Branchenmeldungen 31.07.2025
Kunst trifft Kieferorthopädie: Eine Praxis für Zähne, Raum und Seele
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In Ihrer Praxis spielt Kunst eine große Rolle – von der Raumgestaltung bis zu wechselnden Ausstellungen. Wie kam es zu dieser ungewöhnlichen Verbindung?
Der entscheidende Impuls kam mit dem Umzug in unsere neuen Räumlichkeiten im Spätsommer 2008. In einer ehemaligen Fabrikantenwohnung ergab sich die Möglichkeit, ein ganz besonderes Raumkonzept zu verwirklichen: Die Idee einer artPRAXIS®, in der Kieferorthopädie mit Kunst und Kultur verbunden wird.
Seit dem Beginn der Umbau- und Planungsphase hat sich dieses Konzept stetig weiterentwickelt. Immer wieder entstanden neue Ideen, Ansatzpunkte und Ziele im Sinne des Kunstliebhabers und Restaurantgründers Michael Chow: „In einer Praxis sollte niemals Vollendung herrschen. So wie die Menschen, die darin sind, sollten sich die Räumlichkeiten mit ihnen ändern.“
Können Sie mehr über den „Galeriegang“ und die Kunstausstellungen in Ihrer Praxis erzählen? Welche Künstler stellen dort aus und wie wählen Sie diese aus?
Bis heute konnten wir über 40 Ausstellungen realisieren – je nach Planung zeigen wir zwei bis maximal vier Ausstellungen pro Jahr. Dabei setzen wir bewusst auf eine große Vielfalt ohne stilistische Einschränkungen. Die Künstlerinnen und Künstler kommen aus ganz unterschiedlichen Regionen: aus unserer direkten Umgebung in Niederbayern und dem Bayerischen Wald, aber auch aus Städten wie München, Frankfurt, Augsburg, Landshut oder dem Schwarzwald. Sogar internationale Beiträge aus Prag und Wien konnten wir bereits zeigen. Viele Künstler bewerben sich initiativ, andere kommen über Empfehlungen oder stoßen über unsere Homepage auf uns. Wir möchten ein breites Spektrum abbilden: Vom Schulprojekt eines nahegelegenen Gymnasiums bis zum über 80-jährigen Fotokünstler aus München war alles dabei. Unser Anspruch ist es, Ausdrucksformen, Originalität, Ideenreichtum und die Freude am Gestalten sichtbar zu machen
Wie reagieren Ihre Patienten auf die künstlerische Gestaltung der Praxisräume?
So vielfältig wie unsere Besucher sind auch die Reaktionen. So könnte man fast von einer „Gaußschen Verteilungskurve“ sprechen: Einige sind begeistert und zeigen das auch offen, manche treten sogar direkt mit den ausstellenden Künstlern in Kontakt. Für viele ist es überraschend, ein solch künstlerisch gestaltetes Ambiente in einer eher ländlichen Region mit rund 35.000 Einwohnern zu erleben. Der Großteil nimmt die wechselnden Eindrücke still und interessiert auf, lässt sie einfach wirken. Und natürlich gibt es auch vereinzelt Stimmen, denen das künstlerische Konzept zu „viel“ für eine Praxis ist.
Wie möchten Sie Ihre Praxis in den nächsten Jahren weiterentwickeln – fachlich, räumlich oder vielleicht auch künstlerisch?
Mittelfristig soll die Praxis an jüngere Hände übergeben werden – idealerweise an jemanden, der den eingeschlagenen Weg fachlich wie künstlerisch weiterführt und weiterentwickelt. Räumlich möchten wir weiterhin das Beste aus unseren Gegebenheiten herausholen. Künstlerisch planen wir neue Kooperationen, unter anderem mit dem örtlichen Kunstmuseum. Ziel ist es, Hybride Ausstellungen zu realisieren, bei denen Werke derselben Künstler an verschiedenen Orten gleichzeitig zu sehen sind. Sie sollten sowohl im Museum als auch in unseren Praxisräumen Anklang finden.
Darüber hinaus sind Kunstprojekte mit Schulklassen und Workshops mit Kunstpädagogen in Planung. Die Ergebnisse dieser Projekte sollen dann in der Praxis präsentiert werden. Auch karitative Projekte, wie die Zusammenarbeit mit artHELPS aus Stuttgart oder Edenculture in Augsburg, liegen uns am Herzen. Veranstaltungen wie Vernissagen zugunsten guter Zwecke möchten wir weiter ausbauen.
Welche Rolle spielt Kunst für Sie persönlich – ist sie Ausgleich, Inspiration oder Kommunikationsmittel?
Für mich ist Kunst all das zugleich: Ausgleich, Inspirationsquelle und ein starkes kommunikatives Medium. In einer Zeit, die von Umbrüchen, Unsicherheiten und ständigem Wandel geprägt ist, kann Kunst Hoffnung geben, Ablenkung bieten und die Sinne erfrischen. Die Schönheit und Farbenpracht eines Kunstwerks hat die Kraft, Menschen zu berühren. Und mal ehrlich: Wer kann schon sagen, dass er während eines Galerie-Besuchs sein schönstes Lächeln „entwickelt“ bekommt? „WE DESIGN YOUR SMILE“ – in einer Umgebung, die nicht nur funktional, sondern auch inspirierend ist.
Was hat Sie dazu bewogen, als Kieferorthopäde Ihr eigenes Magazin MUNDART zu veröffentlichen und welche Rolle spielt MUNDART im Gesamtkonzept Ihrer Praxis?
Die Inspiration kam aus Salzburg, genauer gesagt aus dem ältesten Gasthaus der Stadt in der Getreidegasse, dem artHOTEL Blaue Gans. Dort stieß ich auf das hauseigene Magazin Gänsehaut, das sich mit Themen rund um das Hotel, Kunst und Kultur beschäftigte. Das brachte mich auf die Idee, ein ähnliches Format für unsere Praxis zu schaffen. Denn eine Praxis ist für mich weit mehr als Öffnungszeiten und Behandlungseinheiten, vielmehr ein Ort der Begegnung, ein Raum für Geschichten.MUNDART ist sozusagen unsere „Praxis to go“, also ein Stück von uns, das wir den Patienten mit nach Hause geben. Wir gewähren darin einen Blick hinter die Kulissen und erzählen, was uns bewegt, was wir erreicht haben und was wir noch vorhaben. Das Magazin ist damit ein Bindeglied zwischen unserem Team und unseren Patient/-innen, Behandlern, Eltern, Kooperationspartnern sowie allen, die mit uns in Verbindung stehen.
Vielen Dank für das Gespräch!
1 The impact of viewing art on well-being – a systematic review of the evidence base and suggested mechanisms. The Journal of Positive Psychology.