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Personalmanagement 10.07.2017

Zahnmedizinische Fachangestellte: Ausbildung geschafft! Und dann?

Zahnmedizinische Fachangestellte: Ausbildung geschafft! Und dann?

Ein Erfahrungsbericht aus der Sicht einer Fachlehrerin am Walter-Eucken-Berufskolleg Düsseldorf, Fachkundeunterricht für ZFA-Auszubildende.

Es ist auffällig, dass viele ZFA-Azubis ihren Beruf nach der Ausbildung nicht ausüben werden oder den Betrieb, die Praxis, wechseln. Was sind die Gründe?

In den Berufsschulklassen ist die Zusammensetzung der Schüler/-innen meistens sehr inhomogen. Die Motivation, genau diese Ausbildung zu absolvieren, könnte unterschiedlicher nicht sein. Es gibt diejenigen, die schon einige vorangegangene Ausbildungswege abgebrochen, das zwanzigste Lebensjahr deutlich überschritten und sich jetzt eher nach dem Prinzip Zufall für die ZFA-Ausbildung entschieden haben.

Es gibt die Schüler, deren schulische Leistungen miserabel waren, die teilweise kein Abschlusszeugnis einer Vorgängerschule vorweisen können. Da sie aber auch mit dieser geringen Qualifikation eine Ausbildungsstelle in einer Zahnarztpraxis angeboten bekommen haben, werden sie eher schlecht als recht durch die dreijährige Ausbildungszeit „durchgezogen“. Anders kann man es aufgrund der minimalen schulischen Leistungen und kaum vorhandener Motivation, am Berufsschulunterricht teilzunehmen, leider nicht nennen. In manchen Großpraxen, die zwanzig Mitarbeiter und mehr beschäftigen, fallen diese eher ungeeigneten Azubis nicht weiter auf, da der Betrieb auch ohne schlechte Leistungen eines Einzelnen ungestört weiterläuft. Sie gehen quasi „in der Masse unter“ und mäandern sich so irgendwie bis zu ihrem vorläufigen Ziel „irgendwie durch die Abschlussprüfung zu kommen“.

Des Weiteren gibt es die Schüler/-innen, deren Lebensweg bereits vorgezeichnet zu sein scheint. Manche kommen aus Elternhäusern, in denen die Eltern erwerbslos sind – oft schon jahrelang. Deren Ausbildungsgehalt wird mit den Sozialleistungen verrechnet, welche Eltern im gemeinsamen Haushaltes beziehen. Sie müssen von ihrem geringen Einkommen also zu Hause etwas abgeben. Woher sollen bei diesen Azubis Motivation, Durchhaltevermögen und Zukunftsperspektiven kommen? Vielleicht sind sie vom Wesen her, von ihrer emotionalen Intelligenz und ihrem Sozialverhalten sogar geeignet für den Beruf. Doch kommt nur ein bisschen Gegenwind, eine enttäuschende Erfahrung oder ein Praxisinhaber, der zu ungeduldig ist, diesem Azubi Abläufe dreimal, viermal zu erklären, dann brechen diese Schüler die Ausbildung ab. Sie haben nicht gelernt, worauf es bei Bewerbungen ankommt, wie man eine vielversprechende Praxis von einer Praxis mit geringerem Wohlfühlfaktor unterscheiden kann. Sie kennen weder das Arbeitsrecht noch wurden ihnen im häuslichen Umfeld ihre Pflichten als Azubi nahegebracht. Sie gehen immer den Weg des geringsten Widerstandes. Wenn es schwierig wird im Betrieb oder in der Berufsschule, brechen sie ab – ohne eine Idee zu haben, wie es für sie weitergehen könnte.

Nun könnte man meinen, dass es zum Glück auch noch die Azubis gibt, die mit guten Leistungen aus der Masse herausstechen. In jeder Berufsschulklasse gibt es eine kleine Handvoll dieser, die sich häufig sogar mit einem Abitur in die ZFA-Ausbildung „verirrt“ haben.

