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Branchenmeldungen 09.01.2020

450 Teilnehmer beim 23. Prothetik Symposium von Merz Dental

450 Teilnehmer beim 23. Prothetik Symposium von Merz Dental

Machen, aber richtig!

Erkenntnisreich, inspirierend und abwechslungsreich, gestaltete sich das 23. Prothetik Symposium von Merz Dental und dem Quintessenz Verlag. Ein Symposium mit Premiere: erstmalig wurden drei Workshops in das Programm aufgenommen, in denen sich die Teilnehmer noch intensiver mit den aktuellen Themen in der digitalen dentalen Welt, Intraoralscan, 3D-Druck und Kiefergelenksvermessung, auseinandersetzen konnten.

Die Begrüßung der 450 Teilnehmer in Berlin übernahmen Friedhelm Klingenburg (Merz Dental, Geschäftsführer) und Anita Hattenbach (Quintessenz Verlag, Leitung Lektorat). „Der Markt ist immer in Bewegung. Jetzt gilt es, mit der Digitalisierung die Weichen für die Zukunft zu stellen“, rief Friedhelm Klingenburg zum „Machen“ auf. Anita Hattenbach unterstrich dies: „Aus Zahntechnikersicht ist es eine extrem spannende Zeit auf dem Weg von analog zu digital.“

Das Moderatorenduo Prof. Dr. Jan-Frederik Güth (Universität München) und ZTM Hans-Jürgen Stecher (Leiter Meisterschule München) nahm diesen roten Faden auf und führte durch ein umfassendes Vortragsprogramm von 10 Referenten aus Universitäten, Dentallaboren, Zahnarztpraxen und der Industrie. Es ging um verschiedene Aspekte und Betrachtungsmöglichkeiten zum „Richtig machen“ und die persönliche Suche nach dem individuellen „Richtig“.

Digitalisierung – Hype oder echter Benefit?

Mit einer kritischen Betrachtung der Einsatzgebiete der digitalen Abformung startete Dr. Samir Abou-Ayash (Universität Bern), „denn es gibt noch keine aussagekräftigen Fünf-Jahres in-vivo-Studien.“ Dr. Abou-Ayash betrachtete die Indikationsbereiche der digitalen Abdrucknahme unter den Aspekten der Vorhersagbarkeit, Ästhetik, Funktion, Ökonomie und Patientensicht. Er kam zu dem Schluss, dass „digital“ kein Qualitätsmerkmal darstellt, sondern vielmehr ein möglicher Weg zum Ziel eines ästhetischen und funktionellen Zahnersatzes ist.

Seine Empfehlung lautet: Die digitale Abformung ist gut realisierbar bei Einzelzahn-Restaurationen, kurzspannigen Brücken und Schienen (KFO/Chirurgie). Obwohl die fortlaufende Weiterentwicklung der Intraoralscanner zu immer genaueren Scanergebnissen führt, lassen sich Indikationen wie großspannige Brücken aktuell noch nicht zufriedenstellend abdecken. Die digitale Reise geht zur voll digitalen Fertigung von partiellem Zahnersatz – auch mit additiven Fertigungstechnologien. Seine Take-Home-Message: „Wenn Sie Spaß daran haben, digital zu arbeiten, machen Sie es!“

Erst reden – dann machen

Patientenfotos, Situmodelle und Patientenporträts gehören für ZTM Ilka Johannemann (Münster) und Zahnärztin Dr. Ursula Jasper (Rheine) zu den Basics der Planungsphase. Die Kommunikation und Leidenschaft für hochwertigen Zahnersatz steht bei ihrer Arbeit immer im Mittelpunkt. Für Ilka Johannemann ist ganz klar: „Ohne Gespräch und Patientenunterlagen wird keine Arbeit gestartet“. Und Dr. Ursula Jasper ergänzte das Kommunikationskonzept: „Wir definieren ein klares Ziel und der Patient erhält eine hohe Planungssicherheit durch Wax-up und Mock-up. Diese dienen mir auch als Präparationshilfe“. Dafür schafft sie die Voraussetzung mit hochwertigen Abdrücken als auch Bissnahmen und nutzt einen Gesichtsbogen. Das Ergebnis zeigten die Referentinnen anhand von Patientenfällen, die „trotz einstündiger geographischer Entfernung“ eindrucksvoll gelöst wurden. Ihr Fazit: „Je besser die Kommunikation, desto besser auch das Endergebnis.“

