Branchenmeldungen 20.03.2026

Mundgesundheit erreicht die Haushalte: Was Community Health Champions in Kenia verändern

DENTIST FOR AFRICA – Unter großen Bäumen vor dem Asumbi Mission Hospital im Westen Kenias sitzen 50 Community Health Champions (CHC) im Kreis. Zusammen mit dem Projektteam sowie Vertreterinnen und Vertretern des Gesundheitsministeriums auf County-Ebene kommt man ein Jahr nach Start des CHC-Projekts zusammen.

Mundgesundheit erreicht die Haushalte: Was Community Health Champions in Kenia verändern

Foto: Dentists for Africa

Was hier sichtbar wird, ist mehr als ein Projektstatus – es ist ein funktionierendes Beispiel dafür, wie lokale Gesundheitsstrukturen gezielt gestärkt werden können.

Bild von einem Quotenzeichen
"Unsere Community Health Champions sind die Augen und Ohren des Krankenhauses in der Gemeinde. Sie besuchen die Haushalte, klären über Krankheiten auf und begleiten Menschen zur Behandlung – und genau dadurch wächst Vertrauen. Wir sehen, wie dankbar die Menschen sind, wenn jemand zum ersten Mal zu Hause über ihre Gesundheit spricht", beschreibt die kenianische Projektleiterin des Asumbi Hospitals, Sister John Mary die Bedeutung der CHCs.

Ein global unterschätztes Thema – mit klarer Datenlage

In Afrika leiden etwa 42–44 % der Bevölkerung an unbehandelten oralen Erkrankungen². Gleichzeitig haben mehr als 3,5 Milliarden Menschen weltweit keinen ausreichenden Zugang zu grundlegender zahnmedizinischer Versorgung³.

Ein bestehendes System als Schlüssel zum Erfolg

Das von Dentists for Africa (DfA) betreute Projekt baut auf dem etablierten System der Community Health Volunteers (CHV) auf, die fest im kenianischen Gesundheitssystem verankert sind. Durch gezielte Weiterbildung im Bereich der Mundgesundheit werden sie zu Community Health Champions qualifiziert.

Bild von einem Quotenzeichen
„Ein Jahr nach Projektstart zeigt sich, wie wirkungsvoll es ist, bestehende Strukturen gezielt zu stärken und zu erweitern“, sagt DfA- Projektverantwortliche Dr. Isa Rait.

Diese lokalen Gesundheitshelferinnen und -helfer besuchen regelmäßig Haushalte, klären über Krankheiten auf und begleiten Patientinnen und Patienten. Die entscheidende Weiterentwicklung: Sie werden gezielt im Bereich der Mundgesundheit geschult – und so zu Community Health Champions.

Die Idee dazu kam aus dem kenianischen Team selbst. Finanziert wird das Projekt von der Walter-Gastreich-Stiftung, die sich u.a. der Förderung von Entwicklungshilfe und der Gesundheitspflege verschrieben hat. Gemeinsam mit Dentists for Africa entsteht so ein Ansatz, der lokale Initiative mit internationaler Förderung verbindet.

Gesundheit kommt nach Hause

Die Wirkung dieses Ansatzes zeigt sich bereits im ersten Projektjahr deutlich: Rund die Hälfte der Haushalte im Einzugsgebiet wurde erreicht, etwa 6.000 Menschen profitieren direkt von regelmäßiger Gesundheitsaufklärung – erstmals auch zur Mundgesundheit.

Für viele Menschen bedeutet das einen grundlegenden Wandel: Informationen über Zahnhygiene, Ernährung und Krankheitsbilder erreichen sie dort, wo sie leben.

Die Community Health Champions genießen dabei großes Vertrauen. In der Bevölkerung werden sie wertschätzend als „No.1 doctors“ bezeichnet.

Gleichzeitig liefern die Erfahrungen aus der Praxis wichtige Hinweise für die Weiterentwicklung: Derzeit nehmen nur rund 29 % der Patientinnen und Patienten, die von den CHCs zur zahnmedizinischen Behandlung überwiesen werden, diese Möglichkeit tatsächlich wahr. Die Gründe dafür liegen weniger in fehlender Akzeptanz, sondern vor allem in strukturellen Hürden – insbesondere in finanziellen Belastungen sowie fehlenden Transportmöglichkeiten in der ländlichen Region.

