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Branchenmeldungen 09.08.2018

Ein Bracket für alle – Behandler, Helferin und Patient

Ein Bracket für alle – Behandler, Helferin und Patient

Gerade mal zwei Jahre ist es her, dass Dr. Luis Carrière der Fachwelt seine Motion™ Clear Apparatur vorstellte. Beim jüngsten AAO-Kongress wartete der spanische Kieferorthopäde erneut mit innovativen Behandlungsgeräten auf. KN traf ihn zum Interview.

Zur diesjährigen AAO haben Sie gleich drei Neuheiten präsentiert – das SLX 3DTM Bracket in Metall und Keramik sowie die SLX™ Clear Aligner*. Zunächst zum ästhetischen Bracket – Was können Sie uns bezüglich Materialeigenschaften und dem zur Anwendung kommenden Fertigungsprozess sagen?

Dr. Luis Carrière: Das Carriere® SLX 3D™ Bracket weist ein komplett anderes Design auf als sein Vorgänger. Unser Ziel bei der Realisierung dieser Neuheit war es, alle Schwachstellen der kieferorthopädischen Industrie hinsichtlich selbstligierender Brackets zusammenzutragen. So ermittelten wir, was die Vorteile und was die Nachteile der aktuell am Markt befindlichen SL-Systeme sind. Anschließend ließen wir die entsprechenden Lösungen für all jene Mängel, über die SL-Brackets üblicherweise verfügen, in ein Bracket einfließen. Wir erstellten eine Liste mit zu lösenden Faktoren und sind nun mit diesem schönen Bracket am Start.

Eine Besonderheit stellt der Clipmechanismus dar. Wie funktioniert dieser?

Der Clipmechanismus basiert auf einer Mikrofeder aus superelastischem Draht, die eine zuverlässige Retention des Clips gewährleistet. Dieser Schiebeclip bedeckt den kompletten Bracketkorpus, sodass die Rotationskontrolle ganz hervorragend ist. Wir wollten ein Bracket, das sehr ergonomisch, stark verrundet und von minimaler Größe ist. Entsprechend gingen wir nochmals durch unser finales Design, um letztlich diese kleinen, eleganten, einfach handelbaren sowie effizienten Brackets zu realisieren, die nun in Metall und als ästhetische Variante verfügbar sind.

Hinsichtlich des Materials saßen wir zum Brainstorming zusammen und waren schließlich davon überzeugt, dass Keramik das einzige Material darstellt, mit dem wir arbeiten konnten. Wir passten unser Design an und dachten uns eine Art Drehbuch aus, um in der Lage zu sein, ein Bracket zu konstruieren, das passiv selbstligierend ist und die vollständige Kontrolle der mit diesem Bracket umgesetzten Bewegungen gewährleistet. Gleichzeitig sollte uns die Möglichkeit gegeben sein, das Bracket aus einem rigiden Material wie Keramik zu fertigen, was schön mit der Zahnfarbe harmoniert. Wenn man das Carriere SLX 3D Clear Bracket im Mund sieht, nimmt man optisch kaum wahr, dass der Patient eine kieferorthopädische Apparatur trägt. Vielmehr sieht man ein schönes und attraktives Bracket, welches das Lächeln sogar „sexyer“ erscheinen lässt als ohne irgendeine Art von Bracket.

Wir sind sehr stolz und glücklich mit der Resonanz, die wir aus der kieferorthopädischen Gemeinschaft erhalten haben. Die Kollegen kommen zu uns und bedanken sich für dieses Bracket bzw. dafür, ein Tool zu haben, welches so viel vereinfacht, ihre Arbeit in der Praxis.

Benötigt man für das Öffnen des Schiebeclips ein spezielles Instrument?

Es ist nicht so, dass ein spezielles Instrument dafür erforderlich ist. Dennoch haben wir ein Tool entwickelt, das wie eine Art Pinzette ist (das EZ Twist™ Instrument, Anm. der Red.). Das eine Ende wird zum Positionieren des Brackets genutzt, das andere zum Öffnen bzw. „Aufschließen“ des Schiebeclips wie bei einer Haustür. Dadurch wird ein für den Patienten außergewöhnlich komfortables Öffnen und Schließen ermöglicht. Dieser merkt quasi gar nicht, wenn wir den Schieber bewegen. Der Bogenwechsel läuft für ihn kaum wahrnehmbar und für den Behandler sehr schnell und einfach ab. Mit einem leichten Fingerdruck kann der Clip wieder geschlossen werden.

