Branchenmeldungen 02.03.2026
Fachkräftemangel trifft auf KI: Gesundheits- und Life-Sciences-Branche vor Wendepunkt
Laut Report haben weltweit 77 Prozent der Arbeitgeber im Gesundheits- und Life-Sciences-Bereich Schwierigkeiten, qualifizierte Fachkräfte zu finden. Besonders betroffen sind pflegerische Berufe, medizinische Spezialist*innen sowie daten- und technologieaffine Rollen. Parallel dazu nutzen bislang nur 19 Prozent der Unternehmen KI umfassend, um ihre Einstellungs- und Recruiting- Prozesse zu verbessern - trotz ihres hohen Potenzials, Abläufe zu beschleunigen und Personalengpässe abzufedern. Auch geht es darum, z.B. die Produktion wieder in die Länder zurückzuholen und die damit verbundenen neuen Standorte erfolgreich und mit dem richtigen Personal aufzubauen.
«Die Gesundheitsbranche steht unter enormem Handlungsdruck: Der Fachkräftemangel gefährdet nicht nur Wachstum, sondern zunehmend auch die Versorgungssicherheit, gerade auch hier in Europa. Gleichzeitig bietet KI große Chancen - allerdings nur dann, wenn Unternehmen sie strategisch einsetzen und ihre Mitarbeitenden gezielt darauf vorbereiten,» sagt Iwona Janas, Country Manager der ManpowerGroup Deutschland.
KI kann entlasten - ersetzt aber keine Menschen
KI wird bereits erfolgreich in Diagnostik, Früherkennung, Forschung, Arzneimittelentwicklung und Prozessoptimierung eingesetzt. Krankenhäuser und Pharmaunternehmen nutzen datenbasierte Analysen, «digitale Zwillinge» und Automatisierung, um Effizienz und Qualität zu steigern. Dennoch bleibt die Akzeptanz auf dem Arbeitsmarkt eine zentrale Herausforderung. Viele Beschäftigte fühlen sich unzureichend vorbereitet, insbesondere im Umgang mit neuen Technologien.
Gleichzeitig betonen Arbeitgeber, dass ethisches Urteilsvermögen, Patient:innenorientierung und Kommunikationsfähigkeit zu den am schwierigsten automatisierbaren Kompetenzen zählen. Und diese Skills zählen gerade in den pflegerischen Berufen. Die Branche steht damit vor einem Balanceakt: technologische Innovation vorantreiben - und zugleich menschliche Fähigkeiten gezielt stärken.
Ohne strategische Workforce-Planung keine Zukunftssicherheit
Neben KI rückt die strategische Personalplanung in den Fokus. Steigende Kosten, geopolitische Unsicherheiten und der sogenannte «Patent Cliff» (Umsatzrückgang, nach Ablauf des Patentschutzes für Blockbuster-Produkte) in der Pharmaindustrie erhöhen den Druck zusätzlich. Hier geht es um Milliardenumsätze und Veränderungen in der Wertschöpfungskette. Viele Unternehmen reagieren mit zurückhaltender Einstellungspolitik, was den Fachkräftemangel langfristig weiter verschärfen könnte.
«Wer heute ausschließlich auf Kostensenkung setzt, riskiert morgen Versorgungsengpässe und Innovationsverluste. Entscheidend ist eine vorausschauende Workforce-Strategie: mit gezieltem Upskilling, internationalem Recruiting und dem intelligenten Einsatz externer Fachkräfte,» so Janas.
Der Report empfiehlt unter anderem:
- gezielte Qualifizierungs- und Weiterbildungsprogramme für KI- und Digital-Kompetenzen
- den Ausbau internationaler Talentpools
- stärkere Mitarbeitendenbindung, insbesondere erfahrener Fachkräfte
- integrierte Modelle des Total Talent Managements