Branchenmeldungen 23.02.2021

GSK präsentiert Studie zu Perspektiven der Gesundheitsselbsthilfe

GSK präsentiert Studie zu Perspektiven der Gesundheitsselbsthilfe

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GSK Consumer Healthcare und das Healthcare-Beratungsunternehmen Vintura präsentieren heute ihren Bericht über den Status und die Chancen der Gesundheitsselbsthilfe (engl. „Self-Care“) in den europäischen Staaten, darunter auch Deutschland. Der Titel: „Gesundheitsselbsthilfe und ihre Vorteile für die europäische Gesundheitswirtschaft“. Grundlage des Berichts ist eine Studie, die Vintura zwischen Mai und September 2020 im Auftrag von GSK durchgeführt hatte. Dafür kombinierten die Studienmacher eine umfangreiche Literaturauswertung und weitere Sekundärquellen mit den Ergebnissen aus eigens durchgeführten Interviews mit relevanten Interessenvertretern aus nationalen, europäischen und globalen Organisationen.

Die Forscher betonen, dass eine umfassende Kultur der Gesundheitsselbsthilfe die Menschen in die Lage versetze, sich bestmöglich um ihre eigene Gesundheit und ihr Wohlbefinden zu kümmern. Das bringe gesundheitliche Vorteile mit sich, beispielsweise bei der Prävention und bei der Behandlung kleinerer Beschwerden, aber auch bei der Linderung chronischer Schmerzen und selbst bei der begleitenden Therapie schwerer Krankheiten. Gleichzeitig können Eigenprävention, Selbstbehandlung und -medikation den zunehmenden Druck auf die Gesundheitssysteme mindern, etwa durch weniger Hausarztbesuche und Krankenhausaufenthalte.

Victor Geus, Area Manager DACH bei GSK Consumer Healthcare, sagt: „Wir wollen der Gesundheitsselbsthilfe im Leben der Menschen zu einem größeren Stellenwert verhelfen. Unser Ziel ist die bestmögliche Alltagsgesundheit jedes Einzelnen, wir sehen aber auch den großen gesamtgesellschaftlichen und wirtschaftlichen Nutzen von Self-Care. Dafür wollen wir die Zusammenarbeit von Industrie, Behörden, politischen Entscheidungsträgern, medizinischen Fachkräften und Apothekern in Zukunft noch stärker fördern.“

Hindernisse für mehr Gesundheitsselbsthilfe

Nach Ansicht der Forscher existieren jedoch vier zentrale Barrieren, die der weiteren Ausweitung der Gesundheitsselbsthilfe in Europa im Weg stehen. Sie müssen überwunden werden, um die Alltagsgesundheit für alle zu verbessern:

  1. Geringe Gesundheitskompetenz
    Für die meisten Europäer ist es wichtig, ihre Gesundheit selbst in die Hand zu nehmen. Im Schnitt akzeptieren beinahe 80 Prozent aller Europäer, dass ihre Gesundheit in ihrer ureigenen Verantwortung liegt. Aber: Fast die Hälfte (48 Prozent) der erwachsenen Bevölkerung Europas verfügt über eine zumindest sehr eingeschränkte Gesundheitskompetenz, in Deutschland sind es 46,3 Prozent. Und lediglich 2 von 10 Europäern (15 Prozent) fühlen sich„sehr sicher“ im Umgang mit ihrer eigenen Gesundheit. Dementsprechend ist etwa Selbstmedikation für lediglich die Hälfte aller Menschen (48 Prozent) ein Thema.

  2. Begrenzter Fokus auf Gesundheitsprävention
    Die europäischen Länder geben derzeit etwa 80 Prozent ihres gesamten Gesundheitsbudgets für chronische Krankheiten aus, die als weitgehend vermeidbar angesehen werden können. Diese Krankheiten resultieren alle aus denselben Risikofaktoren, wie etwa Rauchen, Alkoholkonsum, ungesunde Ernährung und Bewegungsmangel. Obwohl diese Risikofaktoren weitgehend vermeidbar wären, wenn die europäischen Bürger einen gesünderen Lebensstil führen würden, wurden etwa im Jahr 2013 nur 2,8 Prozent (Deutschland: 3,2 Prozent) des gesamten Gesundheitsbudgets der europäischen Länder für Prävention ausgegeben.