Bei der Realisierung dieses Designs war Ergonomie unser entscheidendes Kriterium, Ergonomie und ein einfaches Handling. Das ist der Grund, warum wir sagen „Dieses Bracket wurde für Dich, den Doktor, gemacht. Für Dich, die Helferin, und für Dich, den Patienten.“ Es wurde nicht nur für einen von ihnen designed, sondern für jeden von ihnen. Und das von einem großartigen Team an Ingenieuren. Sie haben etwas umgesetzt, das sich – nach meinem Verständnis – als unheimlich schwierig erweist – ein extrem hohes Maß an Präzision. Sie haben wie die Ameisen gearbeitet, wie ein Schweizer Uhrwerk – jeder von ihnen. Wie bei der Konstruktion einer Rakete hat jeder seine Arbeit getan, wobei Scheitern zu keiner Zeit eine Option darstellte.

Der zur Anwendung kommende Herstellungsprozess beim SLX Clear Bracket ist das CIM-Verfahren?

Ja, das ist korrekt. Ceramic Injecting Molding.

Wie verhält es sich mit Verfärbungen des Keramikmaterials?

Absolut Null.

Und was ist mit Brüchen?

Alles wunderbar, da wir Füllstoffe verwenden. Wir haben klinische Test durchgeführt, die zeigen, dass das Bracket außergewöhnlich konsistent ist. Wir testeten intensiv jede Ecke des Brackets, um sämtliche Kapazitäten für potenzielle Brüche zu reduzieren. Die Technologie wurde regelrecht „ausgequetscht“, um letztlich ein solch zuverlässiges Produkt zu realisieren.

Lassen Sie uns zum neuen Metallbracket kommen.

Dieses hat exakt das gleiche Design wie das Keramikbracket. Insofern können wir einen Teil des Mundes mit Metallbrackets und den anderen Teil mit der ästhetischen Variante kleben, ohne dass es zu Veränderungen kommt. Man muss sich nicht für eines der Brackets entscheiden, man kann diese mixen. Selbst wenn Sie pro Zahn zwischen Metall und Keramik wechseln, wird ein perfektes Finishing umsetzbar sein.

Einen kleinen Unterschied gibt es jedoch, richtig?

Ja, es gibt einen Unterschied bezüglich des Bondings. So ist die Basis des Keramikbrackets mit pilzförmigen Zapfen ausgestattet. Zum einen sollten die adäquaten Voraussetzungen für ein korrektes Kleben geschaffen werden, zum anderen sollte das Bracket über eine entsprechend angemessene Haftkraft verfügen, um es leicht debonden zu können. Wir wollten kein grobes Debonding, daher haben wir uns für dieses Design entschieden.

Wie wurde der Slot beim SLX 3D™ gestaltet?

Wir strebten einen Slot mit einer hohen Präzision an. Eine der herausragenden Eigenschaften unseres vorherigen SLX Brackets war dessen Slotgenauigkeit, welche entsprechend der Untersuchungen von Dr. Khaled Hazem Attia als die beste eingeschätzt wurde. So wurde im Rahmen der Studien bestätigt, dass das Carriere Bracket das genaueste passive SL-Bracket am Markt ist. Und diese Präzision wollten wir bewahren, sodass wir das gleiche Niveau an Effizienz auch in unser neues Bracket integriert haben. Wir haben damit einen regelrechten Sportwagen gewonnen und nicht nur einen Bobby-Car.

Wie viele Fälle haben Sie bereits mit dem SLX 3D™ Metall- bzw. Keramikbracket behandelt?

Ich arbeite seit einigen Monaten mit diesen Brackets, und zwar in verschiedenen Szenarien. Anstatt in jedem Fall von Grund auf mit dem Bracket zu beginnen, habe ich diese Fälle in verschiedenen Levels behandelt. Das heißt, Patienten, bei denen mit traditionellen Brackets oder mit unserem bisherigen SLX Bracket begonnen wurde, habe ich z.B. in der Mitte der Behandlung entbändert und in diesem Stadium mit unseren neuen Brackets beklebt. So konnten wir mit jedem Bogen in verschiedenen Therapiephasen die einzelnen Szenarien für dieses Bracket untersuchen.

Gibt es schon wissenschaftliche Veröffentlichungen zu den Bracketneuheiten?

Nein, da dies eine Innovation darstellt, noch nicht. Wir haben all diese verschiedenen Tests und Checks auf dem Niveau von Laboruntersuchungen durchgeführt. Untersuchungen, die einfach nötig sind, um letztlich solch eine brillante Resonanz bei unseren klinischen Ergebnissen zu erhalten.

Welche Bögen empfehlen Sie für das Arbeiten mit dem SLX 3D™ Metall- und welche für das Keramikbracket?

