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Branchenmeldungen 07.11.2014

DGZI Kontrovers: Beide implantologischen Welten vereint

DGZI Kontrovers: Beide implantologischen Welten vereint

DGZI Kontrovers: Streitgespräch anlässlich der 44. Jahrestagung „Steinzeitimplantologie versus Computerspiele“ zwischen Prof. Dr. Dipl.-Ing. Richter und Dr. Dr. Nilius

Schlachtgesänge aus dem voll besetzten Hauptvortragssaal im Düsseldorfer Hilton Hotel waren nicht zu hören – wohl aber eine teils durchaus bissige Debatte mit diplomatischem Ende: Beim diesjährigen Streitgespräch „DGZI Kontrovers“ zum 44. Jahreskongress der DGZI (Deutsche Gesellschaft für Zahnärztliche Implantolologie) „Steinzeitimplantologie versus Computerspiele – Kampf der implantologischen Generationen“ prallten Erfahrungsschatz des altgedienten Pragmatikers Prof. Dr. Dipl.-Ing. Ernst-Jürgen Richter, Direktor der Poliklinik für Zahnärztliche Prothetik am Universitätsklinikum Würzburg, und das eingespielte Diagnose- und Behandlungsschema unter Ausschöpfung der mittels digitaler Technik bereitgestellten Möglichkeiten von Dr. Dr. Manfred Nilius M.Sc. (Dortmund), Facharzt für Mund-, Kiefer- und plastische Gesichtschirurgie und international tätiger Dozent für computerassistierte Implantologie, aufeinander.

Impressionen 44. Internationaler Jahreskongress der DGZI

Und dabei spielte nicht nur der „richtige“ Weg zum Behandlungserfolg eine Rolle, sondern auch Faktoren wie Kosten, Strahlenbelastung und Aufwand bis hin zur desolaten Ausbildungssituation in der Zahnmedizin an deutschen Hochschulen. Allerdings erzielten die beiden Kontrahenten am Ende ein versöhnliches Ergebnis, dass nämlich beide Wege, der des „freihändig“ und auf bewährte Hilfsmittel vertrauenden Praktikers genauso wie der des in der digitalen Verfahrenskette Operierenden, ihre Berechtigung haben. Als Moderator und Mittler zwischen den Welten fungierte Dr. Georg Bach (Freiburg im Breisgau), im DGZI-Vorstand zuständig für Fortbildung und Öffentlichkeitsarbeit.

Zur Einstimmung stellten die Diskutanten ihre jeweilige Arbeitsweise in Kurzvorträgen vor, anschließend ging es dann zur Sache. Die erste, durchaus provokante Frage richtete der Moderator an den technikaffinen Streiter für die digitale Welt, Dr. Dr. Nilius: „Können Sie auch ohne?“ Nilius antwortete darauf: „Ich möchte das mal so sagen: Ich mach nur mit! Ich mache immer eine 3-D-Diagnostik, immer. Ich gehe mit dem Patienten die Indikation am Datenfile durch und sage, da und da brauchen wir das Implantat. Was kann man Besseres haben, als einen Patienten, der versteht, worum es geht?“ Konfrontiert mit dem von ihm so apostrophierten „Dogma des Konzeptes“ und der Frage, was denn dagegen spräche, auch in einfachen Fällen die Vorteile der digitalen Verfahrenskette zu nutzen, stellte Prof. Richter klar: „Natürlich spricht nichts dagegen. Aber ich sage, ich arbeite nicht in einer Region, wo es dicke Geldbeutel gibt. Ich sehe etwas anderes. Wir werden in zehn, fünfzehn Jahren da sein, dass wir die Zähne rechtzeitig extrahieren und direkt Implantate setzen und diese direkt versorgen.“

