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Branchenmeldungen 03.03.2021

Initiativ und online: Das 23. Treffen der ITI Sektion Deutschland

Dr. Georg Bach
Dr. Georg Bach
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Initiativ und online: Das 23. Treffen der ITI Sektion Deutschland

Foto: ITI - International Team for Implantology

Ganz anders als gewohnt: Kein frühlingshafter Rheingau war der Ausrichtungsort des 23. Meetings der Deutschen ITI Sektion – pandemiebedingt mussten sich die Deutschen ITI-Fellows 2021 online treffen. Das Fehlen von Präsenz wurde zwar allgemein bedauert, tat der Attraktivität der Veranstaltung aber keinen Abbruch. Ganz im Gegenteil, fünf hochkarätige Vorträge und interessante Neuigkeiten aus der Deutschen Sektion ließen den Freitagmittag am 26. Februar 2021 schnell und kurzweilig verstreichen.

In seinem Grußwort zeigte sich das Leadership-Team der deutschen ITI Sektion hocherfreut darüber, dass mit über fünf Dutzend Fellows sogar noch mehr Teilnehmer an dem Meeting beteiligt waren als in den Vorjahren. „Unsere Sektion ist überaus gut aufgestellt und in der globalen ITI-Welt ein echter Aktivposten!“, mit dieser klaren Aussage leitete Sektionschair Prof. Dr. Dr. Johannes Kleinheinz das wissenschaftliche Programm ein, und in der Tat war es dem Leadership-Team erneut gelungen, facettenreiche und interessante Beiträge neuer ITI-Fellows in ein kurzweiliges Minisymposium zusammenzuführen. „Innovationen im Fokus des ITI“ – dies wäre ein treffender Arbeitstitel für das hochkarätig besetzte wissenschaftliche Programm.

Der besondere Vortrag

Dr. Jochen Tunkel hatte die Aufgabe des „Icebreakers“ übernommen, und diese nicht einfache Aufgabe meisterte er mit Verve. „Social-Media-Perspektiven“ für die ITI Sektion Deutschland stellte er in seinem Vortrag vor – vordergründig betrachtet nicht unbedingt ein Schwerpunktthema für eine Fachgesellschaft vom Schlage eines internationalen Teams für Implantologie – doch Zweifel ließ der in Bad Oyenhausen niedergelassene Oralchirurg in seinen Ausführungen nicht aufkommen. Ganz im Gegenteil, mit einem wahren Social-Media-Feuerwerk überzeugte der Referent und dies vor allem mit „funktionierenden“ Beispielen aus seiner eigenen Praxis. Keine Frage, die Deutsche ITI Sektion muss dieses Potenzial mit dieser unglaublichen Reichweite und sehr hohen Anwenderzahlen nutzen und sie wird es auch. Folgerichtig werden neben der bestehenden und erfolgreichen Facebook-Präsenz nun Anfang März – mit Fokus auf die junge Implantologen-Generation – auch Instagram-Aktivitäten an den Start gehen.

Antrittsvorträge

Vier Kolleginnen und Kollegen referierten als Fellow-Nominees und überzeugten mit ihren Ausführungen. „Der virtuelle Patient in der Implantologie – Digitale Bilddaten und deren klinische Bedeutung“ – mit Prof. Dr. Tabea Flügge referierte eine der renommiertesten Fachfrauen auf dem Gebiet der Digitalen Implantologie. Sie leitet zudem eine entsprechende Stiftungsprofessur an der Charité in Berlin. Es gibt nahezu keinen Bereich in der zahnärztlichen Implantologie und Kieferchirurgie, der nicht mithilfe digitaler Tools besser und vorhersagbarer würde. Mit Planungen von Kieferresektionen bei Tumorgeschehen, über digital geplante und hergestellte Resektionsplatten bis hin zur endgültigen Rekonstruktion des Defekts und Eingliederung eines finalen Zahnersatzes – digitale Optionen gibt es überall. Dadurch, dass sich nicht mineralisierte Strukturen im DVT nicht darstellen lassen, muss ergänzend auf virtuelle Modelle zurückgegriffen werden, um den kompletten virtuellen Patienten zu erhalten. Die Genauigkeit der Planungsdaten wird von Prof. Flügge als gut beurteilt. Das Credo der Berliner Professorin fiel eindeutig aus: „Die Digitale Implantologie hat viele Facetten!“

Der virtuellen Welt treu blieb Dr. Martin Gollner, der über „Rekonstruktive Implantatprothetik – Schnittstelle von Chirurgie, Funktion und Ästhetik“ berichtete. Der in Bayreuth niedergelassene Oralchirurg definierte „Oralchirurgie ist gleich Biologie“, folgerichtig somit auch als Zusammenspiel aus Funktion, Prothetik und Parodontologie. Überzeugende und hervorragend dokumentierte Fallbeispiele belegten, dass er diese Trias vollumfänglich beherrscht und ein Ergebnis im High-End-Bereich erzielt. Besonderen Wert legte der Referent auf die Bedeutung eines strikt patientenindividuellen Vorgehens.

