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Branchenmeldungen 12.10.2017

Weichgewebemanagement auf neuem Niveau

Susan Oehler
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Weichgewebemanagement auf neuem Niveau

Der Schweizer Traditionshersteller Cendres+Métaux lud am 29. und 30. September 2017 zum internationalen Symposium in den Firmenhauptsitz in Biel, Schweiz, ein. Unter dem wissenschaftlichen Vorsitz von Prof. Dr. Florian Beuer, Charité Berlin, stand in diesem Jahr das Thema „Weichgewebemanagement/Weichgewebeanhaftung“ im Fokus.

Das periimplantäre Weichgewebe wird heute als wesentlicher Faktor für die Ästhetik und den Langzeiterfolg einer implantatgetragenen Versorgung betrachtet. Das ideale Behandlungsergebnis muss daher in einer vollständig rekonstruierten Papille und der stabilen Anhaftung des Weichgewebes an das Abutment gesehen werden. Letzteres spielt nicht nur unter ästhetischen Gesichtspunkten, sondern vor allem hinsichtlich der Vermeidung einer bakteriellen Kontamination und somit einer möglichen Periimplantitis eine große Rolle.

Gleichzeitig wünscht sich der Behandler in der täglichen Praxis ein Konzept mit einem schlanken Verfahren und einem effizienten Workflow. So kann eine Implantatversorgung vereinfacht, rationalisiert und einem größeren Patientenkreis zugänglich gemacht werden.

In dem exklusiven Symposium beleuchteten namhafte Referenten unter Berücksichtigung der neuesten wissenschaftlichen Erkenntnisse das spannende Thema „Weichgewebemanagement/ Weichgewebeanhaftung“ mit hoher Praxisrelevanz. Verschraubte sowie zementierte Lösungen wurden in digitalen und analogen Workflows gleichermaßen berücksichtigt.

Zahnmedizin und -technik Hand in Hand

Im Rahmen der feierlichen Begrüßung drückte Dr. Arne-Christian Faisst, CEO Medtech bei Cendres+Métaux, seine Freude darüber aus, Prof. Florian Beuer als Chairman des Symposiums gewonnen zu haben. Der mit diesen herzlichen Worten Angekündigte ergriff anschließend das Mikrofon und stimmte das Auditorium auf die kommenden Vorträge ein. So gehöre laut Prof. Beuer eine natürliche Rot-Weiß-Ästhetik zu den obersten Behandlungszielen in der Implantologie. Mit den richtigen Konzepten und Materialien sei es möglich, diese zu erreichen, wie die folgenden Referenten in ihren Vorträgen anschaulich präsentieren würden, so Beuer.

Den Auftakt des wissenschaftlichen Programms bildete das Referat von Dr. Paul Leonhard Schuh. Er betonte die Bedeutung des Dentaltechnikers beim Erzielen eines ästhetischen Ergebnisses. Die enge Zusammenarbeit zwischen Zahnarzt und -techniker dürfe keinesfalls unterschätzt werden. Zudem erläuterte Schuh dem Publikum unterschiedliche Möglichkeiten des Soft Tissue Grafting und unterlegte sie mit Fallbeispielen aus seiner Praxis.

Im Anschluss daran sprach Dr. Urs Brodbeck zum Einfluss der Materialwahl auf die Entwicklung oder Vermeidung einer Periimplantitis. Er kommt zu dem Schluss, dass Keramik zwar den Vorteil bakterienabweisender Eigenschaften bietet, jedoch einteilige Keramikabutments nicht in Titanimplantaten eingesetzt werden sollten. Die unterschiedlichen Härtegrade dieser beiden Materialien führen ansonsten zu Abrasion und einer nachlassenden Stabilität. Weiterhin fördern Spalten, die sich beim Kauen zwischen Abutment und Implantat öffnen, die Bildung und den Austritt von Bakterienherden aus dem Implantat. Generell sieht Brodbeck es als vorrangige Aufgabe des Dentaltechnikers, leicht zu reinigende Prothesen zu fertigen, ohne Ansatzpunkte für Bakterienanlagerungen. Brodbeck schlussfolgert, dass mit dem richtigen Behandlungskonzept alle gängigen Materialien gute Erfolgsaussichten haben.

Effizienz und gestraffter Workflow

Dem Motiv der Effizienz in der Behandlung widmete sich Dr. Frédéric Hermann. Er erörterte die Möglichkeiten, den digitalen Workflow in neue Behandlungskonzepte einzubinden und empfahl seinen Kollegen eindringlich, die zusätzliche Sicherheit der Guided Surgery zu nutzen. Zudem führte er aus, dass auch der Zahntechniker im digitalen Workflow deutlich von der Zeitersparnis profitiere.