Angesprochen auf den forensischen Aspekt der Arbeit und die Sicherheit der Dokumentation durch die digitale Arbeitsweise, verbunden mit der Forderung, diese zum Standard zu machen, erklärte Prof. Richter klar: „Ich sehe das nicht. Ich sehe auch kein Indiz, dass das so ist.“ Er verwies auf die hohe Strahlenbelastung eines DVTs im Vergleich zum herkömmlichen OPG. Dr. Dr. Nilius begrüßte dagegen den Vorschlag aus dem Auditorium: „Ich warte auf das erste Urteil, das sagt, hier hat ein Zahnarzt ohne Schablone gearbeitet und ist aus dem Grund verurteilt worden.“ Aus Gesprächen mit einem Fachanwalt habe er erfahren, dass es gar nicht sicher sei, ob nicht schon ein Kollege aus forensischen Gründen heraus verurteilt worden sei. Eine zweite Sache sei, dass sich die meisten Kollegen vor Gericht verglichen. Nilius ging aber davon aus, dass eine solche Verpflichtung kommen werde.

Das Thema der Strahlenbelastung wurde vom Publikum noch einmal aufgenommen mit dem Hinweis, DVT-Geräte der neuesten Generation erzeugten eine um fünfzig Prozent niedrigere Strahlenbelastung als herkömmliche Geräte und machten eine Anwendung geradezu zur Pflicht. Prof. Richter konterte: „Dann machen Sie es doch.“ Dr. Dr. Nilius stellte in diesem Zusammenhang noch einmal Vorteile heraus: „Ich möchte eine Vorhersagbarkeit in meiner Diagnostik haben und möchte dem Patienten hinterher auch zeigen, wo das Implanat sitzt. Die Gewichtung muss doch sein, dass alle Kollegen, die jetzt hier sind, in der Lage sein sollen, dreimensional vorweg zu planen. Das ist der Zug, auf den wir aufspringen müssen.“

DGZI-Vizepräsident Prof. Hille brachte den Faktor Indikation und die Frage der Rechtfertigung für eine DVT-Aufnahme ins Spiel. Auch Prof. Richter sehe ja in bestimmten Bereichen eine rechtfertigende Indikation dafür, während Dr. Nilius das zum Standard erhebe. Eine solche forensische Vorgabe könne aber zum Ausschluss sehr vieler Implantologen führen und die Versorgung der Patienten gefährden, gab Hille zu bedenken. 

Die Frage, ob ein Behandler nicht in der Lage sein müsse, eine Einzelzahnversorgung auch ohne Schablone durchzuführen, wurde verknüpft mit der nach der universitären Ausbildung. Prof. Richter stellte hier klar: „Es hat sich sehr viel geändert in der Zahnheilkunde. Deutschland muss für ganz Europa Zahnmediziner ausbilden. Das ist für die Universitäten kaum zu bewältigen. Ich als Prothetiker bin regelrecht schockiert, wie eingeschränkt wir die praktische Lehre ausüben können – z.B.  bezüglich Zahnbeschleifung oder Abdruck. Es sind weder genügend Behandlungsplätze für die Studenten vorhanden noch geeignete Patienten. Wir fahren mit 40 Prozent Überkapazität!“ Richter forderte, man müsse den Maßstab hoch genug halten.

Die Rechtfertigung einer DVT gestand er zu, forderte aber gleichzeitig dazu auf, die Patienten über die zusätzlichen Kosten zu informieren. Dr. Nilius wies darauf hin, welch erheblichen Erkenntnisgewinn man jedoch durch die Kosten erziele. Auch der Keynote-Speaker des Kongresses, Prof. Dr. Suheil Boutros aus den USA, schaltete sich in den Kampf der Generationen ein. Er sagte voraus, dass in fünf Jahren der Kampf zugunsten der neuen Technologien entschieden sein werde. Dies schon deshalb, weil die neue Generation ihre Ausbildung mit diesen Möglichkeiten erhält.

Das Resümee des Diskussionsleiters Dr. Bach fiel salomonisch aus: Beide Verfahren hätten ihre Berechtigung und beide seien indikationsgebunden. Beide Verfahren benötigten aber auch eine gute Ausbildung, die, so der Wermutstropfen in einer ansonsten zukunftsgerichteten Diskussion, heute an den Universitäten nicht mehr gewährleistet sei, weil diese nicht mehr über die benötigten Arbeitsbedingungen verfügten.

Der 45. DGZI-Jahreskongress findet am 2. und 3. Oktober 2015 in Wiesbaden statt.

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