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Branchenmeldungen 08.12.2011

Gute Aussichten für Implantate aus Zirkonoxid

Roman Wieland
Roman Wieland
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Gute Aussichten für Implantate aus Zirkonoxid

Foto: © ZMK Bern

Zum ersten Mal lud die ZMK Bern zu einer wissenschaftlichen Standortbestimmung rund um das Biomaterial Zirkon. Med. dent. Roman Wieland berichtet.

Seit dem Jahr 2000 wird Zirkonoxid in verschiedenen Bereichen der Zahnmedizin angewendet. Zirkonoxid ist metallfrei, hat eine geringere Plaqueanlagerung und ist aufgrund der weissen Farbe als Implantat in ästhetisch heiklen Zonen sehr interessant. In den 60er Jahren gab es bereits keramische Implantate. Aufgrund nicht befriedigender Langzeitresultate wegen Frakturen konnte sich dies aber nicht etablieren. In den 80er Jahren setzte sich dann das Titan durch und ist mit seiner Langzeitdokumentation der Goldstandard. Zirkonoxid-Implantate erleben momentan eine spannende Entwicklung. Fast 200 Teilnehmer zeigten, dass ein grosses allgemeines Interesse vorhanden ist. Prof. Daniel Buser, ZMK Bern, führte durch die ganztägige Veranstaltung, welche sich eine wissenschaftliche Betrachtung des Themas zum Ziel setzte. Am Morgen wurde über die biologischen Hintergründe und Implantate gesprochen, der Nachmittag war der prothetischen Versorgung mit Zirkonoxid gewidmet.

SLActive ist Goldstandard

PD Dr. Dieter Bosshardt, ZMK Bern, referierte über die Geschichte der Titanimplantate und deren Gewebeintegration. Mittels histologischen und computergenerierten Bildern wurden die Zuhörer auf den aktuellsten Stand der Wissenschaft gebracht. Die SLActive-Oberfläche heilt gemäss den neuesten Patientenstudien von 2011 am schnellsten ein. Weiteres Potential bei den Titanimplantaten, sieht PD Dr. Bosshardt in noch besseren Oberflächen, besseren Abutment-Interfaces und besseren Abutment-Oberflächen.

Zerafil 5 zeigt beste Osseointegration

Neuartige Implantatoberflächen, wie die der Zirkonoxid-Implantate, werden präklinisch an  Gewebekulturen getestet. Dr. Erik Hedbom, Zellbiologe der Universität Bern, zeigte, wie mittels Fluoreszenzmikroskopie die Zellen untersucht werden, wie sie sich auf der Zirkonoxid-Oberfläche anlagern und mit welchen Komponenten sie kommunizieren. Verschiedenste Oberflächen wurden bis jetzt untersucht, die “ZERAFIL 5”-Oberfläche zeigte bis jetzt die beste Osseointegration.

Tierexperimente bestätigen Zerafil 5

Dr. Nikola Saulacic, ZMK Bern, berichtete über präklinische Tests von Zirkonoxid-Implantaten in Tierexperimenten. An Schweinen wurde untersucht, welche Oberflächen sich am besten im Knochen integrieren. Gemäss einer aktuellen Studie zeigt “ZERAFIL 5” die besten Ergebnisse. Bei den Untersuchungen wurden auf den Implantatoberflächen mehrkernige Riesenzellen gefunden, welche bei Titanimplantaten nicht vorkommen. Diese normalerweise in der Immunabwehr vorzufindenden Zellen bereiten momentan noch Kopfzerbrechen und erfordern weitere Abklärungen. Dr. Michael Gahlert aus München präsentierte ebenfalls Tierversuche, bei denen es galt, das Ausdrehverhalten der Implantate mit verschiedenen Oberflächen um die Osseointegration zu untersuchen. Mittlerweile lassen sich ähnlich hohe Einheilungswerte wie beim Titan erreichen.

Die klinische Handhabung eines Keramik-Implantates stellte Dr. Reto Coray, Zürich, anhand des zweiteiligen Zeramex T Systems vor. Dr. Coray gab viele ehrliche und praktische Tipps für das Arbeiten am Patienten, dargestellt mittels 3-D-Animationen und klinischen Bildern.

Stiller Verlust von Zirkonimplantaten

Dr. Norbert Cionca, SMD Genf, berichtete über die klinischen Erfahrungen mit zweiteiligen Zirkonoxid-Implantaten. Wo bei einem Titanimplantat oftmals ein Grauschimmer der Schleimhaut in der Wurzelregion zu sehen ist, erlaubt die weisse Keramik eine Implantation selbst in ästhetisch heiklen Regionen mit dünnem Knochen und dünnem Weichgewebe. Dr. Cionca zeigte die verschiedenen erhältlichen Modelle der vergangen Jahre sowie erste Reviews der vorhandenen Studien. Leider sind die Ergebnisse momentan noch ernüchternd, denn es gehen noch immer viele Implantate verloren, besonders bei Rauchern und im Oberkiefer. Oftmals geht das Implantat über einen “aseptischen Verlust” verloren, bei dem keine grossen Entzündungszeichen vorangehen.