Wir arbeiten momentan an einer neuen Bogensequenz, von der ich nicht weiß, ob ich sie im Augenblick überhaupt schon preisgeben kann. Mein traditionelles Protokoll war schon immer das folgende: .014'', .014'' x .025'', .017'' x .025'' und .019'' x .025''. Doch, wie gesagt, arbeiten wir an einem neuen Bogenprozess, da wir die Behandlungszeit auf die kürzest mögliche verringern möchten, und das bei gleichzeitig größtmöglicher Leistung. Uns liegen bereits sehr interessante erste Ergebnisse vor.

Kommen wir zu den Alignern. Was war Ihre Intension für diesen Entwicklungsschritt?

Aligner stellen im Bereich der Kieferorthopädie ein hervorragendes Instrument dar. Jedoch ist deren Problem, dass sie einen kompletten Fähigkeitsmangel aufweisen, die korrekte Positionierung von Ober- und Unterkiefer umzusetzen. Sie sind nicht in der Lage, angemessene Atemwegsverhältnisse zu schaffen bzw. eine atemwegsfreundliche KFO-Behandlung zu realisieren. Aligner weisen einen absoluten Mangel an Effizienz beim Ausgleichen der Kiefergelenke in deren korrekte Position auf. Was ich meine, ist, dass wenn der Unterkiefer retrudiert und der Diskus nach vorn verlagert ist, können Aligner diesen nicht in seine korrekte Position bringen. Sie sind nicht in der Lage, den Unterkiefer zu distrahieren, um den Platz für eine adäquate Repositionierung der Zähne und eine korrekte Relation zwischen dem distalen und mesialen Ligament im oberen Bereich des M. pterygoideus lateralis zu schaffen. Das können wir mit Alignern nicht umsetzen.

Unsere Bedenken sind, dass Aligner in der Kieferorthopädie bislang nicht so eingesetzt wurden, wie sie bei unseren Patienten hätten sollen. Ich sage das, weil ich denke, dass Aligner heutzutage hauptsächlich aus kosmetischen Gründen verwendet werden. Unsere Patienten sind aber nicht nur aus kosmetischen Gründen bei uns. Sie mögen ein wenig kosmetische KFO brauchen, gleichzeitig benötigen sie jedoch eine Harmonisierung ihrer Strukturen, ein gesundes Zahnfleisch, gesunde Kiefergelenke, adäquate Atemwege und ein hübsches Gesicht. Ein schönes Verhältnis zwischen Nase, Oberlippe, Unterlippe und Kinn. Und das machen die Aligner nun mal nicht. Daher verfolgen wir einen anderen Ansatz, nämlich den Behandlungsansatz „better together“.

„Better together“ stellt die richtige Kombination aus Motion™ Apparatur als jenes Tool zur Umsetzung eines schönen Verhältnisses von Nase, Lippen und Kinn, zur Realisierung der korrekten UK-Position, zur Erreichung adäquater Atemwege, für die Relokalisation der Gelenke und aus Alignern dar. Und sobald wir dann eine Klasse IVerzahnung erreicht und eine adäquate Funktion und Position hergestellt haben, nutzen wir die Vorteile von Alignern.

Wir wollten Aligner von höchster Leistungsfähigkeit herausbringen. Und so steht uns nun diese neue Plattform zur Verfügung, die zudem schön anzusehen ist – wahrscheinlich die schönsten Aligner, die man heutzutage am Markt finden kann. Unsere Aligner sind kristallklar, passen super, erscheinen sehr attraktiv und sind – und das ist ein sehr wichtiger Aspekt – frei von jeglichen Attachments. Daran waren wir ganz besonders interessiert. Denn Alignerpatienten legen keinen Wert darauf, ästhetische Brackets unter dem Namen „Attachments“ auf ihren Zähnen zu haben, das wollen sie nicht. Und wir sind nicht daran interessiert, Aligner zu platzieren. Was wir brauchen, ist eine zuverlässige Plattform, die die Positionierung in allen drei Ebenen, welche die Bewegungen der dritten Ordnung auf konstante Weise kontrollieren kann. Und jetzt haben wir diese Aligner. Aligern, die schon in mehr als 50.000 Fällen erfolgreich eingesetzt wurden.

Aus welchem Material sind die Aligern gefertigt?

Zendura® heißt das Alignermaterial. Es ist das beste Material, das man heutzutage für Aligner am Markt bekommen kann.

Dr. Carrière, haben Sie vielen Dank für dieses Interview.

Dieser Beitrag ist in den KN Kieferorthopädie Nachrichten erschienen.

Foto: OEMUS MEDIA AG
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