Ethik in der Zahntechnik

„Gemäß der neuen zahnärztlichen Approbationsordnung wird der Anteil der Kurse bei der studentischen Ausbildung im Bereich Zahntechnik abnehmen“, beanstandete Prof. Dr. mult. Dominik Groß (Leiter der Ethikkommission der Universität Aachen). Das sei ethisch verheerend, schließlich führe es zu einem fehlenden Verständnis der Zahnmediziner für die Komplexität der Zahntechnik und einem schwindenden Respekt vor der zahntechnischen Leistung. Auch der zunehmende Anteil von Praxislaboren berge Probleme in sich. „Gewerbesteuer geht verloren, der Wettbewerb wird verzerrt und die Bereitschaft gewerblicher Labore, junge Menschen zum Zahntechniker auszubilden, schwindet.“ Auch konkurrierende Angebote aus dem Ausland führen zu Umsatzrückgängen und somit zu einer reduzierten Anzahl von Laboren in Deutschland. Letztlich sei noch die Digitalisierung zu nennen, die das Berufsbild des Zahntechnikers massiv verändert. „Als Zahntechniker sind Sie jetzt gefragt, klare Kante zu beziehen und sich zu positionieren“, appellierte Professor Groß eindringlich an die Teilnehmer.

3D unter Druck

Von den Eigenschaften des 3D-Drucks über die Verfahren bis hin zu den aktuell möglichen Indikationen – ZTM Ralph Riquier (Remchingen) gab einen umfassenden Einblick, wann, womit und wozu 3D-Druck bereits sinnvoll ist. Zu den Vorteilen gehören eindeutig die Herstellung mehrerer Werkstücke zur gleichen Zeit, geringe Werkzeugkosten und minimaler Materialverlust. Demgegenüber stehen eine eingeschränkte Materialauswahl, das erforderliche Nachpolymerisieren und auftretende interne Spannungen in den Bauteilen, die zu Verzügen und Schrumpfungen führen können. Laut Ralph Riquier gebe es aktuell noch einen eingeschränkten Indikationsbereich, der sich auf der einen Seite auf Produkte ohne MPG-Zulassung wie Druckmaterialien für die Guss- und Modelltechnik und auf der anderen Seite für Medizinprodukte der Klasse 1 wie Abformlöffel, Bohrschablonen, Provisorien und Schienen mit einer Tragezeit bis zu 30 Tagen beschränke. „Bei der Materialentwicklung ist noch viel Potential, gerade bei dem 3D-Druck von definitivem Zahnersatz, vorhanden“, betonte der Zahntechnikermeister. Um die stark prozessabhängige 3D-Drucktechnologie im Labor gut integrieren zu können, stellte er seine Idee einer alternativen Laborstruktur mit indikationsbezogenen Softwarearbeitsplätzen vor. Übergeordnete Funktionen im Labor sind ein CAD-Supervisor sowie ein CAM-Supervisor. Der CAD-Supervisor ist Ansprechpartner für Software und Netzwerke. Er implementiert neue Softwaremodule und ist Projektleiter für Zukunftstechnologien. Der CAM-Supervisor bestückt die Maschinen, ist für das Austrennen, die Maschinenpflege und das Rohlingsmanagement zuständig. Ein spannender Ansatz des CAD/CAM-Experten, der im Publikum für reichlich Gesprächsstoff sorgte.

Zirkonoxid – ein Alleskönner?

