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Branchenmeldungen 16.01.2020

#MeToo – in deutschen Praxen noch ein Fremdwort

#MeToo – in deutschen Praxen noch ein Fremdwort

Übergriffige Patienten, Anzüglichkeiten von Kollegen: Sexuelle Belästigung hat viele Gesichter und ist in Praxen allgegenwärtig. Das Problem: Ein Großteil der Opfer bewahrt Stillschweigen – u.a. aus Angst, belächelt zu werden.

Die Ergebnisse des aktuellen Medscape-Reports sind bedenklich. Von den 1.000 Teilnehmern aus Kliniken und Praxen haben in den vergangenen drei Jahren sieben Prozent der Ärzte selbst Erfahrungen mit sexueller Belästigung gemacht, rund jeder Sechste hat solche Szenen im Arbeitsumfeld beobachtet. Wie die anonym übermittelten Antworten zeigten, sind Personen zwischen 40 und 49 Jahren am häufigsten betroffen (19 Prozent), gefolgt von Erwachsenen unter 39 Jahren (15 Prozent). Zwölf Prozent der Opfer waren zwischen 50 und 59 Jahre alt.

Wenig überraschend: Frauen haben dreimal so häufig Erfahrungen mit sexuellen Übergriffen gemacht als Männer. Das Spektrum der Belästigung reicht von (in)direkten Vorschlägen für sexuelle Aktivitäten oder anzüglichen Kommentaren und Blicken auf bestimmte Körperregionen (haben knapp zwei Drittel erlebt) über körperliche Annährung, Körperkontakt und „Angrabschen“, was mehr als die Hälfte der Opfer erfahren musste, bis hin zum erzwungenen sexuellen Kontakt (sieben Prozent). Täter sind sowohl Patienten als auch Kollegen.

Meist ereignen sich diese Übergriffe hinter verschlossenen Türen der Behandlungszimmer. Und bleiben auch dort, denn in drei Viertel der Fälle werden die Täter nicht gemeldet. Die Angst, nicht ernst genommen zu werden, scheint zu groß (40 Prozent). Jedes vierte Opfer glaubt zudem, dass eh nichts unternommen wird, jedes fünfte, dass ihr Anliegen nicht vertraulich behandelt wird.

Die meisten Opfer bleiben von den Übergriffen nicht unberührt. Mehr als jeder fünfte Betroffene nennt ein verändertes Schlafverhalten und sehr starke Beeinträchtigungen bei der Arbeit. Fast jeder Vierte spielt mit dem Gedanken, zu kündigen, 23 Prozent setzten diesen Gedanken in die Tat um. Dass die Übergriffe auch Folgen für die Patienten haben können, bestätigten rund 15 Prozent der Befragten: Sie gaben zu, dass ihnen mehr Fehler unterlaufen seien oder sie einen weniger engagierten Kontakt mit dem Patienten hegten.

Foto: rudall30 – stock.adobe.com

Wo bekommen Opfer sexueller Belästigung Hilfe?

Antidiskriminierungsstelle des Bundes

Opfer können sich an die Antidiskriminierungsstelle des Bundes wenden. Diese bietet eine juristische Erstberatung unter der 030 – 18555 18555 oder via E-Mail beratung@ads.bund.de an.

Das Hilfetelefon ist zudem rund um die Uhr für Opfer: 08000 116016 erreichbar.

Auf dieser Webseite können Betroffene zudem eine Bratungsstelle im Umkreis suchen.

Weitere Informationen zu Rechten und Handlungsstrategien Betroffener sowie entsprechender Beratung werden hier bereitgestellt.

 

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