Branchenmeldungen 29.07.2026

Politik trifft Praxis: Parlamentarischer Abend der Thüringer Zahnärzteschaft

LZKTH – „Im Thüringer Landtag werden Entscheidungen getroffen, die unser Land auf Jahrzehnte prägen. Deshalb ist es wichtig, dass Politik und Praxis miteinander im Gespräch bleiben. Denn Gesundheitspolitik muss sich am Ende im Praxisalltag bewähren.“ Mit diesen Worten begrüßte Kammerpräsident Dr. Ralf Kulick die Gäste zum Parlamentarischen Abend der Thüringer Zahnärzteschaft am 25. Juni 2026 im Landtag.

Politik trifft Praxis: Parlamentarischer Abend der Thüringer Zahnärzteschaft

Foto: LZKTh

Mehr als einhundert Vertreter aus Politik, Zahnärzteschaft, anderen Heilberufen und Freien Berufen, Krankenkassen, Hochschulen sowie Gesundheitswirtschaft waren der Einladung von Landeszahnärztekammer Thüringen und Kassenzahnärztlicher Vereinigung Thüringen gefolgt. Im Mittelpunkt des Abends standen keine politischen Grundsatzreden, sondern der offene Austausch zwischen Politik und zahnärztlicher Praxis.

Nach der Eröffnung durch Landtagsvizepräsidentin Dr. Cornelia Urban spannte Dr. Kulick den Bogen von den Erfolgen der Präventionszahnmedizin zu den aktuellen gesundheitspolitischen Herausforderungen. Die Ergebnisse der Sechsten Deutschen Mundgesundheitsstudie zeigen, wie sehr sich die Mundgesundheit der Bevölkerung verbessert hat. „Wer heute unsere Prävention bestraft, Mittel kürzt und Behandlungsstrukturen aushöhlt, spart zwar kurzfristig, produziert aber die Kostenexplosion von morgen“, warnte Dr. Kulick.

Auch KZV-Vorstandsvorsitzender Dr. Knut Karst warnte vor pauschalen Sparmaßnahmen: „Wenn man gesetzgeberisch nach 2024 und 2025 ein weiteres Mal mit dem Rasenmäher über die Versorgung fährt, wird das Folgen haben“, warnte er angesichts der geplanten Abschläge bei der Vergütungsentwicklung in den Jahren 2027 bis 2029. Besonders kritisch sehe die Zahnärzteschaft den geplanten Fachzahnarztvorbehalt in der Kieferorthopädie, der im ländlichen Raum die wohnortnahe Versorgung gefährden könne.

Nachwuchs sichern und Bürokratie abbauen

Für eine langfristige Sicherung der Versorgung im Freistaat fordern Kammer und KZV eine Stärkung der Zahnklinik an der Friedrich-Schiller-Universität Jena sowie mehr Zahnmedizin-Studienplätze, die mit einer Ausweitung der Landzahnarztquote an Thüringen gebunden sind. Auch eine enge Zusammenarbeit mit der neuen Health and Medical University Erfurt könne zusätzliche Nachwuchskräfte für Thüringen gewinnen. Dr. Karst erinnerte aber an die langen Zeiträume solcher politischen Entscheidungen: „Es braucht acht Jahre, ehe ein Student tatsächlich in der Versorgung vor Ort ankommt.“ Positiv bewertet die Thüringer Zahnärzteschaft die 2026 in Kraft getretene erweiterte Förderung von Praxisniederlassungen, welche durch permanentes Nachbohren der Zahnärzteschaft zustande kam.

Daran knüpfte Thüringens Gesundheitsministerin Katharina Schenk in einem Statement zu den aktuellen Herausforderungen des Gesundheitswesens an. Den von der Bundesregierung geplanten Fachzahnarztvorbehalt für kieferorthopädische Behandlungen sah auch Schenk kritisch, verteidigte jedoch die pauschale Begrenzung der Vergütungsentwicklung.

Politische Entscheidungen treffen praktische Erfahrungen

Eine kurze Fragerunde mit den gesundheitspolitischen Sprechern der Landtagsfraktionen griff die zentralen Themen des Abends nochmals auf. Moderator Dr. Jörg-Ulf Wiegner (Saalfeld/Saale) führte anhand von drei Leitfragen durch das Gespräch und arbeitete mit gezielten Nachfragen die Positionen der einzelnen Fraktionen heraus.

Einigkeit zwischen Politik und Praxis besteht offenbar beim Bürokratieabbau. Ziel könne sein, Kontrollen und Dokumentationen auf das nötige Maß zu begrenzen, neue Nachweispflichten kritisch zu hinterfragen und Kompetenzen der Selbstverwaltung stärker für praxistaugliche Lösungen zu nutzen. Jede vermiedene Verwaltungsaufgabe entlaste nicht allein den Berufsstand oder stärke die Attraktivität der freiberuflichen Berufsausübung, sondern schaffe zusätzliche Zeit für die Behandlung und komme damit den Patienten zugute.

Anschließend setzten die Gäste den Austausch in persönlichen Gesprächen fort. Gerade darin lag der besondere Wert dieses Parlamentarischen Abends der Thüringer Zahnärzteschaft: Hier trafen politische Entscheidungen auf praktische Erfahrungen. Im direkten Dialog ließen sich Argumente hinterfragen, Sichtweisen erläutern und Verständnis schaffen – etwas, das schriftliche Stellungnahmen allein nicht leisten. Denn gute Gesundheitspolitik kann nur dort entstehen, wo Politik und Praxis miteinander im Gespräch bleiben.

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