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Branchenmeldungen 18.02.2017

6. IAOCI-Weltkongress – Implantate aus Keramik mit klarem Auftrag

Georg Isbaner
Georg Isbaner
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6. IAOCI-Weltkongress – Implantate aus Keramik mit klarem Auftrag

Vom 16. bis 18. Februar lud die International Academy of Ceramic Implants (IAOCI) zu ihrem sechsten internationalen Jahreskongress in Miami, Florida, USA. Nahezu 100 Teilnehmer aus aller Welt konnten an dem dreitägigen Symposium mit erstklassigen Referenten die Grundlagen und Möglichkeiten der Keramikimplantologie vertiefen.

„Als 2011 die International Academy of Ceramic Implants ihren ersten Jahreskongress abhielt, nahmen daran 25 Personen teil, inklusive der Mitarbeiter der ausstellenden Firmen“, eröffnete Dr. Sammy Noumbissi den 6. IAOCI-Weltkongress in Miami, USA, vor nahezu 100 Teilnehmern am Freitag, dem 17. Februar 2017. IAOCI-Präsident Noumbissi war sichtlich stolz, vor diesem internationalen Auditorium ein ebenso internationales und gleichzeitig renommiertes Referententeam vortragen lassen zu können. Dreh- und Angelpunkt dieses Kongresses waren natürlich die Implantate aus Zirkoniumdioxid, welche sich anschicken, die Leistungsfähigkeit von Titanimplantaten zu erreichen.

Doch bevor das passiert, müssen auch hier noch zahlreiche Langzeitstudien und Fallzahlen diesen Anspruch untermauern. Diese Daten in regelmäßigen Foren, wie dem in Miami zusammenzutragen, hat sich die IAOCI zur Aufgabe gemacht. So wurden beim 6. IAOCI-Kongress intensiv u.a. die Materialspezifika, die Oberflächenbeschaffenheit, die prothetischen Möglichkeiten sowie die biologischen Eigenschaften von Keramikimplantaten diskutiert, die sich mit denen ihrer Geschwister aus Titan messen lassen müssen.

Keramikimplantate haben einen scheinbar klaren Auftrag: Sie sollen periimplantäre Entzündungen weniger wahrscheinlich machen und beispielsweise im Frontzahnbereich bessere ästhetische Ergebnisse erzielen, als es bei Implantaten aus Titan manchmal möglich ist. Tatsächlich hat man Letztere zunehmend unter Verdacht, in bestimmten Fällen inflammatorische Prozesse zu beschleunigen oder gar zu verursachen. Geisterte noch vor wenigen Jahren das Wort der Titanallergie durch die Welt, weiß man inzwischen, dass es sich aus immunologischer Sicht lediglich um eine sogenannte Titanunverträglichkeit handeln kann. Man weiß nun allerdings auch, dass sich winzige Titanpartikel – bedingt durch Abrasion und Korrosion – z.B. von der Implantatoberfläche lösen und erst solch eine Unverträglichkeit hervorrufen können, wie Dr. Volker von Baer, Dr. Daniel Olmedo und Dr. Elisabeth Jacobi-Gresser in ihren jeweiligen Vorträgen eindrücklich dargelegt haben. Um aber die Patientengruppe, die auf diese Titandebris eine Unverträglichkeit entwickeln könnte, noch vor einer anstehenden Implantattherapie herauszufiltern, plädieren Dr. Jacobi-Gresser und ihre Kollegen für eine entsprechende Patientenrisikoanalyse. „Es gibt eine individuelle bzw. genetische Prädisposition bestimmter Patienten hinsichtlich der Entzündungsreaktionen auf Titanpartikel, die den Langzeiterfolg der Implantattherapie gefährden können“, so Dr. Jacobi-Gresser. Für diese dann identifizierte Risikogruppe eigne sich die Versorgung mit Implantaten aus Zirkoniumdioxid besonders, so die Experten.

Neben der immunologischen Verträglichkeit spielen aber auch die osseointegrativen Eigenschaften der Keramikimplantate eine Rolle, wie Dr. Richard Miron in seinem anschließenden Vortrag betonte. So habe man in den vergangenen Jahren mit gezielten Oberflächenmodifikationen (hauptsächlich durch Sandstrahlung und Ätzen) die allgemeine knöcherne Integration von Titanimplantaten verbessern und verkürzen können, so Dr. Miron. Ähnliche Verfahren stehen den Herstellern neuerdings auch für die Behandlung von Keramikimplantatoberflächen zur Verfügung, sodass nun neben dem positiven Einfluss auf die Weichgeweberegeneration eine verbesserte Osseointegration gewährleistet ist. Darüber hinaus beschrieb Dr. Jens Fischer in seinem Vortrag, wie der Durchmesser von Keramikimplantaten eine entscheidende Rolle spiele. Eine kürzlich veröffentlichte Studie lege nahe, so Dr. Fischer, dass Implantate aus Zirkoniumdioxid keinen Durchmesser unterhalb von 4,0 mm haben sollten, da sonst das Frakturrisiko überproportional steige.

Dass aber noch nicht alle Hausaufgaben für Keramikimplantate erledigt sind, zeigte Dr. Jerome Chevaliers Vortrag über das Phänomen der Low-Temperature Degradation (LTD) im feuchten Milieu. Jenes kann bei bestimmten Zirkoniumdioxidimplantaten zu einem Verlust der Steifig- und Festigkeit aufgrund der Umwandlung der chemischen Phase von tetragonal zu monoklin führen. Hier seien weitere Anstrengungen in der Materialforschung notwendig, so Dr. Chevalier.

Einen weiteren Aspekt fügte Dr. Jaafar Mouhyi in seinem Vortrag am Samstag hinzu: Nicht nur die Materialeigenschaften der Implantatoberfläche, die physikalischen Fähigkeiten des gesamten Implantatkörpers sowie dessen Design haben Einfluss auf mögliche periimplantäre Komplikationen, sondern schlicht und ergreifend auch die Implantatposition. Ist eine funktionell sinnvolle prothetische Versorgung aufgrund einer unvorteilhaften Position des Implantates unmöglich, könne dies ebenfalls Ausgangspunkt für periimplantäre Entzündungen sein, so Dr. Mouhyi. Aber auch hier haben die Hersteller verschiedener Implantatsysteme aus Keramik in den letzten Jahren eine Möglichkeit gefunden, fehlerhafte Implantatpositionen zumindest in einem gewissen Umfang prothetisch korrigieren zu können: So sprachen Dr. Jens Tartsch, Vizepräsident der IAOCI, und Dr. med. dent. Jochen Mellinghoff, M.Sc., in ihren jeweiligen Vorträgen über die prothetische Flexibilität und die erweiterten prothetischen Spielräume von zweiteilig verschraubten Zirkoniumdioxidimplantaten.

Abschließend muss man den Verantwortlichen des 6. IAOCI-Weltkongresses ein Kompliment für diese Veranstaltung aussprechen, da sie es geschafft haben, das Thema „Keramikimplantate“ einer seltenen, aber umso breiteren Diskussionsgrundlage zugeführt zu haben. Bis es jedoch so weit ist, dass Implantate aus Zirkoniumdioxid zweifelsfrei als Alternative für Titanimplantate gelten dürfen, müssen noch weitere Untersuchungen und Symposien dieses Kalibers stattfinden. Fest steht, dass ab der kommenden Internationalen Dental-Schau in Köln sich noch mehr Anbieter auf diesem Gebiet tummeln werden – keine schlechten Aussichten für Patienten mit dem Wunsch nach einer metallfreien implantologischen Versorgung.

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Foto: © OEMUS MEDIA AG
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