Sowohl an der Universität Ulm als auch in eigener Praxis tätig ist Priv.-Doz. Dr. Sigmar Schnutenhaus, der über „Einteilige Keramikimplantate: Evidenz und mögliche klinische Indikationen“ sprach. Ausgehend von einem potenziellen inflammatorischen Potenzial von Titanimplantaten stellte er Keramikimplantate als hervorragende Alternative vor. Bei diesen favorisiert der in Hilzingen (Baden-Württemberg) niedergelassene Implantologe klar die einteilige Form und berichtet über hervorragende ästhetische und funktionelle Ergebnisse. Auch die zitierten Langzeiterfahrungen weisen Keramikimplantaten eine ausgezeichnete Prognose zu. Die Überlebensrate ist mit der von Titanimplantaten vergleichbar, so seine Einschätzung. Fazit des Referenten war es: Bei Patienten mit Immundefekten und multiplen Allergien stellen Keramikimplantate eine Conditio sine qua non dar.

Dr. Monika Bjelopavlovic beleuchtete ein ganz anderes, außergewöhnliches Themenfeld: „Das andere Fachgebiet: Forensische Odonto-Stomatologie“. Eigentlich in der prothetischen Abteilung der Mainzer Universitätszahnklinik tätig, hat sie sich früh einem weiteren sehr spannenden Fachgebiet zugewandt – der forensischen Stomatologie. Sie definierte hier drei Teilgebiete: Identifikation, Altersschätzung und Bissspurenanalyse. Sie konfrontierte das Auditorium mit einigen durchaus unter die Haut gehenden Bildern, die dennoch alle belegten, wie wichtig dieser außergewöhnliche zahnärztliche Bereich ist und welche Bedeutung er auch für andere Disziplinen darstellt.

„Ein tolles Feuerwerk hochkarätiger Vorträge!“ – treffender als dies einer der langgedienten Deutschen ITI Fellows der ersten Generation online formulierte, kann man es wohl nicht machen. Aber es war nicht nur die Qualität der Vorträge, es war auch der klare Fokus auf die Bewertung neuer Verfahren und (digitaler) Techniken, der bei den deutschen ITI-Fellows außerordentlich gut ankam. Im Anschluss erfolgten ein kurzes Resümee und ein Ausblick „Was war, was kommt? Der Sektionschair Univ.-Prof. Dr. Dr. Kleinheinz konnte über zahlreiche Aktivitäten und Projekte der deutschen ITI-Sektion berichten: Mit fast 1.100 Members und Fellows hat die Sektion nicht nur dem allgemeinen Corona-bedingten Negativtrend getrotzt, mehr noch, sie ist sogar gewachsen. Mit einem gewissen Stolz konnte Kleinheinz auch über eine ausgezeichnete Renewalrate (zweitbester Wert weltweit) der Deutschen Sektion berichten. Für die jüngst verstorbenen Professoren Wilfried Schilli und Dieter Weingart, die beide auch das Amt des ITI Präsidenten innehatten, wird im Herbst dieses Jahres ein Erinnerungssymposium in ihrer früheren gemeinsamen Wirkungsstätte Freiburg in Breisgau stattfinden.

Ebenfalls im Herbst 2021 wird im Rahmen des Young ITI Meetings in Hamburg auch ein Treffen der Study Club-Direktoren stattfinden. Erneut Neuland beschreitet die Deutsche ITI Sektion mit einem Ad-hoc-Webinar zum Thema Zygoma-Implantate, welches vom Education Delegate Univ.-Prof. Dr. Dr. Bilal Al-Nawas auf den Weg gebracht wurde. Im Rahmen dieses Webinars soll dieses Verfahren kritisch hinterleuchtet und bewertet werden. Die positiven Erfahrungen, die in den vergangenen Jahren mit Taskforces zu Zukunftsthemen gewonnen wurden, hat die Deutsche Sektion dazu bewogen weitere Arbeitsgruppen zu gründen (digitale Optionen/Social Media), die bereits erfolgreich tätig sind. Ebenfalls ganz neu ist das Engagement der Deutschen ITI Sektion beim „Spezialpodium Zahntechnik“, welches im Frühjahr im Rahmen der Jahrestagung der südbadischen Zahnärzteschaft in Rust stattfinden wird.

Und dann noch ein Blick ins kommende Jahr – am 25. und 26. März 2022 wird in Dresden der kommende Kongress der Deutschen und Österreichischen ITI Sektionen zum Schwerpunktthema „Nachhaltigkeit in der Implantologie“ stattfinden. Des Weiteren ging der renommierte Andre‘-Schröder-Research-Price der ITI dieses Jahr nach Deutschland, die Preisträger sind zwei Aktivposten unter den deutschen ITI-Fellows. Die gesamte Deutsche ITI Sektion freut sich mit den Gewinnern Prof. Dr. Michael Gahlert und Priv.-Doz. Dr. Stefan Röhling (beide München).

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