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Branchenmeldungen 31.01.2018

600 Kilometer: Zahnärztin pendelt zwischen Praxis und Ehrenamt

600 Kilometer: Zahnärztin pendelt zwischen Praxis und Ehrenamt

„Jedes Mal, wenn ich vom Dienst komme, bin ich glücklich.“ Zahnärztin Dr. Susanne Dröge im exklusiven Interview mit der ZWP online-Redaktion über ihre ehrenamtliche Arbeit in der Malteser Migranten Medizin (MMM).

Dr. Susanne Dröge, von Beruf Zahnärztin, besitzt eine Gemeinschaftspraxis in Koblenz. Ihrer ehrenamtlichen Tätigkeit geht sie allerdings in Berlin nach. Warum das so ist und wie ihr der Spagat in zwei durch 600 Kilometer getrennten Städten gelingt, hat sie uns im Exklusivinterview verraten.

Seit wann engagieren Sie sich ehrenamtlich und in welchen Projekten / Einrichtungen waren Sie schon tätig?

Ich bin seit 2010 ehrenamtlich in Berlin tätig, zuerst in einer Tagesstätte für Obdachlose in Lichtenberg im Weitlingkiez, danach am Ostbahnhof und seit ca. sechs Jahren bei der Malteser Migranten Medizin in der Aachener Straße.

Warum sind Sie ausgerechnet in Berlin ehrenamtlich tätig und nicht in Koblenz? Wie gelingt Ihnen der Spagat zwischen Praxis und Ehrenamt in zwei durch 600 Kilometer getrennten Städten?

Seit 1985 bin ich als Zahnärztin tätig, seit 1993 in Koblenz niedergelassen. 2009 ging mein Mann als evangelischer Bischof nach Berlin. Die Familie zog nach Berlin und ich gründete mit einer Kollegin in Koblenz eine Gemeinschaftspraxis. Dadurch konnte ich wöchentlich zwischen beiden Städten pendeln. Ich hatte als evangelische Pfarrfrau 25 Jahre lang Obdachlose und Bedürftige im Pfarrhaus versorgt und wollte meine professionellen Möglichkeiten in meiner „praxisfreien Berlin-Woche“ einbringen und mich engagieren.

Was unterscheidet die Arbeit bei MMM (und auch älteren Projekten wie der Tagesstätte für Obdachlose) von dem Praxisalltag?

Die zahnmedizinische Arbeit in der MMM ist fast ausschließlich Notdiensttätigkeit, das unterscheidet sie gravierend vom normalen Praxisalltag.

Was macht Ihnen an der ehrenamtlichen Arbeit am meisten Spaß?

Wunderbar in der MMM sind die Mitarbeiterinnen mit ihrem christlichen Engagement. Wunderbar ist auch, dass ich nur zahnärztlich arbeite und keine Verwaltung machen muss, da wir in der MMM nicht abrechnen. Wir behandeln Patienten ohne Krankenversicherung und verlangen kein Honorar. Die Arbeit in der MMM ist mir eine Herzensangelegenheit. Jedes Mal, wenn ich vom Dienst komme, bin ich müde. Jedes Mal, wenn ich vom Dienst komme, bin ich glücklich.

Was sind die häufigsten Probleme, mit denen die Patienten im MMM zu Ihnen kommen? Können Sie ihren Patienten immer helfen?

Die Patienten sind sehr dankbar für unsere Hilfe. Oft kommen sie mit starken Schmerzen, fortgeschrittenen Erkrankungen von Zähnen, Zahnhalteapparat und umgebenden Strukturen. Größere chirurgische Eingriffe und Wurzelbehandlungen können wir nicht vornehmen. Aber einfache Interimsversorgungen sind möglich.

Das MMM finanziert sich ausschließlich durch Spendengelder – an welchen Geräten bzw. Instrumenten mangelt es der MMM-Zahnarztpraxis noch aufgrund fehlender Gelder?

Wir sind ein engagiertes ehrenamtliches Zahnärzteteam und arbeiten zwei Tage pro Woche am Stuhl, ich bin zweimal im Monat in der MMM und koordiniere ein bisschen. Wir haben alle Geräte, die wir brauchen. Zahnärzte, die mitarbeiten möchten, suchen wir allerdings.

Wie schätzen Sie generell die zahnmedizinische Versorgung in Deutschland ein, wo sehen Sie noch Nachholbedarf, und was sind diesbezüglich Ihre Wünsche für die Zukunft?

Die zahnmedizinische Versorgung in Deutschland ist meiner Meinung nach gut, ausgenommen Alten- und Pflegeeinrichtungen. Mein Wunsch wäre weniger unsinnige Verwaltung, Vorschriften und Dokumentation, die mehr Zeit einnehmen als die zahnärztliche Tätigkeit.

Foto: © Dr. Susanne Dröge
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