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Branchenmeldungen 05.03.2012

Homo Microscopicus Endodontariae zu Gast in Heidelberg

Homo Microscopicus Endodontariae zu Gast in Heidelberg

Am 2./ 3. März fand in der Heidelberger Kopfklinik die Frühjahrsakademie der Deutschen Gesellschaft für Endodontologie und zahnärztliche Traumatologie statt. Eine Gruppe von über 100 enthusiastischen Endodontie-Interessierten und etliche Assistenzen nutzten die workshopbasierte Veranstaltung zum fachlichen Austausch und Vertiefung ihrer Fähigkeiten.

Das bestens von OA Dr. Johannes Mente, OA Dr. Thorsten Pfefferle (beide Heidelberg), ZA Klaus Lauterbach (Plankstadt) und Dr. Clemens Bargholz (Hamburg) organisierte sowie von zahlreichen wissenschaftlichen Mitarbeiter/-innen und Studentinnen unterstütze Event bot mit drei komplett mikroskopisch ausgestattete Kursräumen beste Voraussetzungen für eine hervorragende Tagung. Somit konnten in drei Halbtagessessions am Freitagnachmittag und Samstag insgesamt neun mikroskopunterstütze Workshops angeboten werden.

Nach der Begrüßung durch die Organisatoren hielt Dr. habil. Jürgen Schweitzer als Archäologe einen Begrüßungsvortrag über den Homo Heidelbergensis und die Gründe für dessen fehlenden endodontischen Behandlungsbedarf. Dies ist ersichtlich, da vom Homo Heidelbergensis Anfang des 20. Jahrhunderts nur ein Unterkiefer gefunden wurde, der jedoch bei einem ungefähren geologischem Alter von 200.000 Jahren logischerweise  frei von endodontischer Therapie, aber auch Behandlungfsbedarf war. Dies liegt vermutlich an seinem individuellem Alter von 25 bis 30 Jahren, aber auch an der weitestgehend zuckerfreien Ernährungsweise. Das Endodont hat jedoch nach neuesten hochauflösenden CT-Untersuchung Ähnlichkeiten mit dem des modernen Menschen.

Anschließend verteilten sich die Teilnehmer auf die Räume und starteten die erste der dreistündigen Sessions. Parallel zu den Workshops lieferte jeweils ein wissenschaftlich Vortrag die theoretische Untermauerung des praktischen Teils. Der erste Vortrag wurde von OA Dr. Johannes Mente und OA Dr. Torsten Pfefferle gehalten, die über das Notfall-Management nach Zahntrauma und  die Behandlungsoptionen bei Spätkomplikationen referierten. Dabei gelang es den beiden wissenschaftlichen Mitarbeitern der Heidelberger Kopfklinik sehr anschaulich die Behandlungsschritte darzulegen und präsentierten außergewöhnliche Fälle aus der Ambulanz. Dabei bestärkten Sie die Empfehlungen der vergangenen Jahre nach initialer Notfalltherapie auf das Reparationspotenzial des dento-pulpalen Komplexes zu vertrauen, ohne dabei aber den sinnvollen Zeitpunkt einer notwendigen Therapie nicht zu verpassen.  Wie mittlerweile üblich würden auch Seminare für das gesamte Praxisteam angeboten. Dr. Bijan Vahedi (Augsburg) und Oscar von Stetten (Stuttgart) legten dabei die Grundsätze der mikroskopischen Assistenz nahe und gaben Anstöße zur Verfeinerung der Abläufe der gut vorgeschulten endontischen Behandlungsteams. Dr. Carsten Appel (Niederkassel) stellte die Fülltechnik des Squirtings in gewohnt präziser und kurzweiliger Art und Weise vor. Zur Vermeidung von Komplikationen ist dabei besonders auf definierte apikale Aufbereitung zu achten. Thomas Clauder (Hamburg) konnte mit seinem Vortrag die herausragenden Eigenschaften des MTAs herausstellen und die Teilnehmer mit zahlreichen praktischen Tipps versorgen. Einen lebendigen Vortrag eines Überschneidungsfeldes der Endodontie deckte mit dem Workshop über CMD und Endo Dr. Christian Könecke (Bremen) ab. 

Wie üblich endete der erste Tag mit einem fröhlichen Gesellschaftsabend in einem italienischen Restaurant direkt am Ufer des Neckars, wo bis in die späten Abendstunden gemeinsam gegessen, getrunken und geredet wurde.