Warum verirrt? Sie fühlen sich intellektuell oft unterfordert. Den Unterricht muss man häufig so ausrichten, dass auch das schwächste Glied in der Kette folgen kann. So kommt den qualifizierteren Schülern der Berufsschulunterricht häufig zu banal vor. In den Praxen werden sie auch nicht speziell gefördert und durchlaufen die altbewährten Ausbildungsmechanismen: Zimmer auf- und abbauen, putzen, den „Steri machen“– wir alle wissen, wie der Praxisalltag abläuft. Für diese qualifizierten Azubis ist unter diesen Voraussetzungen der Blick in die Zukunft natürlich trüb. Der Verdienst wird vergleichsweise gering sein, die Arbeitszeiten unattraktiv (vor allem, wenn die Azubis in der Ausbildung im Schichtdienst arbeiten müssen, in Praxen, die teilweise 365 Tage im Jahr geöffnet sind). Die Hierarchie schreckt sie ab und wenn sie nach rechts und links schielen, sehen sie, wie entspannt und glücklich ihre ehemaligen Klassenkameraden aus dem Abiturjahrgang durch die ersten Semester eines Studiengangs treiben. Das Geld kommt vielleicht vom Bafög-Amt, die Semesterferien sind lang und an der Uni (und dem privaten Umfeld) genießt man mehr Ansehen.

Dass ein Studium nicht zu vergleichen ist mit dem Abitur und der Ausbildung, auch schiefgehen kann (vor allem Zahnmedizin), viel Zeit ins Land geht, bis das erste Geld verdient wird, und auch einem Hochschulabsolventen nicht alle Türen offenstehen, kann den Blick der im Hier und Jetzt Lebenden nicht trüben.

Aber genau diese Zielgruppe, die qualifizierten Azubis, die mitdenken, sich ausdrücken können und lernfähig sind, wünscht sich doch ein Arbeitgeber.

Was muss sich ändern, dass diese Azubis nicht mehr so schnell wie möglich die Ausbildung abschließen möchten, am liebsten nach zwei Jahren, und dann direkt einen neuen Bildungsweg beschreiten wollen? Denn so ist die Ausbildung doch Zeitverschwendung für alle. Aus eigener Erfahrung muss ich im Nachhinein feststellen, dass eine anspruchsvolle (in meinem Fall PTA-) Ausbildung sinnlos ist, wenn man dann einen anderen Berufsweg einschlägt. In dem Ausbildungsberuf kann man Jahre später, ohne Berufserfahrung, nicht mehr Fuß fassen. Auch, wenn man sich selbst und dem Umfeld stets einredet, dass man bei diesem Weg „schon etwas in der Tasche habe“ und immer darauf zurückgreifen könne, sollte das Studium nicht erfolgreich verlaufen. Seien Sie ehrlich: Wie schnell ist eine ZFA, die zehn, fünfzehn Jahre nach der Ausbildung nicht in ihrem Beruf tätig war, unter den Bewerbern aussortiert?!

Also: Wie halten wir die „guten“ Azubis?

Sollten Schüler motiviert sein, ihre Ausbildung nach zwei Jahren abzuschließen, sollten in den Berufsschulen „Verkürzerklassen“ zusammengestellt werden. Der Unterricht kann besser auf diese Schüler zugeschnitten werden und die Schüler werden intellektuell mehr gefordert. Gibt es keine Verkürzerklassen, müssen sich die Schüler im Eigenstudium den Lehrnstoff des dritten Lehrjahres beibringen und parallel dem laufenden, regulären Unterricht folgen. Dadurch sinken ihre Leistungen und es motiviert sie nicht, dem regulären Unterricht zu folgen, wenn sie selbst schon viel weiter sind. Zudem bekommen sie eine Sonderrolle zugeschrieben, die umständlich wirkt für Lehrer und (Mit-)Schüler, und das wird ihrer Motivation, schneller zu lernen, nicht gerecht.

In den Praxen stechen die guten Azubis auch heraus. Anstatt sie kleinzuhalten, wäre es sinnvoll, ihnen mehr Verantwortung zu übertragen. Je nach Interesse könnten sie für QM verantwortlich sein, die Azubis des ersten Lehrjahres betreuen o.Ä.

In einem Gespräch, z. B. nach der Zwischenprüfung, bietet es sich an, mit dem Azubi dessen Zukunftspläne zu erörtern. Spezielle Förderungsprogramme, z. B. die Weiterbildung zur ZMP oder ZMF, können, neben einem leistungsangemessenen Verdienst, ggf. inkl. einer Umsatzbeteiligung, gut umsetzbar im Bereich Prophylaxe, Anreiz sein, dass ein guter Azubi motiviert ist, den erlernten Beruf auch tatsächlich auszuüben.

Foto: foxyburrow – stock.adobe.com
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