Überlebensraten von 60 bis 90%

Mittlerweile sechs Jahre arbeitet Dr. Michael Gahlert aus München mit einteiligen Zirkonimplantaten und berichtete anhand zahlreicher Fälle über seine klinischen Erfahrungen. Besonders wichtig sei das sorgfältige Beschleifen mit feinen Diamanten und das anschliessende Polieren. Die Gewebeverhältnisse um Keramikimplantate sind viel besser als bei einem Titanimplantat. Durch eine genügend lange Provisorienphase lässt sich das Zahnfleisch sehr schön ausformen. Die von Dr. Gahlert präsentierte Langzeitstudie zeigte einen Implantatverlust von 10% in den ersten vier Wochen, 13 Implantate frakturierten, drei lockerten sich im Frontzahnbereich - insgesamt sind also noch sehr viele Verluste zu verzeichnen. Nach drei Jahren waren 60 bis 90% der Implantate noch im Patientenmund vorzufinden. Am besten schnitten hier die 4mm langen Implantate ab, welche auch nach fünf Jahren noch zu 90% überlebt haben. Dr. Mahlert zeigte erste klinische Bilder der Straumann Keramikimplantate, konnte aber keine Ergebnisse präsentieren, da die Studie noch nicht abgeschlossen ist.

Zirkonoxid benötigt sorgfältige Handhabung

PD Susanne Scherrer, SMD Genf, berichtete über die materialtechnischen Aspekte. Zirkonoxid hat unter allen dentalen Keramiken die höchste Bruchzähigkeit und Biegefestigkeit. Um solch hohe Werte zu erreichen, ist es aber besonders wichtig, dass alle beteiligten Personen, Geräte und Prozesse fehlerfrei zusammenarbeiten. Nur schon kleinste Schleifspuren, aufgrund eines schlechten Designs, können Risse verursachen, wie viele rasterelektronenmikroskopische Bilder eindrücklich zeigten. Für PD Scherrer stellt das Verkleben ein Problem dar, da die Teile bei einer Fraktur nur noch schwer voneinander trennbar sind. Dr. Coray fügte aber an, dass frakturierte verschraubte Lösungen ebenfalls extrem schwierig zu reparieren seien. Dr. Andreas Dmoch zeigte mittels Patientenfällen, wie er in seiner Praxis in Hannover zweiteilige Zirkonimplantate verklebt und darauf CAD/CAM-Abutments verwendet.

Zirkonabutments funktionieren

Dr. Anja Zembic, ACTA Amsterdam, präsentierte eine systematische Übersicht der momentan vorhandenen Studien, um die Anforderungen, die an ein Abutment gestellt werden, zwischen Metall und Keramik zu vergleichen. Ist die Mukosa dünner als 2mm, soll aus ästhetischen Gründen ein Keramik-Abutment verwendet werden. Bei der Auswahl der verschiedenen Abutments zeigten die internen Implantat-Abutment-Verbindungen die grösste Stabilität, das Sekundärteil ist am vorteilhaftesten aus Metall. Individualisierte Zirkonoxid-Abutments bei Einzelimplantaten im anterioren und posterioren Bereich zeigen bis zu fünf Jahren sehr gute klinische Überlebensraten, es ist kein Unterschied zu Titan feststellbar. Sowohl Titan- als auch Zirkonoxid-Abutments verursachen aber sichtbare Verfärbungen an der bukkalen Mukosa. Die individualisierten Procera-Abutments zeigen gute Laborwerte und scheinen mit sehr guten Überlebensraten bis elf Jahre auf die Klinik übertragbar zu sein. Die hohe Chipping-Rate bei Zirkonoxidkonstruktionen bleibt ein ungelöstes Problem und erfordert Verbesserung. Zusammenfassend sind Metallabutments langzeitstabil, biokompatibel, aber nicht ästhetisch. Vollkeramik ist ästhetisch, biokompatibel, jedoch, was die Langzeitstabilität anbelangt, noch zu wenig erforscht.

Bei Zirkonoxid keine Okklusion auf Randleiste

Vollkeramik ist ein sehr interessantes Material, optimale Auswahl je nach Anwendungsgebiet und Verarbeitung sind aber enorm wichtig. Prof. Dr. Urs Belser, SMD Genf, zeigte wie in Zukunft nach einer digitalen Abformung gleich das Gerüst samt Verblendung im CAD/CAM aus Zirkonoxid hergestellt wird. Aktuelle Studien zeigen, dass CAD/CAM-hergestellte Einzelzahn-Zirkonoxid-Abutments sehr gute Überlebensraten haben. Mittels zahlreicher Bilder zeigte Prof. Belser, welchen Einfluss die technischen Eigenschaften von Zirkondioxid auf die Gestaltung haben. Um das Abplatzen von Keramik unter Kaubelastung zu verhindern, ist es wichtig, dass keine Okklusionskontakte auf der Randleiste vorhanden sind. Die Kontakte sollen, wie auch PD Scherrer klar bestätigt, möglichst in der Mitte oder auf dem zentrischen Höcker liegen, eventuelle Schleifkorrekturen dazu müssen perfekt poliert werden. Ein Zirkonabutment darf keine spitzen Ecken (sogenannte “Batman-Ohren”) aufweisen, weil sonst Spannungsspitzen entstehen. Zirkonoxid-Keramik mag zwar ein sehr gutes Material sein, Prof. Belser betonte jedoch, dass sie im Vergleich zu Metallkeramik um ein vielfaches schwächer ist, sich aber aus ästhetischen Gründen sehr gut in die CAD/CAM-Technologie einfügen.

5 bis 10% Marktanteil

In einer spannenden Panel-Diskussion am Schluss der Veranstaltung wurden alle Themen des Tages noch einmal aufgegriffen und alle beteiligten Referentinnen und Referenten diskutierten verschiedene Fragen. Prof. Buser verabschiedete die noch zahlreich anwesenden Teilnehmer und wies darauf hin, dass die Veranstaltung in zwei Jahren wieder stattfinden und mit Spannung erwartet wird, was die Studien zeigen und welche neuen Produkte auf den Markt kommen werden. Moderator Buser sieht das Potential für Zirkonoxid-Implantate momentan bei ca. 5 bis 10%.

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