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Branchenmeldungen 27.04.2017

Backenzahn zum Sitzen - Künstler errichtet „Lehrstuhl Zahnmedizin“

Backenzahn zum Sitzen - Künstler errichtet „Lehrstuhl Zahnmedizin“

Mit ihren 50 Jahren gehört die Universität Ulm zu den jüngsten Deutschlands. Im Jubiläumsjahr möchte sie zugleich als eine der originellsten Lehrstätten glänzen. Ein Konzeptkünstler hilft dabei.

Mit einer Armee bunter Plastik-Bären hat Berlin einmal Werbung für sich gemacht. Und in New York standen farbenprächtige Kühe auf Bürgersteigen, gestaltet von Künstlern aus aller Welt. In Ulm geht es zwar sparsamer zu. Dennoch will auch die Schwabenmetropole an der Donau Einwohnern und Besuchern originelle Installationskunst im öffentlichen Raum bieten: Direkt neben dem Ulmer Münster mit dem höchsten Kirchturm der Welt (161,53 Meter) sollen zehn überdimensionale Sitzgelegenheiten entstehen - und zu Selfies einladen.

Beim Start der Aktion halfen am Mittwochabend angehende Zahnärzte an der Seite von Universitätspräsident Michael Weber. Aus vorgefertigten Scheiben bauten sie einen mehr als zwei Meter hohen Backenzahn auf. Wer mag, darf ihn erklimmen und als Sitzplatz nutzen. Auf Bilder mit Kommentaren wie «Steiler Zahn in Ulm» wird man bei Facebook, Instagram oder Twitter wohl nicht lange warten müssen.

 

Die Idee hatte der Ulmer Konzeptkünstler Ralf Milde. Die Skulptur sei eine Visualisierung der zahnmedizinischen Wissenschaften, erklärt er. Auf ähnliche Weise will der 63-Jährige die ganze Geschichte der Ulmer Universität visualisieren. Mit 50 Jahren ist sie die jüngste Baden-Württembergs. Das Jubiläum feiert die Alma Mater mit der Abkürzung «uulm» noch bis Ende 2017.

Mildes Kunstaktion ist dabei nicht nur der sichtbarste, sondern wohl auch originellste Teil des Festjahres. «Bei Universität denkst du doch unwillkürlich an Lehrstühle», sagt Milde, der es gern groß, dreidimensional und witzig mag. So sollen am Ulmer Münster insgesamt zehn überdimensionale Sitzmöbel errichtet werden, die verschiedene Lehrstühle der Universität repräsentieren - von jenen der Medizin über die Psychologie und Mathematik bis zur Informatik und den Wirtschaftswissenschaften.

Für die Humanmedizin schwebt dem einstigen Spaß-Kandidaten für das Amt des Ulmer Oberbürgermeisters ein riesiges Gehirn vor, in dem man es sich sitzend gemütlich machen kann. Alle Skulpturen sollen nach dem «Slice System» mit vorgefertigten Scheiben aus unterschiedlichen Materialen entstehen, darunter Plexiglas, Stahl und Beton.

Welche Gestalt die übrigen «Lehrstühle» annehmen könnten, steht noch nicht fest. «Ich spreche mit den Professoren und höre, wie sie selbst ihre Disziplin sehen», sagt der Künstler. «Da wird es sicher gute Ideen geben.» Pro Skulptur wird mit Kosten von rund 10 000 Euro gerechnet. Dennoch kann die Aktion als Beispiel schwäbischer Sparsamkeit gelten: Anders als das Münster, dessen Bau einst von den Bürgern finanziert wurde - worauf man in Ulm heute noch stolz ist -, sollen die «Lehrstühle» weder die Uni noch die Stadt Geld kosten.

Jedes Sitzkunststück soll von Unternehmen oder privaten Kunstfreunden vor der Anfertigung erworben werden und ihnen nach Ende der Aktion zur Verfügung stehen. Der Backenzahn ist bereits verkauft. Erworben hat ihn ein Firma, die unweit von Ulm in Senden Kunstzähne und Implantate herstellt und in alle Welt exportiert.

Quelle: dpa, Uni Ulm

Foto: Uni Ulm
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