Branchenmeldungen 15.06.2021

Nutzen von Fluoriden in der (Kinder-)Zahnheilkunde

Nadja Reichert
Nadja Reichert
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Nutzen von Fluoriden in der (Kinder-)Zahnheilkunde

Foto: stock.adobe.com – Oksana Kuzmina

Anlässlich ihres 30-jährigen Jubiläums widmete sich die Informationsstelle für Kariesprophylaxe (IfK) ausführlich dem Thema Fluorid in der (Kinder-)Zahnheilkunde.

Fluoride befinden sich in vielen gängigen Prophylaxeprodukten, angefangen von der Zahnpasta bis hin zu Gelen und Lacken. Aber was leisten sie für die Mundhygiene wirklich und was ist dran an ihrer angeblichen Schädlichkeit? Die Informationsstelle für Kariesprophylaxe (IfK) hat sich im Rahmen einer Pressekonferenz zu ihrem 30-jährigen Jubiläum mit diesen Fragen beschäftigt.

Gern hätte Univ.-Prof. Dr. Stefan Zimmer, Sprecher der Informationsstelle für Kariesprophylaxe (IfK) und Mitglied im wissenschaftlichen Beirat sowie Präsident der Deutschen Gesellschaft für Präventivzahnmedizin e.V. (DGPZM), das 30-jährige Jubiläum der IfK in einem persönlichen Rahmen gewürdigt. Die geplanten Vorträge konnten aber trotz der noch andauernden Coronapandemie in einer Online-Pressekonferenz stattfinden. Prof. Dr. Zimmer hatte dafür zwei weitere Mitglieder aus dem wissenschaftlichen Beirat der IfK eingeladen, um ein Kernthema der Prophylaxe zu beleuchten, das kontrovers diskutiert wird: Fluoride. Immer wieder finden sich Artikel in den Medien, die ihnen eine schädliche Wirkung zuschreiben. Ebenso häufig wird betont, welchen enormen Nutzen sie für die Mundhygiene und Prävention haben.

Prof. Dr. Zimmer und seine beiden Kollegen, Dr. Gudrun Rojas, stellvertretende Sprecherin der IfK sowie Leiterin des Zahnärztlichen Dienstes der Stadt Brandenburg an der Havel, und Prof. Dr. Andreas Schaper, Leiter des Pharmakologisch-Toxikologisches Servicezentrum, Giftinformationszentrum-Nord der Universität Göttingen, klinischer Toxikologe (GfKT) und Facharzt für Chirurgie, widmeten sich in vier Vorträgen dem Nutzen von Fluorid in der Prophylaxe und speziell der Kinderzahnheilkunde.

Speisesalzfluoridierung als einfaches Mittel für die Kariesprävention

Prof. Dr. Zimmer blickte zunächst auf die Gründung der IfK im Jahr 1991 durch Prof. Dr. Thomas Marthaler, Dr. Hannes-Werner Hey und Prof. Dr. Gisela Hetzer nach der Zulassung des Imports für fluoridiertes Speisesalz zurück. Er betonte dabei vor allem die enorme Bedeutung der Arbeit der Gründungsmitglieder und legte dar, wie sich die Akzeptanz von fluoridiertem Speisesalz in Deutschland in den vergangenen 30 Jahren entwickelte. Gleichzeitig stellte er die Ziele und gesetzlichen Arbeitsgrundlagen vor und welche Aufgaben in Zukunft noch auf die IfK warten.

Überleitend ging es dann um den Nutzen der Speisesalzfluoridierung für die Kinderzahnheilkunde. Dieses Thema spielte auch im Vortrag von Dr. Rojas eine Rolle. Speisesalzfluoridierung kann über die Ernährung der Kinder einen zusätzlichen Beitrag für die Remineralisierung der Zähne leisten, da das Fluorid hier direkt über die Nahrung an die Zähne gelangt. Dr. Rojas erläuterte weiterhin, wie Fluoride die Mundhygiene und Zahngesundheit unterstützen können. Grundlage dafür waren die vier Säulen für gesunde Zähne – zahngesunde Ernährung, gewissenhafte Zahnpflege, stärkende Fluoride und zahnärztliche Vorsorge. Dr. Rojas betonte, wie wichtig eine kontrollierte und effektive Mundhygiene für (Klein-)Kinder ist. Wird sie vernachlässigt, beeinflusst das nicht nur das Gebiss, sondern auch die allgemeine Gesundheit negativ. Folgen können etwa verringerte Nahrungsaufnahme, beeinträchtigtes Erlernen von Sprechen und damit einhergehend eingeschränkte Kommunikationsfähigkeit sowie sinkende soziale Akzeptanz und ein verringertes Selbstwertgefühl sein. Als Ursache für eine ungenügende Mundhygiene nannte Dr. Rojas dabei das Verhalten der Eltern und betonte, dass Zahnärztin und Zahnarzt hier eine Menge tun können, indem sie diese motivieren, eine Vorbildfunktion zu übernehmen und regelmäßig nachzuputzen. Fluorid sollte dabei in der den Altersgruppen entsprechenden Menge in den Zahnpasten enthalten sein. Sie empfahl auch, dass Zahnmedizinerinnen und Zahnmedizinern auf Bedenken der Eltern gegenüber Fluorid durch Berufung auf Studien und Leitlinien, ihr eignes Fachwissen und einen vertrauensvollen Umgang mit den jungen Patientinnnen und Patienten und ihren Eltern eingehen können.

Wie giftig ist Fluorid?

Natürlich gibt es immer Gegner. Daher ging Prof. Dr. Schaper im dritten Vortrag speziell auf die Toxizität von Fluorid ein. Er unterschied dabei zwischen akut und chronisch. Anhand von verschiedenen Jahresauswertungen und Studien konnte er zeigen, dass die Gefahr für Kinder, selbst wenn sie fluoridhaltige Zahnpasta verschlucken, sehr gering ist – entscheidend ist hier natürlich die Menge. Die Symptomatik der Kinder war nach dem Verschlucken allerdings in den meisten Fällen sehr gering bis kaum oder gar nicht vorhanden. In Bezug auf die chronische Toxizität ging er speziell auf den Vorwurf ein, Fluorid würde die Intelligenz mindern. Auch hier zeigte Prof. Dr. Schaper anhand einiger Studien, dass dieser Effekt nicht nachgewiesen werden konnte.

Prof. Dr. Zimmer stellte abschließend noch einmal die Wirksamkeit und den Nutzen von Fluorid in den verschiedenen Mundhygieneprodukten zusammen. Zudem zeigte er auch, dass ein Verzicht auf Fluorid z.B. in Zahnpasta zu einem Anstieg des Kariesbefalls in allen Altersgruppen führen würde.

 

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