Am Samstag hielt Priv.-Doz. Dr. Kerstin M. Galler (Regensburg) einen ausgefeilten Vortrag über biologische Mechanismen innerhalb der Pulpa. Das topaktuelle Thema der pulpalen Regeneration wurde dabei ebenso ausführlich behandelt und diskutiert wie moderne Herangehensweisen bezüglich der direkten  Pulpaüberkappung. Fallbezogene Feilensysteme diskutierte Klaus Lauterbach in seinem Workshop und bot die Möglichkeit, dies auch unmittelbar praktisch umzusetzen. Besonders sei dabei erwähnt, dass die Teilnehmer des Kurses bereits im Vorfeld Zähne zusenden sollten, die von Dr. Frank Paqué (Zürich) im micro-CT gescannt wurden. Damit hatten die Teilnehmer bereits vor Beginn des Workshops die Möglichkeit sich auf teilweise sehr komplexe endodontischen Strukturen einstellen zu können und ihr Aufbereitungskonzept entsprechend anzupassen. Interessante und umfassende Lösungsmöglichkeiten wurden z.B. bei C-Shape-Konfigurationen, middle-mesial, Obliteration u.v.m. dargestellt und eingeübt. Dipl.-Stom Michael Arnold (Dresden) stellte unterschiedliche indikationsbezogene Techniken der Fragmententfernung dar und leitete die Teilnehmer während der praktischen Übung mit vielen Tipps und Insider-Informationen an. Zusätzliche Kanalsysteme wie der mb2 stellen den Behandler immer wieder vor besondere Herausforderungen. Zur Erleichterung dieser stellte Dr. Winfried Zeppenfeld (Flensburg) in einer aufbauenden Abfolge von Interpretation von Röntgendiagnostik und Zahnmorphologie, Ertasten von Kanälen und das Aufsuchen von diesen unter dem Mikroskop dar. Über digitale Volumentomografie, die theoretischen Grundlagen und deren Anwendungsmöglichkeit in der Endodontie hielt Marc I. Semper (Köln) ein Seminar ab. Die Probleme digitaler Fotografie zur Behandlungsdokumentation und die Verwaltung der während der Behandlung entstehenden digitalen Daten stellte Carsten Schafflhuber (Überlingen) dar.  Es wurden wieder auch für die Assistenzen nach dem ergonomischen Arbeitskurs am Vortag auch am Samstag spezifische Workshops angeboten. Natürlich spielte die neue GOZ 2012 eine große Rolle während des Vortrags zur endodontischen Abrechnung von Andrea Räuber (Praxisplan, Edingen-Neckarhausen). Interpretationsspielräume innerhalb der Gebührenordnung zur Abbildung der modernen Endodontie sind weiterhin vorhanden und wurden lebhaft dargestellt und diskutiert. Am Nachmittag wurde ein inhaltlich korrespondierendes Seminar über den Umgang mit Kostenerstattern von Manuela Hackenberg durchgeführt. Die zahnärztlichen Teilnehmer erfreuten sich an einem Vortrag von Dr. Bernhard Bengs (Berlin), Dr. Christian Krupp (Hamburg) und Dr. Claudius Steinbach (Göppingen) über den Umgang mit Komplikationen in der Endodontie. Die drei Referenten zeigten durch die Falldarstellung komplexer Situationen und Darstellung der Lösungsmöglichkeiten den Teilnehmern Mittel und Wege auf, diese Situationen zu beherrschen und auch Komplikationen zu vermeiden. Die postendodontische Notwendigkeit einer chirurgischen Kronenverlängerung entsteht nach tiefen kariösen Läsionen oder subgingivalen  Frakturen. In einem praktischen Arbeitskurs stellten Dr. Jan Behring M.Sc. (Hamburg) und Dr. Rüsiger Junker M.Sc.(Nimwegen)/NL) als ausgewiesene parodontolgische Experten einen Überblick über die Indikationen vor und präsentierten ein strukturiertes und schrittweises Vorgehen. Anschließend wurden diese mikroskopunterstützt eingeübt. In einem kompakten Kurs zur mikrochirurgischen WSR ermöglichten Dr. Marco Georgi (Wiesbaden) und Dr. Dr. Frank Sanner (Frankfurt/M.) an speziellen Modellen notwendigen Schritte durchzuführen. Einen praktischen Arbeitskurs zur Milchzahn-Endo wurde von Monika Quick-Arntz (Hamburg) geleitet. Die vielen Möglichkeiten der Milchzahnendo wurden dabei v.a. praktisch durchgeführt und abschließend mit einer konfektionierten Krone versorgt. Dr. Vollker Wettlin (Wenningstedt) stellte sich der Herausforderung der Live-Behandlung und löste dies bravurös. Während der Live-Behandlung kann man viele kleine Schritte der eigenen Behandlung hinterfragen und wertvolle Verbesserungen mitnehmen. Die Fähigkeiten und Notwendigkeiten bezüglich einer endodontischen Publikationen stellte Priv.-Doz. Dr. Christian Gernhardt (Halle /Saale) dar. Es ist zu erwarten, dass aus diesem Workshop wieder die ein oder andere Publikation entstehen wird.

Resümierend war die Frühjahrsakademie in Heidelberg ein tolles Event mit unglaublich hochwertiger Ausstattung. Wie gewöhnlich darf man, auch aufgrund der enormen Leistungen des Organisationsteams, feststellen, dass die Frühjahrsakademie aufgrund der großen Resonanz ein echtes Erfolgskonzept ist. Wir freuen uns bereits auf nächstes Jahr, wenn die Frühjahrsakademie an der Medizinischen Hochschule in Hannover stattfinden wird.

Foto: © Oemus Media AG
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