Den Blickwinkel der Mikrobiologie eröffnete die Referentin Dr. Elena Canciani. Die junge Wissenschaftlerin legte eindrucksvoll dar, wo die Unterschiede in der Weichgewebsanhaftung zwischen Implantat und natürlichem Zahn zu finden sind. Da die Bakterienansiedlung von der Oberflächenrauigkeit des Implantats beeinflusst wird, kann laut Canciani auch der Verlauf einer Periimplantitis von diesem Faktor bedingt werden. Die Anhaftung des Weichgewebes wirkt sich nachweislich auf den Erfolg der Osseointegration aus, wodurch Entzündungen und damit einhergehender Weichgewebsverlust negative Indikatoren für die Implantatstabilität darstellen.

Als Verfechter der Sofortimplantation präsentierte sich Dr. Bruno Spindler, Entwickler des Konzepts „Abutments4life“. Die abgewinkelten Abutments folgen der natürlichen anatomischen Richtung der Zahnwurzeln und ermöglichen mit ihrer NCW-Oberfläche ein gutes Anlagern von Weichgewebszellen. Spindlers Empfehlungsfazit lautete, ein sauberes Hybrid-Abutment zum OP-Zeitpunkt einzusetzen und dieses nicht wieder zu entfernen.

Den abschließenden Vortrag des ersten Kongresstages hielt Dr. Torsten Seidenstricker zur Frage, wie der prothetische Workflow verkürzt werden kann. Da Patienten zunehmend weniger Behandlungssitzungen nachfragen, ist eine Straffung der einzelnen Versorgungsschritte künftig immer mehr gefordert.

Mit einem stimmungsvollen Gesellschaftsabend ließen die Teilnehmer den ersten Symposiumstag bei regionalen Köstlichkeiten und guten Gesprächen ausklingen.

Das Ziel heißt Gewebestabilität

Den zweiten Tag des Symposiums eröffnete Dr. Stavros Pelekanos mit einer Analyse des komplexen Systems aus Implantat, Abutment und Krone in der ästhetischen Zone. Er führte als weiteren essenziellen Indikator für die Gewebestabilität den Zeitpunkt der Insertion sowie die Implantatpositionierung an. Wichtig sei laut seiner Ansicht, bei verschraubter Prothetik die Verschraubung nicht auf Implantatlevel im Knochenbereich, sondern unbedingt auf Abutmentlevel durchzuführen. Außerdem sollte die Krone außerhalb des Patientenmundes zementiert werden.

Im anschließenden Vortrag von Prof. Dr. Selim Pamuk wurden die Vorteile der chairside durchgeführten CAD/CAM-Versorgungen anschaulich an praktischen Beispielen, unter anderem mit abgewinkelten Schraubenkanälen, dargestellt. Wie die digitale Implantatplanung eine präzise Vorausrichtung ermöglicht, beschrieb Uli Hauschild in seinem Referat. Im Anschluss daran warnte Dr. Dirk U. Duddeck, Vorsitzender der Clean Implant Foundation, welche Folgen Verunreinigungen auf der Implantatoberfläche für das umgebende Hart- und Weichgewebe haben können. Die von ihm gegründete Stiftung vergibt ein Gütesiegel an Implantatsysteme, welche streng definierte Kriterien erfüllen.

Mit einem Bogenschlag von der Zahnmedizin zum allgemeinen Lernprozess bildete der Vortrag „Mega-Memory: The magic of perfect learning“ von Gregor Staub einen unterhaltsamen und lehrreichen Abschluss des Symposiums.

Über Cendres+Métaux

Cendres+Métaux produziert seit über 130 Jahren Produkte für die Zahnmedizin und Medizintechnik. Der Hauptsitz befindet sich in Biel, dem Zentrum der Schweizer Medtech-Industrie sowie der Hochburg der Uhrenindustrie.

Weltweit bekannt ist Cendres+Métaux für Konstruktionselemente wie z.B. die Marken Dalbo® und Dolder®. Mit dem Dalbo® Kugelanker hat Cendres+Métaux die Entwicklung der Implantatprothetik maßgeblich mitgeprägt. Mit der Akquisition von Abutments4life im März 2017 wurde die Implantatprothetik weiter ausgebaut.

Foto: OEMUS MEDIA AG
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