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Branchenmeldungen 16.11.2010

Deutscher Zahnärztetag beklagt: "Politik stellt Zahnärzte ins Abseits"

Deutscher Zahnärztetag beklagt: "Politik stellt Zahnärzte ins Abseits"

Die FDP regiert nicht nur seit einem Jahr mit, in der Gesundheitspolitik sogar an vorderster Stelle, sie wurde vor allem von Zahnärzten und Freiberuflern gewählt um alles im Sinne einer wettbewerbsorientierten Politik neu zu gestalten und was ist geschehen: Die Zahnärzte-Polit-Träume sind alle geplatzt, ja sie stehen mit all ihren Forderungen im Abseits und die FDP dümpelt bei 5 Prozent, verlor fast zwei Drittel ihrer Wähler, droht aus Landtagen zu fliegen und wird bald nicht mehr ernst genommen werden.

So waren die Veranstaltungen des Deutschen Zahnärzte-Tages Mitte November in Frankfurt - wissenschaftlich-inhaltlich vor allem von Industrie-Sponsoren bestimmt und von Zahnärzten nicht gerade durch Präsenz überflutet - geprägt von Jammerchören der Funktionäre was Schwarz-Gelb künftig zu leisten hat aber nicht bringen wird.

Stichwort GOZ: 23 Jahre geschah nichts und heute hoffen BZÄK-Funktionäre, besser bleibt alles beim Alten als das was im Rösler-Haus geplant wird. Statt 60 Prozent mehr GOZ-Honorarvolumen, wie zum FDP-Regierungsanfang mit dem HOZ-Umsetzungsversprechen erwartet, sollen es lächerliche 10 Prozent werden. Das war bei Ulla Schmidt, SPD, auch schon so. Eine State of the Art-GOZ bleibt ein Traum. Dazu kommt die Öffnungsklausel für die PKVen für Sonderverträge mit Ärzten und Zahnärzten mit deren Hilfe - so befürchtet die BZÄK-Spitze - die Privatkassen die GOZ "betriebswirtschaftlich unterlaufen können". Die PKVen nennen nur hehre Ziele für Sonderverträge wie "höherwertige Qualität" und "besseren Service" leichteren Zugang zu "innovativen Versorgungen" und "direkte Abrechnung mit dem Arzt und Zahnarzt", also schnelles und sicheres Geld. Eine neue Approbationsordnung AppOZ, gemeinsam von BZÄK, DGZMK und Hochschullehrern wurde von Gelb/Schwarz ebenfalls auf Eis gelegt. Die Länder fordern eine "Kapazitäts- und kostenneutrale" Umsetzung der Master-Vorlagen aus dem Bologna-Prozess was die Zahnärzte-Funktionärs-Gesellschaften verweigern und so wird in dieser Legislaturperiode mit der AppOZ nichts geschehen. Dafür werden die Diskussionen lauter werden, aus der CDU kommend, einen Dental-Bachelor - quasi die Rückkehr zum Dentisten - für eine besondere Zahn-Grundversorgung auf dem Lande zu installieren.

Schon heute beklagen die Hochschullehrer, personell und materiell an den Universitäten gegenüber den Medizinern deutlich benachteiligt zu werden und bei den Forschungszuwendungen auf Fachhochschul-Niveau gesetzt zu sein. Was die Deutsche Forschungsgemeinschaft veranlasst, die Zahnmedizin zur "Quantité négligeable" zu degradieren, wenn gerade noch 1 % der medizinischen "Fachkollegrate" der Zahnmedizin gewidmet ist. Dafür fordern die Zahnmedizin-Hochschullehrer mehr Gehalt, bei "mehr Freiheit" für Sonder-Aktivitäten.

Geradezu zum "Outlaw" werden die Zahnärzte aufgrund der KZBV-Versagenspolitik in der Kassenversorgung. Die Versicherten zahlen allein den Sonderbeitrag für Zahnersatz-Festzuschüsse, aber die Kassen behalten ein Drittel der Einnahmen zum Löcher-Stopfen in anderen Sektoren und erhöhen nicht die Festzuschüsse. Trotzdem sind nur noch die Zahnärzte mit Budgets belastet, verlieren darüber im Jahr 150 Millionen Euro. Die Ärzte haben im GKV-Finanzierungsgesetz auch eine Kürzung hinnehmen müssen, erhalten in 2011 statt 2 Milliarden Euro mehr GKV-Honorar nur noch 1 Milliarde mehr. Wenigstens haben sie Mehreinnahmen, die Zahnärzte müssen weitere rund 100 Millionen Euro Kürzung hinnehmen.

Positives gibt es auch zu vermelden. Es herrschte auf den zahlreichen Empfängen und beim Gesellschaftsabend bei Mainzer Narrengesängen beste Stimmung.

Also, nach vorne schauen,

toi, toi, toi

Ihr Jürgen Pischel

15.11.2010

Foto: © Shutterstock.com
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