Branchenmeldungen 01.06.2026
Digitalisierung im Gesundheitswesen: Bund plant Neustart beim elektronischen Gesundheitsdossier
Im Zentrum von Lévys Ausführungen stand die Kritik am heutigen Zustand: Nicht digitale Anwendungen fehlten in Praxen, Spitälern oder Apotheken, sondern gemeinsame Standards für Daten und deren Austausch. Ohne diese könnten Systeme nicht nahtlos miteinander kommunizieren.
Hier setze das auf zehn Jahre angelegte Programm DigiSanté an. Es umfasst rund 50 Vorhaben, von denen laut Lévy bereits die Mehrheit gestartet wurde. Das Programm soll die Behandlungsqualität verbessern, die Patientensicherheit stärken und die Effizienz im Gesundheitswesen erhöhen. Als Beispiele nannte Lévy die vollständig digitalisierte Spezialitätenliste für kassenpflichtige Medikamente, das neue Radonportal und das Infoportal für übertragbare Krankheiten.
Als strategisches Kernstück bezeichnete die BAG-Direktorin den SwissHDS, einen nationalen Gesundheitsdatenraum. Er soll ermöglichen, Gesundheitsdaten sicher, strukturiert und mehrfach nutzbar auszutauschen – etwa für Versorgung, Abrechnung, Behördenleistungen oder Forschung. Die Daten sollen dabei dezentral gespeichert bleiben, aber für Berechtigte zum richtigen Zeitpunkt verfügbar sein. Der Bund wolle dafür Basisdienste, Infrastrukturkomponenten sowie den rechtlichen Rahmen bereitstellen.
Ein zentraler Baustein ist für Lévy das neue Elektronische Gesundheitsdossier, das ab 2030 das bisherige Elektronische Patientendossier (EPD) ablösen soll. Die entsprechende Gesetzesvorlage hat der Bundesrat bereits ans Parlament überwiesen. Künftig sollen nicht nur Spitäler und Heime, sondern auch Apotheken, Arztpraxen, Physiotherapien und weitere ambulante Leistungserbringer verpflichtet werden, mit dem E-GD zu arbeiten.
Geplant ist zudem, dass alle Menschen in der Schweiz automatisch und kostenlos ein Gesundheitsdossier erhalten, sofern sie nicht widersprechen. Lévy verwies auf positive Erfahrungen mit diesem Opt-out-Modell in Österreich. Gleichzeitig betonte sie, dass Datenschutz und Informationssicherheit oberste Priorität hätten. Zwar soll der Bund ein einheitliches technisches Informationssystem bereitstellen, die Datenhaltung bleibe aber verteilt.
Die Digitalisierung werde jedoch nicht ohne zusätzliche Mittel gelingen, warnte Lévy. Wegen neuer Sparvorgaben von Bundesrat und Parlament fehlten DigiSanté ab 2027 Finanzmittel. Das gefährde das Tempo der Umsetzung. Nun müsse gemeinsam mit der Branche neu priorisiert werden.
Trotzdem hält das BAG am Kurs fest. Die digitale Transformation sei eine Investition in die Zukunftsfähigkeit des Gesundheitssystems, sagte Lévy – und letztlich ein Gewinn für Fachpersonen, Institutionen und vor allem für Patienten.