Zahntechnik 26.06.2026

Präzision, Stabilität und ein fester Biss: All-on-6 in sieben Tagen



Wenn chirurgische Planung, digitale Zahntechnik und ein klar strukturierter Laborprozess perfekt ineinandergreifen, entsteht eine Versorgung, die nicht nur schnell, sondern auch dauerhaft überzeugt. Dieser Fall zeigt, wie eine 74-jährige Patientin innerhalb von nur sieben Tagen von einer wackelnden Totalprothese zu einer definitiven, stegunterstützten Zirkonbrücke gelangt und warum moderne Zahntechnik dabei der Schlüssel zum Erfolg ist.

Präzision, Stabilität und ein fester Biss: All-on-6 in sieben Tagen

Foto: ZTM Jan-Dominic Viergutz

Aufnahmebefund

Die 74-jährige Patientin stellte sich in der Klinik am Schloss MVZ GmbH in Sigmaringen vor. Ihre seit Jahren getragene Totalprothese im Unterkiefer war instabil, führte zu Unsicherheiten beim Essen und Sprechen und wurde als ästhetisch unbefriedigend empfunden. Der Wunsch nach einer festen, sofort belastbaren Versorgung war deutlich formuliert. Zusätzlich äußerte die Patientin den Wunsch, den chirurgischen Eingriff nicht bewusst mitzuerleben, weshalb eine Implantation in Analgosedierung geplant wurde. Ein Anästhesist war während des gesamten Eingriffs anwesend.

Für die präzise Planung wurde die vorhandene Totalprothese dupliziert. Dieses Duplikat diente als Grundlage für die Herstellung einer DVT-Schablone, die später für die navigierte Implantatplanung essenziell war. Im nächsten Termin wurde ein DVT mit eingesetzter Schablone erstellt. Die Implantatplanung erfolgte mit Nobel Biocare Replace Implantaten: Regio 46 und 36 (Durchmesser 5,0 mm, Länge 10 mm), Regio 44 und 34 (Durchmesser 5,0 mm, Länge 11,5 mm) sowie Regio 42 und 32 (Durchmesser 4,3 mm, Länge 13 mm). Die Bohrschablone wurde in DTX Studio konstruiert und von Nobel Biocare gefertigt.

Therapieplanung

Ziel war eine definitive Versorgung innerhalb von sieben Tagen. Voraussetzung dafür waren primärstabile Implantate, ein digitaler Workflow ohne Zeitverlust und eine Konstruktion, die durch Verblockung sofortige Stabilität gewährleistet. Die Entscheidung fiel auf eine stegunterstützte, monolithische Zirkonbrücke. Monolithisches Zirkon verhindert Chipping, ermöglicht eine schnelle Fertigung und reduziert die Verblendung auf den Gingivabereich. Der Steg aus einer Kobalt- Chrom-Legierung sorgt für zusätzliche Stabilität.Die duplizierte Prothese spielte eine zentrale Rolle in der Bissbestimmung, da unter Analgosedierung eine zuverlässige Bissregistrierung intraoral nur eingeschränkt möglich ist. Durch das Matching der DVT-Schablone mit den digitalen Modellen konnte die Bisslage sicher reproduziert werden.

Bild von einem Quotenzeichen
Die Kombination aus primärstabilen Implantaten, digitalem Workflow, stegunterstützter Konstruktion und monolithischem Zirkon ermöglichte eine präzise, langlebige und schnelle Versorgung innerhalb von sieben Tagen.

Realisierung

Am Operationstag erfolgte die Analgosedierung, anschließend wurde das Bohrprotokoll gemäß Planung umgesetzt. Alle sechs Implantate konnten primärstabil inseriert werden. Direkt danach wurden Scanbodys aufgeschraubt und deren Sitz mittels kleiner Röntgenaufnahme kontrolliert. Die Abformung erfolgte digital mit dem iTero Scanner. Die Bissregistrierung wurde später mithilfe der duplizierten Prothese und der DVT-Schablone präzisiert.