„Werkstoffkunde light“ - PD Dr. Anja Liebermann M.Sc. (Universität München) präsentierte werkstoffkundliche Grundlagen der 1. – 4. Generation von Zirkonoxid von 3Y-TZP – 5Y-TZP. „Die meiste Transluzenz und somit höchste Ästhetik weist das 5Y-TZP auf“, so Dr. Liebermann „und bietet damit den breitesten Indikationsbereich: Einzelzahn-Kronen, Frontzahn-Brücken und 3-gliedrige Brücken (je nach Hersteller)“. Fast 40.000 Restaurationen wurden in einer eigenen klinischen Studie an der Universität München von 2010 – 2015 auf die Frakturanfälligkeit von Zirkonoxid untersucht. Das Ergebnis: Die 5-Jahres-Frakturrate bei monolithischen Kronen betrug 0,7 % und bei monolithischen Brücken 2,6 %. Zuversichtlich erklärte Dr. Anja Liebermann, dass diese Zahlen für die Aussage sprechen, dass Zirkonoxid durchaus ein Alleskönner sei. Entscheidend für zuverlässige und sichere Restaurationen sei jedoch die adäquate Befestigung. Daher sollten alle Zirkonoxid-Generationen mit <1 bar abgestrahlt und mit einem phosphorsäure-haltigen Adhäsivsystem befestigt werden. Eine sehr erfolgsversprechende Take-Home-Message für den Praxisalltag.

Okklusionskonzepte für festsitzenden und herausnehmbaren Zahnersatz

„Back to Basics“- mit ZTM Jochen Peters (Kleinmeinsdorf) und ZT Henry Theiling (Merz Dental GmbH) standen zwei Okklusionsexperten auf der Bühne und zeigten wie funktionell ästhetischer Zahnersatz in den Disziplinen festsitzend und herausnehmbar aussehen kann. „Mit flachen Kauflächen kann man nicht kauen!“ rief Jochen Peters die Zahntechniker im Publikum auf, das richtige Okklusionskonzept anzuwenden. Er erklärte, dass ein Zahnarzt bis zu eine ¾ Stunde am Tag mit Einschleifen verliert. „Das bedeutet ein Jahr Schleifen in 25 Jahren Praxistätigkeit. Da ist es doch unsere Aufgabe im Labor, die Schleifzeiten mit einem stimmigen Okklusionskonzept und korrekt hergestelltem Zahnersatz zu reduzieren“, appellierte er an seine Kollegen. Zu erreichen sei dies durch Wissen, wie beispielsweise okklusale Kontakte bei unterschiedlichen Angle-Klassen im festsitzenden Bereich festzulegen sind. Tendenziell werden seiner Meinung nach zu viele Kontaktpunkte gesetzt, „diese benötigen wir gar nicht, da sich die Zähne gegenseitig stützen“. Im Gegensatz dazu muss laut Henry Theiling ein Konfektionszahn für den herausnehmbaren Zahnersatz so gestaltet sein, dass er „autonom“ für sich alleine stehen kann. So sind die Kontakte, im Gegensatz zu festsitzenden Rekonstitutionen, im Seitenzahnbereich bei allen Patienten gleich. „Lediglich die Stellung der Frontzähne berücksichtigt die Angle-Klassen beim herausnehmbaren Bereich entscheidend, hier sollte möglichst die ursprüngliche natürliche Stellung angestrebt werden. Nicht nur aus Gründen der Ästhetik, sondern auch wegen der Phonetik“, erklärte Henry Theiling. Entscheidend sind die Planung des Zahnersatzes sowie das angewandte Konzept für die jeweiligen Konfektionszähne. Schließlich muss der Zahnersatz immer zum Patienten passen. Darum betonte er mit Nachdruck: „ohne eine korrekt bestimmte Okklusionsebene unter Berücksichtigung der vertikalen Dimension, wird kein herausnehmbarer Zahnersatz richtig funktionieren“. Einig sind sich die Beiden, dass es egal ist, ob die Herstellung analog oder digital, fest oder herausnehmbar erfolge, nur Wissen und die korrekte Umsetzung schaffen den Erfolg.

