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Branchenmeldungen 20.10.2014

Mundgesundheit in der Hausarztpraxis: Zähne nicht vergessen!

Mundgesundheit in der Hausarztpraxis: Zähne nicht vergessen!

Komplexe Erkrankungen erfordern die Kompetenz mehrerer Fachdisziplinen, damit Heilung stattfinden kann. Das weiß wohl keiner besser als der Hausarzt: Bei Bedarf überweist er seine Patienten beispielsweise an Kollegen aus der Hals-Nasen-Ohrenheilkunde, der Psychologie oder der Radiologe, um eine optimale Versorgung zu gewährleisten. Doch Zahnärzte sind nur selten Teil der interdisziplinären Zusammenarbeit. Dabei gibt es durchaus Überschneidungen, lassen sich manche Erkrankungen doch erfolgreicher behandeln, wenn Zähne und Zahnfleisch mit einbezogen werden.  

Manche Patienten stellen ihre Ärzte vor große Rätsel: Ihre Symptome sind unspezifisch, die Diagnose ist schwer zu stellen. Dann ist Weitblick gefragt: Wussten Sie beispielsweise, dass an den Rückenschmerzen Ihres Patienten auch die Zähne schuld sein können? Oder dass Diabetiker ein höheres Parodontitis-Risiko haben? Die Komplexität des menschlichen Körpers und die weit verzweigten Wechselwirkungen verdeutlichen, dass Allgemein- und Zahnmedizin nicht so weit voneinander entfernt sind, wie man meinen könnte.   

Wenn der ganze Körper schmerzt

Patienten mit mehreren verschiedenen Krankheiten haben es besonders schwer. Manchen schmerzt der ganze Körper: Ihnen tun Kopf und Gesicht, Rücken und Ohren, teilweise auch die Knie weh. Wenn Patienten mit diesen Beschwerden in der Hausarztpraxis erscheinen, ist eine gute Zusammenarbeit zwischen den Ärzten gefragt. Denn es könnte sich lohnen, nicht nur die schmerzenden Körperteile, sondern auch die Zähne zu untersuchen. Schließlich leiden viele Patienten an Craniomandibulärer Dysfunktion, kurz CMD.

Diese Erkrankung ist weit verbreitet, aber oft unerkannt. Rund 20 Millionen Deutsche haben Rücken-, Gelenk-, Ohren- oder Kopfschmerzen, weil Zähne oder Kiefer nicht gleichmäßig aufeinandertreffen. Damit ist nicht nur das harmonische Zusammenspiel der Kaumuskulatur, sondern der gesamten Körperstatik gestört. Weil sich durch den Fehlbiss auch die Haltung des Kopfes und der Wirbelsäule ändern kann, sind die Symptome breit gefächert. Kann der Hausarzt keine Ursachen für die Beschwerden seines Patienten finden oder vermutet er von vornherein, dass eine Craniomandibuläre Dysfunktion vorliegt, ist ein spezialisierter Zahnarzt der richtige Ansprechpartner. Er kann manuelle Funktions- und Strukturanalysen durchführen, um die Mundstatik wiederherzustellen und die Beschwerden zu lindern. 

Von Schlafstörungen bis Unfruchtbarkeit: Ist die Angst vor Amalgam berechtigt?   

Klagen Patienten über unspezifische Symptome wie Schlafstörungen, Unruhe oder Unfruchtbarkeit, stellen sie manchmal selbst Vermutungen über die Ursache ihrer Leiden an. Und verdächtigen beispielsweise die Amalgamfüllung in ihrem Mund. Denn Amalgam ist immer wieder im Kreuzfeuer der Kritik. Hausärzte, die mit den geschilderten Symptomen und den damit einhergehenden Ängsten konfrontiert werden, müssen einschätzen, ob Amalgam tatsächlich die Ursache der Beschwerden ist. 

Die Angst der Patienten ist verständlich: Das giftige Quecksilber der Amalgamfüllungen gelangt in Form von Abrieb, Dämpfen oder löslichen Quecksilberionen in den Körper. Doch viele Patienten wissen nicht, dass es sich dabei nur um kleinste Mengen handelt, die der Körper schnell wieder ausscheidet. Laut zahlreicher Studien sind von Amalgamfüllungen keine gesundheitlichen Schäden zu erwarten. Weil sie allenfalls lokale allergische Reaktionen auslösen, stufte die Europäische Kommission die viel verwendeten Amalgamfüllungen im März 2014 als „gering gefährdend“ ein. Deshalb sollte es nicht überraschen, wenn Hausärzte andere Ursachen für diffuse Beschwerden wie Konzentrations- oder Schlafstörungen finden. Doch wenn die Symptome trotz einer Therapie bestehen bleiben oder die Angst vor dem Quecksilber im Mund nicht weichen will, ist die Amalgamentfernung eine weitere Option, die mit dem Zahnarzt zu besprechen ist. 