Im Labor wurden die Scandaten optimiert und in Zirkonzahn Modifier digitale Modelle erstellt. Diese wurden zum 3D-Druck an das Fräszentrum übermittelt. Parallel wurde die DVT-Schablone eingescannt und mit den Modellen gematcht, um die Bisslage exakt zu bestimmen.

Bereits drei Tage nach der Implantation konnte die erste Einprobe stattfinden. Hierfür wurde eine röntgenopake EXMON Kunststoffrestauration (Zirkonzahn) in der 5-Achs-Fräsmaschine M5 (Zirkonzahn) gefertigt. Diese Einprobe diente der Überprüfung von Implantatpassung, Bisslage, Zahnform und Ausdehnung der geplanten definitiven Versorgung. Nach dem Entfernen der Gingivaformer wurde die Einprobe aufgeschraubt, okklusal kontrolliert und ein Zentrikregistrat erstellt. Eine Röntgenaufnahme bestätigte die korrekte Passung.

Nach erfolgreicher Einprobe wurden die Modelle neu einartikuliert. Anschließend begann die Herstellung des definitiven Zahnersatzes. Zunächst wurde ein Kobalt-Chrom-Steg konstruiert und gefräst. Die Verbinder wurden verschliffen und der Steg erneut digitalisiert. Darauf basierend wurde die monolithische Zirkonbrücke gestaltet, gefräst, aufbereitet und gesintert. Es folgten Okklusionskorrekturen, Oberflächenbearbeitung und das Strahlen zur Vorbereitung der Gingivaverblendung.

Die Gingivaanteile wurden mit Initial Zr (GC Europe) aufgebaut. Der Brandablauf erfolgte in mehreren Schritten: Framebrand, zwei Dentinbrände und ein Glanzbrand. Abschließend wurden die Zähne mit Zirkonzahn Glaze Base glasiert und final gebrannt. Steg und Zirkonbrücke wurden abgestrahlt und für die Verklebung vorbereitet. Die definitive Verbindung erfolgte mit Multilink Abutment (Ivoclar).

Nach der Endreinigung und Kontrolle konnte die Patientin zur Eingliederung kommen. Die steg- unterstützte, monolithische Zirkonbrücke zeigte eine hervorragende Passung und wurde spannungsfrei eingesetzt.

Fazit

Die Patientin verließ die Praxis mit festen Zähnen, sicherem Biss und deutlich gesteigertem Komfort. Die Kombination aus primärstabilen Implantaten, digitalem Workflow, stegunterstützter Konstruktion und monolithischem Zirkon ermöglichte eine präzise, langlebige und schnelle Versorgung innerhalb von sieben Tagen. Die Verblockung über den Steg sorgt für zusätzliche Stabilität. Durch die CAD/CAM-Fertigung und die mehrfachen Kontrollschritte konnten Passungenauigkeiten nahezu ausgeschlossen werden. Die monolithische Ausführung verhindert Chipping, während die reduzierte Verblendung eine zügige Fertigstellung ermöglicht. Das Ergebnis ist eine hochwertige, sichere und ästhetische Versorgung, die zeigt, wie moderne Zahntechnik Geschwindigkeit und Präzision vereint.

ZT Zahntechnik Zeitung 06/26

ZT Zahntechnik Zeitung


Dieser Beitrag ist in der ZT Zahntechnik Zeitung erschienen.

Die ZT Zahntechnik Zeitung ist das einzige unabhängige Zeitungsformat für Zahntechniker mit den Schwerpunkten Berufspolitik und Laborführung. Die branchenerfahrene Redaktion der ZT Zahntechnik Zeitung dokumentiert und interpretiert in den Bereichen Politik, Wirtschaft, Technik und Service die Entwicklung des Dentalmarkts und gibt den Zahntechnikern wichtige Impulse für den Laboralltag, insbesondere für die strategische Positionierung im Wettbewerbsumfeld.

 

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