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Branchenmeldungen 06.02.2019

Zahnmedizinische Versorgung Österreichs hat Nachholbedarf

Zahnmedizinische Versorgung Österreichs hat Nachholbedarf

Der Rechnungshof Österreich (RH) hat einen Bericht zur Versorgung im Bereich der Zahnmedizin veröffentlicht. Demnach wurde nicht nur versäumt, konkrete Zahngesundheitsziele für Österreich zu definieren.

Der RH hatte eine Gebarungsprüfung für den Zeitraum November 2016 bis Februar 2017 durchgeführt, die hierfür Auskünfte bei der Niederösterreichischen Gebietskrankenkasse (NÖGKK), beim Hauptverband der österreichischen Sozialversicherungsträger, beim Bundesministerium für Gesundheit und Frauen, bei der Gesundheit Österreich GmbH sowie bei der Österreichischen Zahnärztekammer (ÖZÄK) einholte. Der ca. 90-seitige Bericht beurteilt zum einen die Zweckmäßigkeit, Sparsamkeit und Wirtschaftlichkeit der gesundheitspolitischen Steuerung, zum anderen die des Leistungsspektrums der Krankenversicherungsträger, der kasseneigenen Zahnambulatorien und Implementierung der Gratiszahnspange.

Einer der Hauptkritikpunkte des RH sind die veralteten Gesamtverträge, die noch aus dem Jahr 1956 stammen. Zwar gäbe es einige Anpassungen bei Leistungspositionen, aber selbst nach Auslösung der Zahnärztekammer 2005 aus der Ärztekammer wurde kein bundesweiter Gesamtvertrag zwischen Hauptverband und ÖZÄK geschlossen. Problematisch ist daran, dass weder technische Entwicklungen berücksichtigt werden noch der zahnmedizinischen Prophylaxe ausreichend Beachtung zukommt. Dieser Missstand spiegele sich auch in den Kassenkatalogen wider, in denen Prophylaxeleistungen gar nicht enthalten sind, während in der konservierenden Zahnmedizin ein Großteil von den Kassen übernommen werde. Ein Anreizsystem für Patienten gibt es nicht.

Der RH kritisiert darüber hinaus, dass Österreich im Prüfungszeitraum entgegen der WHO-Empfehlung noch immer keine eigenen Zahngesundheitsziele formuliert hatte. Ein Grund könnte die fehlende Datenbasis sein, womit der Bericht auf ein weiteres Versäumnis aufmerksam macht. Zahlen zum aktuellen Zahnstatus der Österreicher wurden, wie das Beispiel Parodontitis zeigt, nicht erhoben. Im Fall der Zahnfleischerkrankungen ist von einer Dunkelziffer von 54 Prozent der Erwachsenen die Rede.

Um die zahnmedizinische Versorgung nachhaltig zu verbessern, fordert der RH eine engere Zusammenarbeit aller beteiligten Akteure. Er empfiehlt zudem die Definition von Zahngesundheits- und Versorgungszielen, Evaluation von Ergebnissen, die Aktualisierung des Leistungskatalogs sowie eine stärkere Ausrichtung auf Prophylaxe.

Der vollständige Bericht kann hier eingesehen werden.

Foto: Drobot Dean – stock.adobe.com

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