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Branchenmeldungen 28.02.2011

Erster großer Schweizer Zahntechniker-Kongress seit 15 Jahren

Georg Isbaner
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Katja Kupfer
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Erster großer Schweizer Zahntechniker-Kongress seit 15 Jahren

Das Dentalunternehmen CAMLOG und die Schweizer Zahntechniker Verbände veranstalteten in Luzern, Schweiz, einen Zahntechniker-Kongress mit der Fragestellung, ob bzw. inwieweit die Zahntechnik der Zukunft konventionell und/oder virtuell ist. Am Ende gab es viele Anregungen, aber auch offene Fragen.

Über 350 Teilnehmer kamen am Samstag, dem 6. November, im Luzerner Verkehrshaus zusammen, um sich über die Richtung und die Möglichkeiten der modernen Zahntechnik zu informieren. Allein diese Zahl an Gästen zeigte, wie groß das Interesse in der Schweiz ist, sich über die Trends der aktuellen modernen Zahntechnik zu informieren.


Der Schweizer Hersteller und Anbieter von Komplettsystemen und Produkten für dentale Implantologie und restaurative Zahnheilkunde, CAMLOG, sowie der Verband Zahntechnischer Lehrmeister (VZLM) kooperierten für den ersten großen Schweizer Zahntechniker-Kongress seit 15 Jahren. Dabei ging es vor allem um die Frage, ob beziehungsweise inwieweit die moderne Zahntechnik konventionell und/ oder virtuell arbeitet.

Jürg Eichenberger, Präsident des Verwaltungsrates der CAMLOG Holding AG, wies die Teilnehmer in seiner Begrüßungsansprache darauf hin, dass eine der wesentlichen Voraussetzungen für den Gesamterfolg der Implantattherapie die enge Zusammenarbeit zwischen Zahnarzt und Zahntechniker ist: „Der Teamgedanke hat maßgeblichen Anteil am Gelingen des implantologischen Zahnersatzes“, so Eichenberger. Gleichzeitig betonte er, dass in der Zahntechnik ein großer Umbruch im Gange ist. Industrielle Fertigungstechniken revolutionieren sowohl die Branche im Allgemeinen als auch das Berufsbild des Zahntechnikers im Besonderen. Aus Zahnlaboren würden „Fräszentren“, der Scanner emanzipiere sich zum wichtigsten „Mitarbeiter“ und letztlich avanciere der Zahntechniker zum Dentaldesigner, so Eichenberger. Was diese Spannweite bedeutet, zeigten die folgenden Vorträge.

Die Referenten zeigten die Vor- und Nachteile konventioneller und virtueller Techniken auf. So forderte der Zahntechnische Lehrmeister (ZTLM) Vanik Kaufmann in seinem Beitrag, dass schon die Ausbildung sich sowohl den konventionellen als auch den virtuellen Fertigungstechniken widmen sollte. Gleichzeitig machte er sich für die Verwendung von Presskeramiken stark, da diese den Vorteil der Kaltverklebung hätten. Anders als beim Brennverbund würden beim adhäsiv verklebten Keramikverbund keine Wärmeverspannungen am Werkstück auftreten können. Damit sei eine höhere Stabilität der Versorgung möglich.

Außerdem wies Kaufmann auf eine bahnbrechende Neuentwicklung bei den Intraoralscannern hin. Der amerikanischen S-Ray Corporation sei es nunmehr gelungen, mithilfe eines Ultraschallscanners ein dreidimensionales Bild der Zähne zu erzeugen, das sogar Frakturen und kariöse Strukturen abbilden kann. Damit würden entscheidende Nachteile der digitalen Volumentomografie (DVT) und des Röntgen umgangen. Bisher war der Intraoralscanner noch der missing link in der digitalen Prozesskette. Obzwar zahlreiche Hersteller schon hervorragende Geräte in diesem Bereich anbieten würden, sei die Praxistauglichkeit nicht immer befriedigend. Der Ultraschallscanner könne den Durchbruch bedeuten, so Kaufmann.

Gerhard Stachulla berichtete von den Vorteilen der virtuellen Planung. So können Behandler und Techniker mithilfe virtueller Planungssoftware interaktiv die prothetische Planung vornehmen, so Stachulla, und dabei detaillierter und sicherer planen als zuvor. Hans-Peter Spielmann machte in seinem Vortrag deutlich, dass die virtuellen Verfahren derzeit aber auch an eine physikalische Grenze stoßen können. Die Genauigkeit der digitalen Technik könne von kaum einer Fräsmaschine umgesetzt werden. Auch hier habe man es noch mit einem Entwicklungsprozess zutun, der nicht abgeschlossen zu sein scheint, so Spielmann.

Etliche Referenten wollten aber dem vermeintlichen Siegeszug der digitalen Verfahren auch die Analysefähigkeiten, die Kreativität und ästhetischen Vorteile der handwerklichen Zahntechnikerkunst entgegensetzen. Besonders bei ästhetisch anspruchsvollen und technisch komplexen Arbeiten werde das handwerkliche Können des Zahntechnikers weiterhin gebraucht, so Paul Giezendanner. So zeigte Jürg Stuck in seinem Referat, wie durch die behutsame Berücksichtigung des Sprachprofils des Patienten prothetische Erfolge erzielt werden können, die jenseits des Diktums oberflächlicher Ästhetik liegen. Die Artikulation der menschlichen Sprache besitzt einen außerordentlichen Individualisierungsgrad, der durch prothetische Eingriffe verändert werden kann.

Viele Patienten verlieren ihr natürlich-individuelles Sprachprofil nach einer umfassenden prothetischen Behandlung, weil dieser Aspekt nur selten in die Planung einbezogen würde, so Stuck. Durch eine genaue Analyse der vorherigen Situation könne man aber mihilfe des Zahnersatzes das Sprachprofil therapeutisch beeinflussen.

Franz Noll beschloss die Vortragsreihe durch einen Rück- und Ausblick mit elf Jahren Erfahrung mit dem eigenen Dentallabor und Fräszentren. Zwar setze sein Unternehmen entschieden auf Industrialisierung und digitale Fertigungsverfahren im zahntechnischen Bereich, dennoch wurden in den letzten Jahren Speziallabore eingerichtet, die sich der zahntechnischen Handwerkskunst verschrieben haben, um auch die gehobenen Ansprüche der Patienten nach individuellem und ästhetisch hochkarätigem Zahnersatz bedienen zu können.

Die Bandbreite der Vorträge hat gezeigt, dass es nicht mehr um die Frage geht, ob Zahntechnik in Zukunft konventionell oder digital sein wird. Beide Aspekte werden weiterhin eine Rolle spielen. Vielmehr kommt es auf eine geschickte Mischung der konventionellen Methoden mit den digitalen Verfahren an. Der derzeitige Entwicklungsstand der Zahntechnik lässt es aber für die einzelnen Zahntechniker nur schwer zu, Investitionen vernünftig planen zu können. Die neusten Maschinen und Programme bedeuten immer auch eine große finanzielle Belastung, die durch die rasante technische Entwicklung risikobehafteter wird. Es bleibt spannend. Daher braucht es mehr solcher großen Überblicksveranstaltungen.

Autor: Georg Isbaner

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