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Branchenmeldungen 14.10.2019

(Il)legale Drogen – Kryptonit für Zähne und Zahnfleisch

(Il)legale Drogen – Kryptonit für Zähne und Zahnfleisch

Rauschmittel versetzen den Menschen kurzfristig in einen Zustand der Euphorie, Glückseligkeit, steigern die Leistungsfähigkeit oder helfen beim Entspannen. Doch langfristig hinterlassen sie schwere Schäden im Körper – so auch an Zähnen und Zahnfleisch. Daher sollten Zahnärzte für Anzeichen sensibilisiert sein.

Die Folgen des Konsums von Kokain, Heroin, Crystal Meth, Cannabis und Co. für die Mundgesundheit sind – nicht zuletzt aufgrund des starken Abhängigkeitsrisikos – verheerend. Zum einen wirken die Substanzen direkt auf Zähne und Zahnfleisch. Zum anderen verändert sich bedingt durch die Drogenabhängigkeit das Verhalten des Konsumenten: Mundhygiene nimmt dann oftmals eine untergeordnete Rolle ein und wird deutlich vernachlässigt.

Doch nicht nur illegale Drogen, auch legal erhältliche Substanzen wie Alkohol, Tabak oder E-Zigaretten sind bezüglich einer Gesundheitsgefährdung nicht auszuklammern, wenn auch die Wirkungen von anderer Art sind.

Risiken legaler Drogen

Dass die Kombination von Alkohol und Tabak das Risiko für orale Plattenepithelkarzinome erhöht, ist seit Längerem bekannt. Ähnliches gilt für Shishas, die um ein Vielfaches mehr Rauchvolumen freisetzen und neben Nikotin und Nitrosaminen Schwermetalle freisetzen. Trotz bisher fehlender Langzeitstudien konnten auch bei E-Zigaretten bereits entzündungsfördernde Wirkungen festgestellt werden. Mehrere Studien belegen zudem, dass das Risiko für Parodontitis mit steigendem Alkoholkonsum korreliert.

Crystal Meth birgt vielschichtige Gefahren

Crystal Meth, eigentlich N-methyl-alpha-Methylphenethylamin, verursacht Schäden im Mundraum, von denen sich Gewebe und Zähne nie mehr erholen. Das in der synthetischen Droge enthaltene Ammoniak und der rote Phosphor greifen den Zahnschmelz direkt an. Zum Abbau des Dentins kommt außerdem eine Schädigung des Gewebes von Zahnfleisch und der Gesichtsmuskulatur. Die Zähne werden anfällig für Karies, es tritt insbesondere Frontzahnkaries auf. Viele Konsumenten erfahren als Nebenwirkung ein großes Verlangen nach Süßigkeiten und stark zuckerhaltigen Getränken. Die bereits sehr für Karies anfälligen Zähne werden so rapide geschädigt, sie verfaulen und werden brüchig. Hinzu kommt die Hemmung der Speichelbildung, sodass ein Abtransport und Schutz vor Bakterien wird nicht mehr geleistet werden kann. Bruxismus und vernachlässigte Mundhygiene, die aus einer depressiven und labilen Psyche sowie einer allgemeinen Lethargie herrühren, verschlimmern die Situation. Durch die schädigende Wirkung auf Gewebe verfallen nach dauerndem Konsum auch die Gesichtsmuskeln. Die Haut und Schleimhaut verliert ihre Fähigkeit, sich selbst zu heilen, da das gesamte Immunsystem geschwächt wird.

Welche Folgen jahrelanger Kokainkonsum für den Patientenmund hat, zeigte der Zahnarzt Howard Farran auf seiner Facebook-Seite. Die Bilder des perforierten Gaumens waren nicht nur verstörend. Sie sollen auch für das wichtige Thema Drogenkonsum und Zahngesundheit sensibilisieren. 

Cannabis: „Kiffer“ putzen seltener die Zähne

Eine Schweizer Studie legte offen, dass Cannabiskonsumenten deutlich mehr behandelte bzw. erkrankte Zähne haben, so zahnrat.de. Auch hier spielen Vernachlässigung der Mundhygiene in Kombination mit gesteigertem Bedürfnis nach zuckerhaltigen Getränken und Nahrungsmitteln die größte Rolle. Darüber hinaus wird durch Cannabis ebenfalls der Speichelfluss gehemmt – was zusätzlich die Kariesbildung begünstigt.

Loch im Gaumen durch Kokain

Erste Anzeichen für einen Kokainmissbrauch sind Mundgeruch, Schmatzen oder auch Verbrennungen und Schnitte an den Lippen, hervorgerufen durch beschädigte Crack-Pfeifen. Die charakteristischste Folge, die durch Schnupfen der Substanz hervorgerufen wird, ist eine Perforation des Gaumens in Form eines großen, schwarzen Loches. Betroffene (zu 80 Prozent Frauen) sind bei der Nahrungsaufnahme und beim Sprechen eingeschränkt. Im Alltag versuchen sie häufig, das Loch mit Kaugummis, Weißbrot o.Ä. zu verstecken – eine Strategie, die beim Zahnarzt natürlich nicht funktioniert. Daneben sind der Verfall der Nasenschleimhäute und Nasenscheidewand sowie Bruxismus, Zahnschmelzverlust sowie Karies und Zahnfleischverletzungen mögliche Konsequenzen des Kokainkonsums.

Welche Rolle kann der Zahnarzt einnehmen?

Anzeichen für eine Drogenabhängigkeit – egal, ob legal oder illegal – sollten ernst genommen und im Auge behalten werden. Aufklärung über Risiken und Folgeschäden für Zähne und Zahnfleisch sind zudem ein wichtiger Bestandteil der Behandlung. Der Zahnarzt könnte darüber hinaus die alltägliche Mundhygiene immer wieder zum Thema machen, wie auch Empfehlungen für professionelle Hygienemaßnahmen anbieten.

Foto (Symbolbild): Siniehina – stock.adobe.com

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