Parodontitis, ein Herzinfarkt-Risiko

Die häufigste Diagnose, die Allgemeinärzte stellen, lautet „Bluthochdruck“. Da sich Hypertonie nicht durch Schmerzen bemerkbar macht, ist manchen Patienten allerdings nicht klar, dass Bluthochdruck eine ernst zu nehmende Erkrankung ist. Hier ist Aufklärung gefragt. Da die Patienten ein erhöhtes Herzinfarkt-Risiko haben, müssen sie besonders darauf achten, sich nicht noch mehr Risiken auszusetzen. Aber manche Hausärzte warnen ihre Patienten nicht vor allen Gefahren.

Nicht nur Tabak und hohe Cholesterinwerte, sondern auch Parodontitis erhöht das Herzinfarkt-Risiko.  In der Tat haben Wissenschaftler herausgefunden, dass Patienten mit Parodontalerkrankungen ein doppelt so hohes Risiko haben, einen Herzinfarkt oder Schlaganfall zu erleiden. Die Ursachen sind allerdings noch unklar. Vielleicht gelangen Bakterien aus der Mundhöhle in den Blutkreislauf, wo sie zu Blutgerinseln führen. Oder die Zahnerkrankung löst Entzündungen aus, die mit einer Verdickung der Gefäßwände einhergeht. Der Beweis eines kausalen Zusammenhangs steht zwar noch aus, doch macht es Sinn, Patienten mit erhöhtem Herzinfarkt-Risiko auf die möglichen negativen Auswirkungen einer Zahnfleischentzündung aufmerksam zu machen. Zahnfleischbluten, Rückbildung des Zahnfleisches, empfindliche Zähne und sensibles Zahnfleisch oder Mundgeruch können auf eine Parodontitis hinweisen und eine zahnärztliche Untersuchung notwendig machen.

Warum Diabetiker zum Zahnarzt sollten 

Neben Bluthochdruck gehört auch Diabetes mellitus Typ-2 zu den Krankheiten, die Allgemeinärzte am häufigsten diagnostizieren. Auch diese Volkskrankheit steht mit den Zähnen in Wechselwirkung. Denn Diabetiker haben ein höheres Risiko, an Parodontose zu erkranken. Parodontose wiederum sorgt dafür, dass sich die Blutzuckerwerte schlechter regulieren lassen. Ein Teufelskreis, vor dem Diabetiker gewarnt werden sollten.

Die Deutsche Gesellschaft für Parodontologie empfiehlt, jeden Diabetiker zum Zahnarzt zu schicken. Dort erfahren die Patienten, dass die gründliche Mundhygiene für sie besonders wichtig ist. Sorgfältige häusliche Zahnpflege und professionelle Prophylaxe-Maßnahmen helfen, Parodontitis vorzubeugen und damit gute Voraussetzungen für die Diabetes-Behandlung zu schaffen.  

Wann Mundgeruch ein Fall für den Hausarzt ist  

Der Hausarzt ist erster Ansprechpartner für die unterschiedlichsten Probleme – manchmal auch für Mundgeruch. Wenn Patienten bewusst auf bestimmte Lebensmittel wie Zwiebeln und Knoblauch verzichten oder bereits auf eine gute Zahnhygiene achten, liegt der Verdacht nahe, dass eine behandlungsbedürftige Erkrankung hinter dem schlechten Atem steckt. Mit dieser Befürchtung suchen manche Patienten zunächst zu ihren Hausarzt auf.

Die Aufgabe des Hausarztes besteht nun darin, herausfinden, ob tatsächlich eine Grunderkrankung vorliegt. Dafür sind Nieren, Leber, Verdauungstrakt und Atemwege zu untersuchen, die in seltenen Fällen tatsächlich für Mundgeruch sorgen. Sind Auffälligkeiten zu erkennen, die der Hausarzt nicht selbst behandeln kann oder ist zu vermuten, dass Zähne und Zahnfleisch am Mundgeruch schuld sind, kommen Fachärzte ins Spiel.   

Fazit: Um die Allgemeingesundheit der Patienten zu erhalten oder wiederherzustellen, lohnt sich manchmal ein Blick in die Mundhöhle. Denn mitunter sind es die Zähne, die Kopf- und Rückenschmerzen auslösen, das Herzinfarkt-Risiko erhöhen oder die Diabetes-Behandlung erschweren. In anderen Fällen werden Zähne bzw. Zahnfüllungen mit Amalgam zu Unrecht beschuldigt, da andere Ursachen an Symptomen wie Unruhe oder Mundgeruch schuld sind. Auch in diesen Fällen müssen Hausärzte einschätzen können, ob sie ihre Patienten in die Zahnarztpraxis schicken sollten, um die Beschwerden zu lindern. So kann die interdisziplinären Zusammenarbeit helfen, die medizinische Versorgung zu verbessern. 

Foto: © closeupimages - Fotolia
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