  3. Mangelnde Einbindung medizinischer Fachkräfte
    In vielen europäischen Ländern erhalten Ärzte nur wenige Schulungen zu rezeptfreien Medikamenten (engl. „Over-the-Counter-Drugs“, kurz „OTC“), wodurch diese nicht immer das Mittel der ersten Wahl sind, das sie den Patienten empfehlen. Die Gesundheitssysteme in ganz Europa sind zudem so aufgebaut, dass es oft keinen Verantwortlichen oder keine Anleitung für Gesundheitsselbsthilfe gibt, da das Self-Care-Prinzip zwischen Prävention und professioneller Behandlung angesiedelt ist. Dabei ist Gesundheitsselbsthilfe auf die Einbindung medizinischer Fachleute angewiesen.

  4. Eingeschränkter Zugang zu rezeptfreien Medikamenten in manchen Märkten
    Der Zugang zu rezeptfreien Arzneimitteln ist eine wichtige Voraussetzung für Gesundheitsselbsthilfe. Jedoch unterscheiden sich die nationalen Gesundheitssysteme, Vorschriften und Gepflogenheiten im Zusammenhang mit OTC-Produkten innerhalb Europas stark. Dies führt zu einem ungleichen Zugang zu OTC-Produkten für EU-Bürger in den verschiedenen europäischen Ländern. Unterschiede finden sich etwa in Bezug auf Indikationen, Dosis, Stärke, Kontraindikationen und Packungsgrößen. Darüber hinaus gibt es große Unterschiede in Bezug auf Vertriebskanäle, Werbevorschriften sowie Erstattung und Preisgestaltung.

Lösungsansätze für mehr Gesundheitskompetenz in Europa

Die geringe Gesundheitskompetenz verdeutlicht den grundsätzlich hohen Bedarf an vertrauenswürdiger, zuverlässiger und konsistenter Gesundheitsberatung sowie entsprechenden Dienstleistungen in Europa. Durch Investitionen in die Gesundheitskompetenz können Einzelne befähigt werden, sich gesunde und präventive Verhaltensweisen anzueignen. So würden weniger Krankheiten entstehen, die früher erkannt würden und deren Schweregrad verringert werden könnte. Zudem ergäbe sich durch mehr Gesundheitsselbsthilfe insgesamt ein besserer Gesundheitszustand, eine höhere Produktivität und Beschäftigungsfähigkeit sowie geringere Behandlungskosten wären die Folge.

Der Gesundheitsökonom Professor Lieven Annemans (PHD) von der Universität Gent war maßgeblich an der Studie beteiligt. Anneman sagt: „Es herrscht ein großes öffentliches Interesse an Gesundheitsselbsthilfe und viele wollen ihre Fähigkeiten dahingehend verbessern. Eine möglichst hohe Gesundheitskompetenz schafft genau das: Individuen, die ihre eigene Gesundheit besser steuern und die richtigen Entscheidungen treffen können. Doch dazu bedarf es weiterer Unterstützung und Anleitung.“

Um Gesundheitsselbsthilfe in Europa zu optimieren, ist deshalb die Befähigung von medizinischem Fachpersonal ebenso von Bedeutung wie die von Einzelpersonen. Klare Richtlinien und Schulungen seien wichtig, um Mediziner und Apotheker dabei anzuleiten, wie sie Menschen bei der Gesundheitsselbsthilfe unterstützen können. Gleichzeitig würde so ein Bewusstsein für die Rolle der Selbsthilfe in Europas Gesundheitssystemen sowie für mögliche Wechselwirkungen von rezeptfreien mit verschreibungspflichtigen Medikamenten geschaffen.

Eine weitere Möglichkeit, die finanzielle Belastung der Gesundheitssysteme zu reduzieren und wichtige Voraussetzung für mehr Gesundheitsselbsthilfe, ist die Entlassung von Medikamenten aus der Rezeptpflicht. Denn OTC-Medikamente können den Zugang zu einer wirksamen Behandlung verbessern, die Patientenautonomie erhöhen und die Kosten der staatlichen Leistungsträger senken. Apotheker spielen somit eine Schlüsselrolle für mehr Gesundheitsselbsthilfe, da Apotheken in ganz Europa die wichtigste Quelle für OTC-Produkte und sehr weit verbreitet sind: Im Jahr 2016 konnten rund 58 Prozent der Europäer von ihrem Wohnort aus eine Apotheke innerhalb von 5 Minuten erreichen. Das bedeutet: Die allermeisten Verbraucher haben bei Bedarf sofort Zugang zum Rat eines Gesundheitsexperten und zu OTC-Medikamenten.

Quelle: GSK

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