Anzeige
Prophylaxe 15.09.2016

Geriatrische Patienten – 
Von der Diagnostik 
zur Therapie

Geriatrische Patienten – 
Von der Diagnostik 
zur Therapie

Vor allem Ernährung, Bewegung und gegebenenfalls gezieltes Training spielen im höheren Alter eine sehr große Rolle. Bei der zahnmedizinischen Therapieplanung sollte dies berücksichtigt werden, denn nur so kann diese langfristig erfolgreich sein.

Nach einer Akuttherapie im Krankenhaus erfolgt im Rahmen des vorhan
denen abgestuften geriatrischen Versorgungsnetzes die Weiterbehandlung der Patienten in einer Geriatrischen 
Tagesklinik, wenn die Betroffenen 
die Voraussetzungen dafür mitbringen 
(stat. Behandlungsbedürftigkeit, ausreichende physische und psychische Belastbarkeit, Transportzeit nicht über 45 Minuten, Minimum Rollstuhlfähigkeit). 

Vitaminmängel erkennen 
und gegenwirken

Im Rahmen der Akuttherapie wird beispielsweise häufig ein Vitamin B12-Mangel festgestellt (circa 30 Prozent, 
Geriatrische Abteilung und Tagesklinik, HELIOS Klinik Lutherstadt Eisleben 2015). Es ist auch sehr bedeut
sam, bei Vitamin B12-Spiegeln unter 400 pmol/l den aktiven Metaboliten, 
das Holotranscobalamin, zu bestimmen. Nur das Holo-TC kann als 
aktive Form von allen Zellen über 
entsprechende Rezeptoren aufgenom
men werden.

Diese Mangelsituation sollte adäquat 
diagnostiziert und eine Substitutionstherapie entsprechend vorgenommen werden. Häufig weisen diese Patienten eine Gangunsicherheit und Sturzgefährdung auf, nicht selten sogar 
eine megaloblastäre Anämie.

Ein Vitamin D-Defizit sollte unter 
anderem ebenfalls abgeklärt werden, denn dieses begünstigt ebenfalls 
Sturzereignisse. Der Ausgleich eines 
Vitamin D-Mangels (Serum 25-Hydroxy-Vitamin D3 < 20 ng/ml) führt zu einer Verminderung der Sturzrate 
und zu einer Senkung von proximalen Femurfrakturen, dies ist wissenschaftlich belegt. Eine 25-Hydroxy-Vitamin D3-Serum-Konzentration < 10 ng/ml ist mit einem erhöhten Ri
siko unter anderem auch 
für proximale Femurfrakturen verbunden (relatives Risiko ca. zweifach erhöht). Weiterhin ist auch eine Kalziumzufuhr von weniger als 500 mg täglich mit einer höheren Frakturrate assoziiert. 

Andere Problemkonstellationen kommen hinzu. Grundsätzlich sollte man sich regelmäßig im Freien aufhalten (> 30 Minuten pro Tag), um die Bildung des aktiven Vitamin D zu gewährleisten – bei Kalzium- und Vitamin D-defizienten Patienten in Alten- und Pflegeheimen führt eine Supplementierung von 800 Ein
heiten Vitamin D3 zu einer Senkung nicht vertebraler Faktoren sowie von proximalen Femurfrakturen. Empfehlenswert ist eine regelmäßige körperliche Aktivität mit der Zielsetzung, Muskelkraft und Koordination zu fördern. Über 70-Jährige sollten keinen BMI 
unter 22 aufweisen, da dies lt. euro
päischen Leitlinien bereits den Beginn einer Energiemangelernährung 
anzeigt. Auch ein Krafttraining ist 
für ältere Menschen ratsam. Sie be
nötigen aber im Vergleich zu jungen 
Menschen eine höhere Eiweißzufuhr, 
um einen Muskelaufbau bei entspre
chenden Training erzielen zu können (EW > 1,2 g/kg Körpergewicht). Sturzgefährdende Medikamente wie Antiepileptika, Antidepressiva (vor allem trizyklische Antidepressiva), sedierende bzw. orthostaseauslösende Medikamente sind hinsichtlich der 
Indikationsstellung immer kritisch zu hinterfragen – es gilt in der Altersmedizin, eine Multimedikation zu vermeiden. Auch Zahnärzte sollten bei 
Patienten mit zahlreichen Medikamenten immer auch an eine fachgeriatrische Vorstellung denken und diese ggf. über den Hausarzt ein
fordern. Es sollte bundesweit der Facharzt für Innere Medizin und 
Geriatrie eingeführt werden (bisher nur in drei Bundesländern realisiert). 

Körperliche Aktivierung 

Im Rahmen der adäquaten Weiterbehandlung wird bei fortbestehend 
unsicherem Gangbild (Sturzgefährdung – Objektivierung mittels Geriatrischem Assessment – z.B. Tinetti-Test) häufig auch ein ambulanter Rehabilitationssport vom Team einer Geriatrischen Abteilung (Geriatrisches Team) oder der Hausarztpraxis empfohlen 
und idealerweise am Geriatriestandort auch angeboten. Im Gegensatz zur 
Tagesklinikgenehmigung (eine Geriatrische Tagesklinik sollte im Rahmen eines Geriatrischen Versorgungsverbundes ebenfalls vor Ort vorhanden 
sein – abgestuftes Geriatrisches Versorgungsnetz), welche sich nicht selten problematisch gestaltet, erhält der Antragssteller überwiegend positive Rückmeldungen bei Beantragung des ambulanten Rehabilitationssportes. Inzwischen gibt es aber Kostenträger, 
die einer Tagesklinikgenehmigung sehr positiv gegenüberstehen, was im Sinne unserer vulnerablen pflegefallgefährdeten geriatrischen Patienten sehr zu begrüßen ist.