Diese Erkenntnisse sind zentral, um den Zugang zur Versorgung künftig noch gezielter zu verbessern.

Lokale Verankerung als Erfolgsfaktor

Ein entscheidender Erfolgsfaktor des Projekts ist die enge Zusammenarbeit vor Ort: zwischen Community Health Champions, dem lokalen Krankenhaus und den Gesundheitsbehörden.

Die regelmäßigen Treffen schaffen Raum für Austausch, Weiterbildung und gemeinsame Lösungsansätze. Herausforderungen werden nicht isoliert betrachtet, sondern gemeinsam diskutiert. So berichteten die CHCs offen über ihre Erfahrungen im ersten Jahr – und brachten konkrete Verbesserungsvorschläge ein, etwa zur besseren Organisation von Transporten oder zur weiteren Unterstützung von Patientinnen und Patienten.

Diese Rückkopplungsschleifen sind zentral: Sie ermöglichen es, das Projekt kontinuierlich an die Realität vor Ort anzupassen.

Motivation, die wirkt

Ein besonderes Element des Projekts ist die gezielte Anerkennung der Arbeit der CHCs.

Beim Jahrestreffen wurden die engagiertesten Gesundheitshelferinnen und -helfer ausgezeichnet – mit Preisen, die im Alltag einen echten Unterschied machen: Geldprämien, eine Matratze, eine warme Decke und als erster Preis ein Fahrrad.

Die Preisverleihung wurde gemeinsam gefeiert – mit Gesang, Austausch und einem großen Kuchen für alle Beteiligten. Diese Form der Wertschätzung ist mehr als Symbolik: Sie stärkt Motivation, Sichtbarkeit und die langfristige Bindung der CHCs an ihre wichtige Aufgabe.

Erkenntnisse aus dem ersten Jahr

Nach einem Jahr zeigt sich: Der gewählte Ansatz funktioniert.

  • Die CHCs erreichen die Menschen zuverlässig in ihrem Alltag
  • Gesundheitswissen – auch zur Mundgesundheit – wird angenommen
  • Vertrauen in lokale Gesundheitsstrukturen wird gestärkt

Gleichzeitig liefert das Projekt wertvolle Erkenntnisse für die Weiterentwicklung: Gesundheitsaufklärung entfaltet ihre volle Wirkung besonders dann, wenn sie eng mit den realen Lebensbedingungen der Menschen verzahnt ist.

Ein Modell mit Perspektive

Das Community-Health-Champions-Projekt zeigt exemplarisch, wie nachhaltige Gesundheitsarbeit funktionieren kann.

Bild von einem Quotenzeichen
"Zugang zu zahnmedizinischer Versorgung darf kein Luxus sein. Mit diesem Projekt stärken wir lokale Strukturen und geben den Menschen in Asumbi die Möglichkeit, selbst Verantwortung für ihre Gesundheit zu übernehmen – unterstützt durch eine langfristige und verlässliche Partnerschaft", betont Nicholas Koech, ehemaliges Patenkind und aktuelles DfA-Vorstandsmitglied.

Fazit

Mundgesundheit erreicht in dieser Region Kenias erstmals systematisch die Haushalte – nicht als isoliertes Projekt, sondern als Erweiterung eines funktionierenden Systems. Die Community Health Champions machen sichtbar, was möglich ist, wenn Gesundheitsversorgung konsequent von den Menschen her gedacht wird.

Doch sie haben auch deutlich gemacht: Wissen allein heilt keine Zähne. Der eigentliche Hebel liegt in der Verbindung von Aufklärung, Zugang und Finanzierung. Erst wenn alle drei zusammenkommen, kann aus einem erfolgreichen Projekt eine wirksame Gesundheitsintervention werden.

Quellen:

1. WHO (2023): Oral Health Fact Sheet

2. WHO Africa (2024): Oral Health Workforce Report

3. FDI World Dental Federation: Global Oral Health Statistics 

Mehr News aus Branchenmeldungen

ePaper