Branchenmeldungen 17.02.2026

„Endodontie funktioniert nur, wenn man sich im Team blind aufeinander verlassen kann“



Wurzelbehandlungen sind für Patienten oft der pure Stress. Wenn die Anspannung steigt und die Spritzenangst sich bemerkbar macht, gilt es, das Vertrauen des Patienten zu gewinnen. Dafür braucht es ein ­eingespieltes Praxisteam, das Ruhe und Struktur ins Behandlungszimmer bringt. Solch eine versierte ­Fachkraft ist Sylvia Reiner.

„Endodontie funktioniert nur, wenn man sich im Team blind aufeinander verlassen kann“

Foto: © privat; der Hintergrund: © Studio Romantic – stock.adobe.com

Als ZFA, Dentalhygienikerin und DGET-Mitglied weiß sie, wie viel Verantwortung und fast schon detektivische Feinarbeit von ihr als endodon­tische Assistenz gefordert wird. Weshalb die ­Endodontie für sie so spannend ist, und was genau eine ZFA in der Endodontie mitbringen sollte, erklärt sie im Interview.

Was hat Sie dazu bewogen, sich auf den Bereich Endo­dontie zu spezialisieren?

Die Endodontie hat mich von Anfang an begeistert, weil hier Präzision, Ruhe und Teamarbeit auf höchstem Niveau zusammenkommen. Besonders die mikroskopgestützte Behandlung hat mir gezeigt, wie entscheidend jedes Detail ist – sowohl auf Behandler- als auch auf Assistenzseite. Eine gute Endo-Assistenz erkennt, was als Nächstes benötigt wird, oft bevor es aus­ge­sprochen wird – ­genau diese vorausschauende Rolle wollte ich unbedingt einnehmen. Mich motiviert vor ­allem, Teil eines Prozesses zu sein, bei dem wir gemeinsam einen Zahn erhalten können, der sonst verloren wäre.

Welche besonderen Weiterbildungen oder persönlichen Eigenschaften sind aus Ihrer Sicht notwendig, um in der Endodontie-Assistenz erfolgreich zu sein?

Ich profitiere sehr von den Webinaren und Fortbildungen der DGET, da ich so noch besser verstehe, was der Zahnarzt braucht. Neben fundierten Kenntnissen in der Zahnmedizin sind vor allem Sorgfalt, Konzentrationsfähigkeit und ein sehr gutes Zeit- und Materialmanagement entscheidend. In der Endodontie arbeitet man häufig über längere Zeiträume hinweg hochkonzentriert – da muss jeder Handgriff sitzen. Mit dem Zahnarzt ein gut eingespieltes Team zu bilden ist dabei das A und O. Teamfähigkeit ist also eine unerlässliche Eigenschaft in diesem Feld.

Welche Rolle spielen Sie während der eigentlichen Wurzelkanalbehandlung?

In der Endodontie bin ich aktiv in den gesamten Behandlungsablauf eingebunden. Die Patienten kennen mich bereits vom ersten Moment an bei der Terminvergabe. Für die Behandlung bereite ich sämtliche Materialien und Instrumente vor, assistiere unter dem OP-Mikroskop, strukturiere den Ablauf und sorge für optimale Bedingungen im Behandlungsfeld. Im Vergleich zu einer „normalen“ Zahnbehandlung ist die Arbeit deutlich komplexer und detailverliebter. Die Kommunikation mit dem Behandler ist intensiver und nonverbal, das Zusammenspiel im Team enger. Endodontie funktioniert nur, wenn man sich im Team blind aufeinander verlassen kann.

Welche häufigen Herausforderungen begegnen Ihnen im Praxisalltag bei endodontischen Behandlungen?

Fachliche Herausforderungen sind komplexe Wurzelkanalanatomien oder Revisionsbehandlungen, die höchste Konzentration auf beiden Seiten verlangen. Gleichzeitig begegnen uns häufig Patienten mit Ängsten oder schlechten Vorerfahrungen. Gerade hier ist es wichtig, Ruhe auszustrahlen, Vertrauen aufzubauen und als Team Sicherheit zu vermitteln. Besonders schön ist es, wenn Patienten nach der Behandlung sichtbar erleichtert sind und unsere ruhige, wertschätzende Atmosphäre zurückmelden.

Welche Tipps würden Sie jungen ZFA geben, die sich für Endodontie interessieren?

Mein wichtigster Tipp ist: Neugierig bleiben und aktiv nach Lernmöglichkeiten suchen. Wer sich für Endodontie interessiert, sollte gezielt Fortbildungen besuchen, hospitieren und keine Scheu haben, Verantwortung zu übernehmen. Endodontie ist kein Bereich, den man „nebenbei“ macht – aber genau das macht ihn so spannend. Wer Freude an Präzision, Teamarbeit und anspruchsvoller Zahnmedizin hat, findet hier ein unglaublich erfüllendes Tätigkeitsfeld.

Vielen Dank für das Gespräch!

Sylvia Reiner teilt ihren Arbeitsalltag

Endodontie Journal 04/25

Endodontie Journal


Dieser Beitrag ist im EJ Endodontie Journal erschienen.

Das Endodontie Journal richtet sich an alle auf die Endodontie spezialisierten Zahnärzte im deutschsprachigen Raum und ist eine der führenden Zeitschriften in diesem Fachbereich. Das Themenspektrum des vierteljährlich erscheinenden Magazins reicht von praxisorientierten Fallberichten über klinische Studien bis hin zu Updates aus Forschung, Technik, Recht und Praxismanagement.

Jetzt das ePaper lesen.

Mehr News aus Branchenmeldungen

ePaper