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Branchenmeldungen 19.09.2017

Ausbildungsreport 2017: Das nervt ZFAs am meisten

Ausbildungsreport 2017: Das nervt ZFAs am meisten

Kürzlich veröffentlichte der Deutsche Gewerkschaftsbund seinen Ausbildungsreport 2017. Wie bereits in den letzten Jahren belegt der Ausbildungsberuf zur Zahnmedizinischen Fachangestellten einen der letzten Plätze.

Im 12. Ausbildungsreport des DGB wurden Auszubildende aus 25 verschiedenen Berufsgruppen befragt, insgesamt 12.191 Personen. Im Gesamtranking ist die Ausbildung zur Zahnmedizinischen Fachangestellten in der Gruppe mit den schlechtesten Bewertungen gelandet, was am Ende Platz 22 entspricht. Nur Friseurinnen, Hotelfachfrauen und Fachverkäuferinnen im Lebensmittelhandwerk sind noch unzufriedener mit ihrer Ausbildung.

Grafik: Ausbildungsreport 2017 – DGB

Kaum Kommunikation zwischen Berufsschule und Praxis

Viele Auszubildende bemängeln, dass in den Berufsschulen nicht ausreichend mit aktuellen Unterrichtsmaterialien oder moderner Technik gearbeitet wird, zudem sind die Lehrmethoden veraltet. Ein weiterer Faktor, der für Unzufriedenheit bei der Qualität der Berufsschulen und somit für Minuspunkte sorgt, ist die mangelnde Absprache zwischen Schule und Betrieb. In nur wenigen Fällen kommt das in der Theorie gelernte, danach in der Praxis zur Anwendung, sodass ein direkter Zusammenhang von den Auszubildenden nicht hergestellt werden kann und das erlangte Theoriewissen in Vergessenheit gerät und somit den Lernerfolg mindert.

Über die Hälfte muss ihr Berichtsheft außerhalb der Arbeitszeiten führen

Das Berichtsheft ist wichtige Voraussetzung für die Zulassung zur Abschlussprüfung. Im Gesetz ist geregelt, dass der schriftliche Ausbildungsnachweis während der Arbeitszeit im Betrieb zu führen ist. Der Arbeitgeber muss dem Auszubildenden also die Möglichkeit schaffen und freie Zeit zur Verfügung stellen, damit das Berichtsheft ordnungsgemäß gefüllt werden kann. Allerdings gaben bei der Umfrage 51,9 Prozent der Zahnmedizinischen Fachangestellten an, dass sie dieser Tätigkeit in ihrer Freizeit nachgehen müssen.

Da ist es nicht verwunderlich, wenn neben dem gehäuften Ausführen ausbildungsfremder Tätigkeiten und der oftmals mangelnden Betreuung durch Ausbilder die Lehre zur ZFA nur auf dem 20. Platz bei der fachlichen Ausbildungsqualität im Betrieb landet.

Grafik: Ausbildungsreport 2017 – DGB

Kein Ausgleich für Überstunden

Nicht immer können geregelte Arbeitszeiten im vollen Terminkalender einer Praxis eingehalten werden. Kommt es aber zu Überstunden, müssen diese entweder vergütet oder mit Freizeit ausgeglichen werden. Nur 43,7 Prozent der Auszubildenden zur Zahnmedizinischen Fachangestellten geben jedoch an, dass dies in ihrem Betreib auch tatsächlich so gehandhabt wird. Deshalb gibt es auch im Bereich Ausbildungszeiten und Überstunden nur den 22. Platz für die ZFAs.

Grafik: Ausbildungsreport 2017 – DGB

ZFA-Azubis sind überfordert und können sich in ihrer Freizeit nicht erholen

Ebenfalls zur Unzufriedenheit der Auszubildenden trägt bei, ob sie über- oder unterfordert sind. Weder das eine noch das andere trifft nur auf 69,1 Prozent der zukünftigen Zahnmedizinischen Fachangestellten zu. Damit bilden sie in diesem Punkt der Umfrage das Schlusslicht. Auch bei der Überforderung sind die ZFAs das Schlusslicht: 19,5 Prozent von ihnen sehen sich ihren gestellten Aufgaben nicht gewachsen.

Wie stark die psychische Belastung der jungen Menschen während ihrer Ausbildung ist, zeigt auch das Ergebnis auf die Frage, ob es gelingt, in der Freizeit vom Beruf abzuschalten und sich zu entspannen. 43,7 Prozent der ZFAs verneinten dies, womit sie über dem Durchschnitt liegen. Insgesamt erreichen die Zahnmedizinischen Fachangestellten so im Bereich der persönlichen Beurteilung der Ausbildungsqualität nur den vorletzten Platz.

Gründe für die mangelnde Zufriedenheit findet der Ausbildungsreport unter anderem darin, dass viele junge Frauen den Beruf nur als Notlösung sehen und nicht in ihrem Wunschberuf arbeiten. Nur 19,9 Prozent der Zahnmedizinischen Fachangestellten geben an, dass der Beruf ihrem Wunsch bzw. ihren Interessen entspricht.

Grafik: Ausbildungsreport 2017 – DGB

Fazit

Praxen sehen Auszubildende zu oft als zusätzliche Arbeitskraft, für eine fundierte praktische Ausbildung bleibt im stressigen Berufsalltag kaum Zeit. Zudem werden sie zu schlecht bezahlt, müssen unentgeltlich Überstunden leisten und sind mit ihren Aufgaben überfordert. Dass viele ihre Ausbildung abbrechen oder danach einen anderen Beruf ergreifen, ist da nicht verwunderlich.

Sowohl die Praxen als auch die Berufsschulen sind hier in der Pflicht, die Bedingungen für angehende Zahnmedizinische Fachangestellte deutlich zu verbessern. Sowohl eine bessere Zusammenarbeit zwischen den Berufsschulen und den Betrieben als auch eine methodisch-didaktische und jugendpsychologische Kompetenz seitens der Ausbilder sind nur ein Teil der Verbesserungsvorschläge des DGB.

Zudem müssen die Auszubildenden besser über Rechte informiert werden und den Mut aufbringen, Missstände an die zuständigen Kammern, Gewerkschaften und Behörden zu melden. Praxen, die ihren Ausbildungspflichten nämlich nicht nachkommen, kann die Ausbildungsberechtigung entzogen werden.

Den gesamten Ausbildungsreport 2017 gibt es hier.

Quelle: DGB

Foto: Denis Rozhnovsky – stock.adobe.com
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