Behinderten- und Rehabilitationssport ist die sportliche Betätigung von Menschen mit Behinderung und chronischen Erkrankungen als Mittel der ganzheitlichen Rehabilitation und Sozialisation. Inhalte des organisierten Behindertensports bilden behinderungsspezifische Formen von Sport, Spiel 
und Bewegungserziehung in entsprechenden Gruppen und geeigneten Übungsstätten. Der Behindertensport ist wegen der verschiedenen Krankheitsbilder differenziert zu betrachten, es ist eine sportpädagogische und 
ärztliche Betreuung erforderlich.

Zu den Zielen gehören, den betrof
fenen Menschen die Möglichkeit ei
ner lebensbegleitenden Teilnahme am Sport zu ermöglichen, ihre Fähigkeiten und Interessen im Sport zu 
verwirklichen; durch Prävention eine Behinderung abzuwenden und So
zialprozesse anzubahnen und zu fördern.

Regelmäßige Teilnahme soll die verbliebene Leistungsfähigkeit erhalten und fördern, Folgeschäden vorbeugen und Hilfebedürftigkeit vermeiden, die Selbstständigkeit und Handlungsfähigkeit stärken, die Lebensqualität  bessern sowie dazu beitragen, die Alltagskompetenz aufrecht zu erhalten.

Ziel: Alltagskompetenz und Teilhabe – Verbesserung der Lebensqualität

Der BSSA (Behinderten- und Rehabilitations-Sportverband Sachsen-Anhalt e.V.) mit seinen Mitgliedsvereinen ist 
aufgrund seiner Fachkompetenz alleiniger Anbieter von Rehabilitationssport innerhalb des Landessportbundes Sachsen-Anhalt.

Gesetzliche Grundlage dafür sind das SGB IX sowie die Rahmenvereinbarung zur Durchführung des Rehabilitationssportes in der Fassung vom 
1. Januar 2011. Die Verordnung von 
Rehabilitationssport belastet nicht das Budget der verordnenden Ärzte!

Ärztlich verordneter Rehabilitationssport wird ausschließlich von aner
kannten ambulanten Rehabilitationssportgruppen durchgeführt.

Die Zertifizierung der Rehabilitationssportgruppen erfolgt durch den Behinderten- und Rehabilitations-Sportverband Sachsen-Anhalt (BSSA) und ist Voraussetzung für die Abrechnung mit den Kostenträgern der gesetzlichen Kranken-, Unfall- und Rentenversicherung.

Ablauf im Überblick: 

  1. Verordnung des Rehabilitationssports durch den behandelnden Arzt – Formular 56 (Antrag auf Kostenübernahme)
  2. Genehmigung durch den Kostenträger 
  3. Beratungsgespräch durch den Verein 
  4. Durchführung des Rehasports im Sportverein 
  5. Abrechnung durch den Sportverein mit dem jeweiligen Kostenträger

Rehabilitationssport 
für geriatrische Patienten

Der Mansfelder Sportverein e.V. Eisleben bietet seit vielen Jahren Rehabili
tationssport an. Neben Herzsport und Gruppen mit Erkrankungen des Bewegungs- und Stützapparates gibt es eine Gruppe für geriatrische Patienten, die sich in den Räumlichkeiten der Physiotherapie der HELIOS Klinik Lutherstadt Eisleben trifft. Die Fachübungs
leiterin ist die Ergo- und Bobath-Therapeutin der Geriatrischen Abteilung der Klinik. Der verantwortliche Arzt ist der CA der Geriatrischen Abteilung (mit 
angeschlossener Tagesklinik) – perspektivisch soll eine Geriatrische Institutsambulanz als weiterer Baustein 
hinsichtlich eines abgestuften geriatrischen Versorgungsnetzes hinzukommen. Das Angebot richtet sich hauptsächlich an ältere geriatrische Menschen nach einem Schlaganfall bzw. Zustand nach Schädigungen 
am zentralen und peripheren Nervensystem (wie diabetische Polyneuropathie) und anderen neurologischen Störungen, die unter anderem die 
Mobilität einschränken und mit einer Sturzgefährdung einhergehen. Gerade alltägliche körperliche Funktionen wie Gehen, Aufstehen, Hinsetzen, Hantieren sind Schlüsselqualifikationen des Alltages im höheren Lebensalter. Mangelnde Kraft und Unsicherheiten er
höhten das Risiko, zu stürzen oder 
weitere funktionelle Leistungen zu verlieren. Durch angepasstes regelmäßiges sensomotorisches Training können körperliche Funktionen besonders gut verbessert bzw. auch erhalten bleiben, um so Stürze zu vermeiden bzw. die Sturzgefahr zu mindern. 

Die körperliche Aktivierung, aber auch die Zuwendung zur sozialen Umwelt, hat eine zentrale Bedeutung in der 
Rehabilitation von Behinderten und 
älteren Personen. Sie trauen sich 
wieder etwas zu, fühlen sich kompetenter, integriert und somit auch wohler. Das wirkt sich positiv auf 
eine erhöhte Leistungsbereitschaft und -fähigkeit sowie die Lebensqualität aus. Auch Zahnärzte könnten (sollten) im Rahmen eines Geriatrischen Versorgungsverbundes auf diese Möglichkeiten im Sinne ihrer Patienten hinwirken.

Die ausführliche Literaturliste können Sie sich hier herunterladen. 

Foto: © wavebreakmedia – shutterstock.com
Mehr
Mehr Fachartikel aus Prophylaxe

ePaper

Anzeige