Studie zum Baltic Denture System

Zahnarzt Simon Peroz (Charité Berlin) stellte erste Ergebnisse einer von Merz Dental initiierten Doppelblindstudie vor. Für 15 zahnlose Probanden wurden Prothesen sowohl analog auf konventionelle Weise, als auch digital mit dem Baltic Denture System hergestellt. Beurteilt wurden die Prothesen nach dem OHIP (Oral Health Impact Profile) sowie der individuellen Patientenzufriedenheit. Erstes Fazit: Sowohl die digital als auch die analog hergestellten Prothesen wiesen eine nicht ganz befriedigende Okklusion auf und die digitalen Prothesen zeigten zu Beginn einen verminderten Halt, hervorgerufen durch Überextensierungen der Prothesenbasen. Durch geringfügige Nachbearbeitung konnten dennoch alle Prothesen eingegliedert werden. Bei der Patientenzufriedenheit gab es keine signifikanten Unterschiede. Sehr positiv wurde der verringerte Zeitaufwand bei der Herstellung nach dem Baltic Denture System beurteilt. Die Patienten brauchten lediglich zwei Termine wahrzunehmen im Gegensatz zu fünf Terminen für die analog hergestellte Prothese.

Take-Home-Message des Wissenschaftlers: Das digitale Verfahren ist deutlich schneller, ästhetische Kompromisse werden von Patienten nicht wahrgenommen. Beim Baltic Denture System sei wichtig, dass Zahnarzt und Zahntechniker auf das System eingespielt sind. „Dann sind hervorragende Ergebnisse möglich“, so Simon Peroz. Am Schluss seines Vortrages zeigte er dem Publikum, welche Rehabilitierungen beim herausnehmbaren Zahnersatz zukünftig digital gelöst werden können: Von der Versorgung nur eines Kiefers (unimaxilläre Prothese) bis hin zur individuellen Frontzahnaufstellung und, bei Bedarf den zusätzlichen Einsatz von Try Ins, sowohl in gedruckter als auch gefräster Form, wird in naher Zukunft alles möglich werden. Es bleibt weiterhin spannend in der digitalen Totalprothetik.

Zahntechnik und Sport - eine Frage der Leidenschaft

Disziplin, Ehrgeiz, Emotion und Kompromisse – das sind nur einige Stichworte, die ZTM Christian Vordermayer (Erlstätt) mit Zahntechnik und Sport verbindet. Der passionierte Zahntechniker zog seine Parallelen vom Leistungssport zur Zahntechnik und stellte einen seiner komplexesten Implantatfälle vor. „Am Anfang steht die Planung und die Kommunikation mit dem Patienten. Ich studiere die Bewegungen, die Mimik, Aussprache – also die ganze Physiologie des Patienten“, berichtet der Zahntechnikermeister und zog dabei die Parallele auf die Vorbereitung eines IRONMAN-Wettkampfes. Die Langdistanzen mit 3,86 km Schwimmen, 180,2 km Radfahren und 42,195 km Laufen müssen sehr gut vorbereitet sein: „Mein Personal Trainer plant, beobachtet mich, zieht seine Rückschlüsse für das Trainingsprogramm und ändert auch mal die Vorgehensweise ab.“ Zahntechnik und Sport verlangen laut Vordermayer eine ähnliche Disziplin. „Brennt für das, was Ihr tut, kämpft dafür! Der Körper ist für alles bereit, wenn der Kopf mitmacht“. Mit diesem motivierenden Vortrag beendete der Hochleistungssportler das 23. Prothetik Symposium in Berlin.

Acht Vorträge und drei Workshops gaben Zahnmedizinern und Zahntechnikern gleichermaßen Anregungen, sowie Tipps für den Alltag und stellten eine Plattform für den fachlichen Austausch zwischen Teilnehmern und Referenten. Merz Dental und der Quintessenz Verlag boten eine erfolgreiche Veranstaltung mit vielen Take-Home-Messages. Der Termin für das 24. Prothetik Symposium steht auch bereits fest: 28. November 2020, wieder an dem 1. Adventssamstag im Berliner Pulman Hotel Schweizerhof.

Quelle: Merz Dental

Foto: Merz Dental

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