Branchenmeldungen 03.07.2026
Komfort darf nicht zur Abhängigkeit werden
Digitale Plattformen verändern zunehmend den Zugang auch zu freiberuflichen Leistungen (z. B. von Anwälten, Ärzten, Steuerberatern) - von der Terminvermittlung über die Sichtbarkeit von Angeboten bis hin zur Steuerung von Daten und Marktbedingungen. Welche Chancen und Risiken diese Entwicklung bietet und welche ordnungspolitischen Herausforderungen daraus entstehen, stand im Mittelpunkt der gemeinsamen Veranstaltung „Monopolbildung im digitalen Raum und ihre Auswirkungen auf freiberufliche Strukturen„, zu der der BFB und die BZÄK am 30. Juni 2026 nach Berlin eingeladen hatten.
Plattformökonomie braucht klare Regeln: Freie Berufe sind Vertrauensberufe für die Menschen: Sie stehen für Verantwortung, Unabhängigkeit und Qualität. Diese Maßstäbe müssen auch in digitalen Märkten zur Geltung kommen - im Interesse der Verbraucherinnen und Verbraucher.
Am Beispiel des zahnärztlichen Sektors wurde deutlich, dass digitale Plattformen zwar Effizienzgewinne ermöglichen, zugleich aber neue Abhängigkeiten schaffen können. Wenn wenige Anbieter den Zugang zu Patientinnen und Patienten steuern oder Preiswettbewerb in den Vordergrund rückt, geraten berufliche Unabhängigkeit, Qualitätsorientierung und faire Wettbewerbsbedingungen unter Druck.
Im Anschluss daran diskutierten Expertinnen und Experten aus Plattformwirtschaft, Datenschutz, Politik und Medien im Rahmen einer Paneldiskussion über Wege zu einem ausgewogenen digitalen Wettbewerb und über die Rolle der Freien Berufe in einer zunehmend plattformbasierten Wirtschaft. Auf dem Panel waren unter anderem Dr. Albrecht von Sonntag, Co-Founder von idealo, Dr. Clara Herdeanu, Chief Communications Officer bei Noxtua, Björn Borrmann, Legal Director Public Policy und Government Affairs bei GetYourGuide und Vertreter des Start-up-Verbands, Thomas Spaeing, Vorsitzender des Berufsverbands der Datenschutzbeauftragten Deutschlands und BFB-Vorstandsmitglied, sowie Honey Deihimi, LL.M., Abteilungsleiterin der Abteilung Demokratie und Engagement im Bundesministerium für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend, vertreten. Moderiert wurde die Diskussion von Roman Eichinger, Redaktionsleiter Politik bei BILD.
In der Diskussion wurden digitale Plattformen aus unterschiedlichen Perspektiven in den Blick genommen. Besonders hervorgehoben wurde die Relevanz wirksamer Regulierung aus Sicht der Freien Berufe. Dabei ging es unter anderem um Resilienz auch aus europäischer Perspektive, die Befähigung zum Umgang mit Künstlicher Intelligenz als bildungspolitischen Auftrag, Datenschutz als Vertrauensfaktor sowie um die Frage, wie der Einsatz von KI berufsrechtskonform ausgestaltet werden kann. Auch Transparenz, Nachvollziehbarkeit und Meinungsfreiheit wurden als zentrale Voraussetzungen einer fairen digitalen Ordnung betont. Einigkeit bestand darin, dass die Freien Berufe in dieser Entwicklung eine besondere Rolle einnehmen.
Die Teilnehmenden begrüßten daher, dass der europäische Digital Markets Act sowie grundsätzlich der aktuelle Referentenentwurf für ein Gesetz für Daten und digitale Innovationen im Gesundheitswesen die Marktmacht großer Plattformen stärker in den Blick nehmen.
Als zentrales Fazit der Veranstaltung wurde deutlich: Ein zukunftsfähiger digitaler Ordnungsrahmen muss die besonderen Anforderungen der Freien Berufe - etwa hinsichtlich Berufsausübung, Datenschutz, Selbstverwaltung und Gemeinwohlorientierung - stärker berücksichtigen und ihre besondere Rolle für Vertrauen, Qualität und Gemeinwohl sichern. Der BFB und die BZÄK sprechen sich deshalb für einen Rechtsrahmen aus, der Wettbewerb ermöglicht, zugleich aber Monopolisierung verhindert und die bewährten Strukturen der Freien Berufe schützt. Digitalisierung dürfe Verantwortung nicht ersetzen, sondern müsse sie unterstützen.