickel) ist die Anwendung von metallfreien Prophylaxemedien mit Kunststoffschaft ratsam. Bei Allergien gegen Duftstoffe sollten Prophylaxekelche mit z. B. Erdbeeraroma gemieden werden.

Auf die Wünsche der Patienten kann zusätzlich und professionell über eine Materialabsprache eingegangen werden, wenn z. B. ausschließlich Naturmaterialien erwünscht sind.

Zur professionellen Politur der Zahnoberflächen stehen dem Prophylaxepersonal eine Vielzahl an verschiedenen Prophylaxemedien zur Verfügung. Dank der derzeitigen Produktvielfalt sind im professionellen Bereich viele tolle Artikel vorhanden. Die bedarfsgerechte Auswahl der Prophylaxebürstchen, -kelche und der dazugehörigen -pasten im Sinne Ihrer Patienten obliegt Ihnen.

Dieser Fachbeitrag ist erstmalig im Prophylaxe Journal 3/17 erschienen.

Foto: Autor
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